Sandro Brotz, haben Sie die Nase voll von Sparrunden und Reorganisationen bei SRF?
Das ist die falsche Fährte. Es geht mir um die persönliche Weiterentwicklung nach einer grossartigen Zeit bei SRF. Ich denke, nach 14 Jahren vor der Kamera bei zwei Flaggschiffen wie der «Rundschau» und der «Arena» ist dieser Schritt nachvollziehbar.
Warum konkret haben Sie sich für Blick entschieden, und wer ging auf wen zu?
Blick ist eine unglaublich starke Marke, die die digitale Medienwelt stark prägt. In der kleinen Medien-Schweiz gibt es immer mal wieder Berührungspunkte und so sind wir miteinander ins Gespräch gekommen.
«Heute ist der Tag, an dem ich Wehmut und Vorfreude spüre»
Im August haben Sie in der Schweizer Illustrierten, einem Ringier-Titel, erstmals ausführlich über Ihre persönliche Krise 2023 gesprochen, sechs Wochen vor dieser Ankündigung. Gibt es da einen Zusammenhang?
Nein.
Sie waren beim SonntagsBlick bereits Nachrichtenchef und stellvertretender Chefredaktor, und Chefredaktor Rolf Cavalli freut sich laut Mitteilung darauf, «wieder» mit Ihnen zusammenzuarbeiten. Fühlt sich der Wechsel wie eine Rückkehr nach Hause an?
Das kann ich erst sagen, wenn ich wieder an der Dufourstrasse bin. Heute ist der Tag, an dem ich Wehmut und Vorfreude spüre. Ich werde ein eingeschworenes Team verlassen, mit dem ich unvergessliche Momente erleben durfte. Und ja: Ich habe von 2000 bis 2008 eine aufregende Zeit beim SonntagsBlick erlebt und freue mich ebenfalls auf Rolf und den gesamten Newsroom.
Bei Blick lancieren Sie einen Video-Podcast, der mehrmals pro Woche erscheinen soll. Was kann dieses Format, was die «Arena» nicht kann?
Die «Arena» ist die «Arena». Und das neue digitale Talk-Format von Blick wird sein eigenes Profil haben.
Ringier bezeichnet Ihr Format als «Premium-Video-Podcast». Was macht einen Podcast zu einem Premium-Produkt, und was ist Ihr Beitrag dazu?
Lassen Sie sich überraschen!
Bei SRF verpflichten die publizistischen Leitlinien Programmmitarbeitende dazu, sich auch in den sozialen Medien nicht politisch zu äussern. Halten Sie sich bei Blick weiterhin daran, oder werden Sie künftig Ihre eigene Meinung vertreten?
Der Video-Podcast soll in erster Linie hinter die Kulissen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft blicken und mehrmals pro Woche die wichtigsten Themen einordnen, die die Schweiz und die Welt bewegen. Mir sind unbequeme Fragen lieber als eine politische Haltung.
«Ich werde mich hüten, ein öffentliches Anforderungsprofil für meine Nachfolge zu formulieren»
Während Corona wurden Sie massiv angefeindet und zogen sich zeitweise aus den sozialen Medien zurück. Gegenüber der Schweizer Illustrierten sagten Sie, Sie moderierten die «Arena» nur noch drei- statt viermal im Monat und beantworteten nach 20 Uhr keine Mails mehr. Wie passt das zu einem Podcast mit mehreren Folgen pro Woche?
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben mich gelehrt, auch künftig gut zu mir zu schauen.
Was muss jemand mitbringen, um in Ihre Fussstapfen zu treten?
Ich werde mich hüten, ein öffentliches Anforderungsprofil für meine Nachfolge zu formulieren. Ich bin überzeugt, dass SRF dafür eine gute Lösung finden wird.
Was wird Ihnen an der «Arena» fehlen, und was ganz sicher nicht?
Die Kolleginnen und Kollegen, die mir ans Herz gewachsen sind, und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Redaktionsleiterin Franziska Egli. Wir haben alle zusammen viel gearbeitet, manchmal gelitten und oft gelacht. Was mir nicht fehlen wird, muss ich erst noch herausfinden.
Zum Wechsel von Sandro Brotz von SRF zu Ringier lesen Sie auch den Blog von Nick Lüthi.
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30.09.2026 09:11 Uhr

