In Biel BE hat am Mittwochabend der neue regionale Fernsehsender Canal B seinen Betrieb aufgenommen. Er berichtet auf Deutsch und Französisch über die Region Biel und das Seeland, den Berner Jura, den Freiburger Seebezirk und den Ballungsraum Grenchen SO.
In der ersten Nachrichtensendung zeigte der Sender ein aufgezeichnetes Interview mit Medienminister Albert Rösti in dessen Büro. Rösti rief dazu auf, regionale Medien zu konsumieren: «Da habt ihr viel mehr Informationsgehalt, als wenn ihr von einem Video zum nächsten scrollt, ohne am Schluss mehr zu wissen.»
Auffällig war ein Beitrag über eine Bieler Familie, die sich der Organisation Mercy Ships anschliesst. Der Beitrag beschrieb das Projekt als «humanitär», das Schiff als «grösstes Spitalschiff der Welt». Der christliche Hintergrund der Organisation – Mercy Ships bezeichnet sich selber als Zusammenschluss von Christen, die dem Vorbild Jesu folgen wollen – blieb dabei unerwähnt. Der Tages-Anzeiger hatte im Juni 2025 über die evangelikale Prägung der Canal-B-Eigentümer Marcello Del Zio und Joël Pelet berichtet, die auch den Sender Canal Alpha betreiben.
Zwei Sprachkanäle
Weitere Themen waren unter anderem die ungültige Stadtpräsidiumswahl in Grenchen und die Pläne für die künftige Nutzung des bisherigen Bieler Spitalareals. Der Sender führt zwei Sprachkanäle, deren viertelstündige Newssendungen inhaltlich weitgehend identisch sind – zumindest am ersten Tag. Das Interview mit Rösti wurde in beiden Sprachen geführt, auf Deutsch von Aline Studer, Chefredaktorin des Deutschschweizer Kanals, auf Französisch von Laurent Kleisl, Chefredaktor des französischsprachigen Kanals.
Geschäftsleiter Christian Willi hatte das Konzept bereits im Mai gegenüber persoenlich.com erklärt: «Wir sind überzeugt, dass die grosse Mehrheit der Zuschauerinnen und Zuschauer Inhalte bevorzugt in ihrer Muttersprache konsumiert.»
In den ersten Wochen sendet Canal B ein Sommerprogramm mit News, dem regionalen Wetter und einer Serie namens «1 jour 1 idée» (ein Tag, eine Idee). Nach den Sommerferien wird das Programm ausgebaut. Die Redaktion zählt derzeit zehn Medienschaffende; die Zahl soll schrittweise auf 20 bis 25 Personen erhöht werden.
Langer Rechtsstreit
Das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) im Departement Rösti hatte dem Sender Anfang 2024 die Konzession für das Versorgungsgebiet zugesprochen. Die bisherige Konzessionärin TeleBielingue, seit 27 Jahren auf Sendung, wehrte sich bis vor Bundesverwaltungsgericht gegen den Entscheid, zog aber den Kürzeren und will nun mit einem reduzierten Angebot auf Sendung bleiben.
TeleBielingue gehört zur Bieler Gassmann-Gruppe. Canal B befindet sich im Besitz der Neuenburger Produktionsfirma Mystik SA. (cbe/sda)
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15.07.2026 16:47 Uhr
06.07.2026 20:23 Uhr


