Noch ist die Übernahme der Berner Espace Media Groupe nicht amtlich. Erst muss die Wettbewerbskommission der Fusion grünes Licht geben. Auf dem Medienplatz Solothurn glaubt man trotzdem schon, die ersten Auswirkungen der Machtballung auf dem Schweizer Pressemarkt zu verspüren.
So bieten das Solothurner Tagblatt und die SonntagsZeitung ein Kombi-Abo für nur 100 Franken an -- ein Preis, der laut der Konkurrenz nicht einmal ausreicht, um die Papierkosten der beiden Zeitungen zu bezahlen. Für Christian Müller, CEO des Verlagshauses Vogt-Schild, welches die Solothurner Zeitung herausgibt, besteht kein Zweifel, wes Handschrift das Billig-Angebot trägt: "Typisch Martin Kall. Wo der Geist nicht funktioniert, versucht man es mit Geld, mit viel Geld!"
Müller sieht die bekannt aggressive Verdrängungsstrategie des Zürcher Medienhauses am Werk: "Man nimmt in Bern und Zürich also mit jedem solchen Abo einen zusätzlichen Verlust in Kauf, nur um der Solothurner Zeitung und dem Grenchner Tagblatt Abonnenten abzunehmen." Dies trotz den negativen Erfahrungen mit Facts, wo die Tamedia Unsummen in Marketing investiert habe, aber nie ein erfolgreiches Produkt zu gestalten in der Lage gewesen sei. Müllers Hoffnungen konzentrieren sich ganz auf die Wettbewerbskommission: Einzig sie könne dem "pressepolitischen Kall- und Kahlschlag" Einhalt gebieten, indem sie wenigstens die Einverleibung des Berner Bund in den Tamedia/Espace-Koloss noch stoppe.
Das Zürcher Medienhaus reagierte am Donnerstag Abend gelassen auf die Kritik aus Solothurn. Die Abo-Kombination stehe in keinem Zusammenhang mit dem geplanten Zusammenschluss der Tamedia mit der Espace, sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer gegenüber "persoenlich.com". Zumal die Berner Zeitung an der SonntagsZeitung beteiligt sei, seit es diese gebe. Die Lancierung des Abo-Kombis entspreche einem "völlig normalen Vorgang". Solche Werbe-Mailings stünden in der Medienlandschaft an der Tagesordnung.

