Letzten Sonntag diskutierten auf Sat.1 erstmals Prominente und Politiker über die Debatten der vergangenen Woche. "In Zürich nennt sich die Idee 'SonnTalk'", schreibt der Tages-Anzeiger, "was in der Schweiz funktioniert, soll nun auch auf Sat.1 reüssieren". Den TV-Stammtisch hat Sat.1-Chef Roger Schawinski also nun auch bei seinem neuen Sender gestartet.
Die ersten Gäste bei Moderatorin Bettina Rust waren Deutschlands Innenminister Otto Schily, Zeit-Chefredaktor Giovanni di Lorenzo und Fernsehunterhalter Harald Schmidt. "Ich weiss, dass die Kollegen bei Sat.1 auch realistisch genug sind, um zu wissen, dass die Sendung Zeit braucht, sich zu entwickeln", erklärte Bettina Rust in einem Interview mit der Mittelland Zeitung. Damit nahm sie die Kritiken zur ersten Sendung gleich vorweg.
Haifisch gegen Zierfisch
Nach Ansicht des Tages-Anzeigers hat der "Haifisch" Schily den "Zierfisch" Rust gleich in der ersten Viertelstunde das Fürchten gelehrt. Rust habe Mühe gehabt, sich neben den kameraerpropten Gäste durchzusetzen. "Schmidt führte ihre Fragen zuverlässig ins Absurde", meint der TA, "Di Lorenzo weigerte sich hartnäckig, über Gefühle zu reden, und Schily nahm lächelnd die Huldigungen der Gäste zur Kenntnis, um bei Gelegenheit alle mit Wahlkampfslogans einzudecken."
Bettina Rust war sich bereits im Interview mit der Mittelland Zeitung bewusst, dass der Umgang mit Rhetorikprofis nicht leicht wird, um ihnen handfeste Aussagen zu entlocken. Angst von diesen überfahren zu werden habe sie aber nicht: "Wir werden versuchen, einen guten Weg zu finden und garantiert dabei unsere Erfahrungen machen."
In den deutschen Medien wurde die erste Ausgabe von "Talk der Woche" auch nicht gerade mit Lobeshymnen eingedeckt. "Bettina Rust hibbelt sich durch die Premiere vom 'Talk der Woche'. Statt Gesellschaftspolitik bot die illustre Herrenrunde auf Sat.1 zwar eher Boulevard, doch das war immerhin leidlich unterhaltsam", schrieb etwa die taz.
Die Berliner Zeitung titelt bestimmt: "So geht es nicht. Sat.1 und Bettina Rust versuchten einen Politiktalk im Boulevardstil." Auch Spiegel Online zeigte sich wenig gnädig: "Nach zwei Werbeblöcken und 40 Minuten Rederei um den heissen Brei ging man also etwas ratlos ins Bett." Die Welt spricht von einem "nervösen Auftakt". Der "Talk der Woche" habe gute Gäste aber wenig Substanz geboten.
Viele gute Momente

