Journalisten müssen Interessenkonflikte zwischen ihrer Tätigkeit und ihrer öffentlichen Funktion transparent machen oder vermeiden. Der Schweizer Presserat hat den Chefredaktor des "Oltner Tagblattes" (OT) gerügt, weil er gegen diesen Grundsatz verstiess. Beat Nützi habe in einem lokalen Schulstreit seine Doppelfunktion "nicht ausreichend transparent" gemacht, teilte der Schweizer Presserat am Mittwoch mit. Das OT kassierte daher eine Rüge des Selbstkontrollorgans der Schweizer Printmedien.
Das OT hatte sich im Streit um die Einführung einer progymnasialen Sekundarstufe gegen die Kantonsschule Olten gestellt. Diese Schule wollte alle "Sek P"-Schüler im Süden des Kantons Solothurn allein unterrichten. Der Chefredaktor schrieb im vergangenen März mehrere Kommentare zu diesem Thema. Elf Lehrkräfte der Kantonsschule Olten gelangten deswegen mit einer Beschwerde gegen das OT an den Schweizer Presserat.
In Ausstand treten
Der Chefredaktor sei bei der Berichterstattung nicht in den Ausstand getreten, kritisierten die Lehrer. Er habe auch nicht transparent gemacht, dass er Präsident des Zweckverbandes Kreisschule Gäu sei, die sich ebenfalls um einen "Sek P"-Standort beworben habe. Der Presserat hält fest, der Chefredaktor wäre verpflichtet gewesen, wegen des Interessenkonfliktes beim Thema in den Ausstand zu treten. Zumindest hätte er bei seinen zwei Kommentaren ausdrücklich auf seine Funktion als Präsident des Kreisschulverbandes hinweisen sollen. Der Presserat hiess die Beschwerde der Lehrer teilweise gut.
Glaubwürdigkeit ist wichtig
Bereits in früheren Entscheiden machte sich der Presserat stark für eine Trennung zwischen politischem Amt und journalistischer Tätigkeit. Um ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit zu erhalten, sollten Journalisten Distanz wahren und Doppelfunktionen vermeiden. Daher sei eine strikte Trennung zwischen politischem Amt und journalistischer Tätigkeit anzustreben - insbesondere bei Medien mit einer regionaler Monopolstellung, hatte das Selbstkontrollorgan der Printmedien festgehalten. Es genüge nicht, dass politische Funktionen nur innerhalb der Redaktion offengelegt würden. (sda)

