Nach dem Willen des Nationalrates sollen für die distanzunabhängige Distribution jährlich 60 Millionen Fördergelder gesprochen werden. 20 weitere Millionen soll die Post erhalten, um gezielt die Beförderung kleinauflagiger Titel zusätzlich zu verbilligen. Der Ständerat lehnt eine Presseförderung nach dem Giesskannen-Prinzip ab und will die Posttaxen nur für Regional- und Lokalblätter und für die kleinere Mitgliederpresse verbilligen. Dies in einem Umfang von 30 Millionen Franken.
Die grossen Verlage sind weniger auf die Presseförderung angewiesen, weil sie für die Zustellung ihrer Tageszeitungen über eigene Verteilorganisationen verfügen. Bei den Wochenzeitungen und Zeitschriften, die praktisch ausschliesslich durch die Post verteilt werden, wären aber auch die auflagenstarken Titel massiv betroffen, wenn die Post die Verteilkosten aufgrund der fehlenden Presseförderung anheben würden.
Post soll Vertriebspreise senken
Bei den Gratiswochenzeitungen Migros-Magazin und Coopzeitung -- die beiden meistgelesenen Printtitel in der Schweiz überhaupt -- hat man sehr dezidierte Meinungen zu den Posttarifen. "Höhere Tarife können wir keinesfalls akzeptieren", erklärt Marius Hagger, Leiter Migros-Medien gegenüber "persoenlich.com". Man bezahle auch im noch bis Ende 2007 geltenden Tarifmodell deutlich zuviel und sei der Ansicht, dass die Post noch Kostensenkungs-Potentiale habe. Die Migros-Presse sei darauf angewiesen, die Vertriebspreise für ihre Titel deutlich zu senken. Der Detailhandel stehe unter einem enormen Druck. Dies tangiere auch die Migros-Presse.
Bei der Coop-Presse bläst man ins gleiche Horn. "Der Kostenblock 'Vertrieb über die Schweizer Post' ist schon heute der weitaus grösste Budgetposten bei der Coop-Presse, den wir unbedingt reduzieren müssen", erläutert Joachim Tillessen, Leiter Coop-Presse. Die Post habe selber aufgezeigt, dass die grossauflagigen und im Gewicht schwereren Zeitungen wie die Coop-Presse schon heute zu viel Porto bezahlen. "Die Coop-Presse erwartet daher in den kommenden Jahren deutliche Kostensenkungen im Vertrieb."
"Sollten die Tarife für die Migros-Presse aufgrund eines allfälligen Parlaments-Entscheids steigen, müssen wir alternative Vertriebsformen ernsthaft in Betracht ziehen", erklärt Hagger. In einer ähnlichen Situation habe man bereits vor einigen Jahren den Aufbau einer eigenen Distribution geprüft. Bei der Coop-Presse will man laut Tillessen dann Alternativen prüfen "und die bereits vorhandenen Ansätze und Projekte weiterentwickeln", wenn sich keine deutlichen Preissenkungen einstellen.
Portoerhöhung der Post so oder so nicht zu begründen
Bei der Konsumenteninfo AG -- Herausgeberin von Ktipp und Saldo -- ist man der Überzeugung, dass eine Portoerhöhung der Post auch dann nicht zu begründen wäre, wenn der Bundesbeitrag von 20, 60, oder 80 Millionen Franken wegfallen würde. "Immerhin macht die Post in den letzten Jahren Gewinne und Rückstellungen in Milliardenhöhe", so Ktipp-Redaktionsleiter René Schuhmacher. "Bei unseren Zeitschriften ist aber klar: Jede Portoerhöhung müssten wir voll auf den bisherigen Abopreis schlagen, da unsere Titel zum Selbstkostenpreis herausgegeben werden."
Weil Abopreiserhöhungen erfahrungsgemäss zu weniger Abo-Erneuerungen führen, bezweifelt Schuhmacher, dass eine Preiserhöhung der Post überhaupt Mehreinnahmen bringen. "Tiefere Auflagen bringen der Post weniger Porti." Schumacher fügt noch an: "Falls in der Schweiz eine zweite Verteilorganisation zur Verfügung stehen würde, würden wir die Anbieter vergleichen und das bessere Angebot wählen."
"Der Wegfall der indirekten Presseförderung würde unsere Vertriebskosten, ohne Alternative, massiv verändern", sagt auch Roland Wahrenberger, Verlagsleiter beim Beobachter. Klar sei, dass eine Erhöhung der Vertriebstaxen nicht voll auf die Abonnenten abgewälzt werden könnte. "Ein solches Vorgehen würde auf wenig Verständnis bei den Abonnenten stossen." Wahrenberger spricht sich für eine Liberalisierung der Briefpost aus, die seiner Meinung nach mit dem Wegfall der indirekten Presseförderung einhergehen müsste. "Damit würde, durch den Markteintritt von weiteren Anbietern, schnell eine bessere Ausgangslage für die Verlage entstehen."
Preiserhöhung zusätzliches Handicap auf dem Lesermarkt
Bei Tamedia ist man schon mit dem Aufbau eines neuen Vertriebkanals beschäftigt. Uli Rubner, Leiterin Bereich Zeitschriften: "Wir haben bereits in vielen Regionen mit der direkten Frühzustellung der Finanz und Wirtschaft begonnen und werden demnächst auch die Zeitschriften -- soweit wie möglich -- durch diesen Vertriebskanal zustellen lassen." Dieses Projekt sei bereits initiiert worden, bevor die jüngsten Entscheidungen in den Räten gefallen sind.
Ein Teil der Zustellung wird aber auch weiterhin durch die Post erfolgen "und damit wohl auch von höheren Preisen tangiert werden". Rubner räumt ein, dass Tamedia zu einem gegebenen Zeitpunkt prüfen werde, wieviel Preiserhöhung auf die Abonnenten überwälzt werden kann. "In Zeiten, in denen die Abobereitschaft für bezahlte Zeitungen und Zeitschriften tendenziell rückläufig ist, ist natürlich jede Preiserhöhung ein zusätzliches Handicap." Deshalb müsse man bei jeder Preiserhöhung mit Einbussen rechnen.
"Da wir unsere Zeitschriften ausschliesslich durch die Post verteilen, verfolgen wir die Debatte im Parlament zur indirekten Presseförderung sehr aufmerksam", erklärt Dietrich Berg, Leiter Lesermarkt Zeitschriften bei Ringier. An der Dufourstrasse gibt man sich aber noch zurückhaltend. "Mögliche Szenarien werden bei uns im Haus bereits thematisiert. Das beinhaltet auch die Prüfung der Konsequenzen und allfälligen Massnahmen", so Berg. Man wolle aber zuerst die Entwicklung bis zum endgültigen Beschluss abwarten, bevor definitive Entscheidungen getroffen werden.
Die von der kleinen Kammer beschlossene Senkung der Bundesbeiträge an die Post von 80 auf 30 Millionen wird von den Verlegern abgelehnt. Mit Blick auf die Differenzbereinigung erhoffen sie sich, dass das Parlament die Absicht des Nationalrats bestätigt. Die Vorlage muss noch in der laufenden Session bereinigt werden, damit sie Anfang 2008 in Kraft treten kann.

