03.06.2026

Public Eye

Schweizer NGO wird Mitglied in globalem Journalismus-Netzwerk GIJN

Die entwicklungspolitische Organisation ist neu Teil des Global Investigative Journalism Network. In der Schweiz geniesst Public Eye dagegen nur Gönnerstatus beim Recherche-Netzwerk Investigativ.ch.
Public Eye: Schweizer NGO wird Mitglied in globalem Journalismus-Netzwerk GIJN
Oliver Classen, Mediensprecher Public Eye (oben links) und Lukas Lippert, Co-Präsident Investigativ.ch. (Bilder: zVg)

Seit dem 1. Juni darf Public Eye auf seiner Website das Logo zeigen mit dem drehenden Globus und den gelben Bändern, die die Kontinente verbinden. Damit dokumentiert die entwicklungspolitische NGO ihre Zugehörigkeit zum Global Investigative Journalism Network (GIJN).

Das globale Netzwerk verbindet mehr als 250 Organisationen aus fast 100 Ländern, die investigativen Journalismus unterstützen, fördern und produzieren. Bei den Mitgliedern handelt es sich um Redaktionen, Dachverbände, Ausbildungsinstitute sowie Stiftungen.

Entscheidend für Mitgliedschaft ist Recherchepraxis

Dass auch eine aktivistische Polit-Organisation wie Public Eye aufgenommen wird, kommt eher selten vor. Vergleichbare GIJN-Mitglieder gibt es nur wenige. Für NGOs mit einer klaren politischen oder gesellschaftlichen Agenda gilt beim GIJN eine strikte Trennlinie. Kampagnenarbeit, PR oder politische Lobbyarbeit qualifizieren nie für eine Mitgliedschaft. Entscheidend für eine Mitgliedschaft ist eine Recherchepraxis nach journalistischen Standards mit Faktenprüfung, Quellentransparenz und berufsethisch einwandfreier Methodik. Das gab auch im Fall von Public Eye den Ausschlag für die Aufnahme.

Die 1968 als «Erklärung von Bern» gegründete Organisation setzt seit bald 20 Jahren auf investigative journalistische Recherche. Erstmals einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde dieses Vorgehen 2011 mit der Publikation «Rohstoff: Das gefährlichste Geschäft der Schweiz». Seither veröffentlichte die Organisation rund 80 weitere Reports, die allesamt auf mehr oder weniger aufwändiger Recherche basieren.

«Anerkennung für unseren investigativen Journalismus»

Oliver Classen, Mediensprecher von Public Eye, freut sich über die Mitgliedschaft bei GIJN: «Sie bedeutet für Public Eye eine internationale Anerkennung für unseren investigativen Journalismus und gibt uns Zugang zum Know-how eines riesigen Netzwerks.» Classen, selbst langjähriger Journalist, ist eine der treibenden Kräfte hinter dem journalistischen Profil von Public Eye. Bei Medienorganisationen und Investigativjournalisten stösst er nicht nur auf Verständnis. Diese anerkennen zwar die Rechercheleistungen und kooperieren sogar punktuell. Als Absender für unabhängigen Journalismus halten sie aber politische Lobbyorganisationen nur bedingt für glaubwürdig.

Diese Reserviertheit äussert sich auch darin, dass Public Eye beim schweizerischen Recherche-Netzwerk Investigativ.ch bisher nur als Gönnermitglied aufgenommen wurde. Die Kategorie wurde geschaffen als sich die recherchierenden Mitarbeiter der NGO um eine Aktivmitgliedschaft bemühten, ihnen diese aber verwehrt wurde. «Unsere Mitgliedschaft steht ausschliesslich hauptberuflichen oder in Ausbildung stehenden Journalistinnen und Journalisten sowie Dozierenden im Bereich Journalismus offen. Das zentrale Kriterium hierfür ist die redaktionelle Unabhängigkeit von Interessengruppen», erklärt Lukas Lippert, Co-Präsident von Investigativ.ch auf Anfrage. In Ländern ohne freie Medien bildeten NGOs dagegen oft die einzige Kontrollinstanz. Darum nehme GIJN bewusst auch investigative NGOs auf, so Lippert.

«Sind Akteurin im Schweizer Investigativjournalismus»

Ironie der Geschichte: Nun sind sowohl Public Eye als auch Investigativ.ch Mitglieder des internationalen Netzwerks GIJN, aber Public Eye bleibt bei Investigativ.ch nur Gönnermitglied. Oliver Classen kommentiert die neue Situation so: «Public Eye betrachtet sich nicht als Gönnerin, sondern als Akteurin im Schweizer Investigativjournalismus. Unsere Recherchen liefern einen Beitrag zur Behebung von Missständen. Diese Orientierung am Impact teilen wir mit den Mitgliedern von Investigativ.ch – genauso wie die Methoden zur Erreichung dieses Ziels.»


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE