Am Dienstag Abend wurde im Casinotheater Winterthur im Beisein von Bundesrätin Doris Leuthard zum 27. Mal der Zürcher Journalistenpreis vergeben. Den Preis für das Gesamtwerk gewann der Publizist Karl Lüönd. Die Jury würdigte seine streitbare Art aber auch seine Resistenz gegen Moden und Trends, gegen Ideologien und Kommerz. Lüönd sei in der Schweizer Medienöffentlichkeit lange als herausragender Vertreter eines attrativen Boulevard-Journalismus präsent gewesen, sagte Laudator Roger Cahn.
Charlotte Jacquemart und Daniel Hug, Marcel Hänggi, Gabrielle Kleinert, Christian Schmidt und Bruno Ziauddin wurden für ihre Arbeiten ausgezeichnet, die aus insgesamt 177 Einsendungen ausgewählt wurden. Jacquemart und Hug haben in der NZZ am Sonntag als erste Journalisten die Fusion der Zürcher Banken Swissfirst und Bellevue unter die Lupe genommen und damit den Stein ins Rollen gebracht. Die beiden Journalisten seien während Monaten hartnäckig an der Geschichte dran geblieben, lobte die Jury.
Christian Schmidts differenzierte Schilderung in der NZZ, wie in Namibia erstmals eine Farm ihren deutschstämmigen Besitzern weggenommen und den Afrikanern zugesprochen wurde, gewann ebenfalls den begehrten Preis. Bruno Ziauddin von der Weltwoche wurde ausgezeichnet für den Artikel "Das Beste zum Schluss" . Gleicherweise einfühlsam wie schonungslos habe Ziauddin die leisen Sensationen des Alltags in einem Zürcher Altersheim aufgespürt, sagte Marco Meier. Der Autor habe die herrschenden Klischees über das Alter herrlich konterkariert mit den Zwischentönen des vorgefundenen Alltags.
Weitere Preise erhielten Marcel Hänggi für den Artikel "Berufsrevolutionär" in der WOZ, der die Aufbruchspolitik des ETH-Präsidenten Ernst Hafen hinterfragte sowie Gabrielle Kleinert für den Artikel "Tschuggerei auf Patrouille" mit ihrem Selbsterfahrungsbericht als Stadtberner Polizistin für das ehemalige SonntagsBlick-Magazin "Sie + Er".

