Der Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung, Eric Gujer, hat in einem Interview die SRG-Medien scharf kritisiert. Er nehme sie als eine «PR-Agentur des Bundesrats» wahr, erklärte Gujer gegenüber dem SonntagsBlick.
Die permanente Kritik seiner Zeitung, der NZZ, an staatlichen Regeln zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie sei eine «kritische Begleitung von politischen Entscheiden», betonte er. Dies sei «eine Kernaufgabe der Medien in der Demokratie», hob Gujer weiter hervor. «Die NZZ hat zu denjenigen Medien gehört, die noch Widerwort und Kritik geübt haben. Das entspricht unserem freiheitlichen Menschenbild. Gerade in einer solchen Situation kann nicht alles staatlich verordnet sein», so Gujer.
«Nicht die neuen Bauern»
Anders die Medien des Service Public: Diese hätten sich in «geistiger Habachtstellung» vor den Bundesrat gestellt, auch manche privaten Medien «haben in der Corona-Krise ein bisschen ihre Wächterfunktion vergessen», kritisiert der NZZ-Chefredaktor mit Blick auf die allgemeine Situation in den Schweizer Medien.
Gujer spricht zu dem erneut über die Vorschläge zur Medienförderung durch den Staat. Wie bereits im persoenlich.com-Interview Anfang Oktober zeigt er sich diebezüglich kritisch: «Von Subventionen abhängig sein, kann nicht unser Geschäftsmodell sein. Ich glaube auch nicht, dass die Leser das wollen. Journalisten sollten nicht die neuen Bauern werden», so Gujer im SoBli.
Dort spricht er zudem über die Kritik am «Seuchen-Sozialismus» und über die Frage, weshalb die NZZ nie ein deutsches Blatt werden soll. (sda/eh)
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14.12.2020 08:19 Uhr

