05.12.2023

SRG Deutschschweiz

«Sehe mich als Brückenbauer zwischen SRG und Privaten»

Als Geschäftsführer des Verlegerverbands Schweizer Medien forderte er einst eine Beschränkung der SRG. Nun steht Andreas Häuptli an der Spitze der grössten Regionalgesellschaft der SRG. Im Interview spricht er über seinen Seitenwechsel und sagt, wie er gegen die Halbierungsinitiative ankämpfen will.
SRG Deutschschweiz: «Sehe mich als Brückenbauer zwischen SRG und Privaten»
Der frühere Geschäftsführer des Verlegerverbands steht neu an der Spitze der SRG Deutschschweiz: Andreas Häuptli. (Bild: zVg)
von Nick Lüthi

Andreas Häuptli, warum haben Sie sich für das Amt als Präsident der SRG Deutschschweiz beworben?
Mir liegt eine vielfältige und reichhaltige Medienlandschaft am Herzen und darin insbesondere die Rolle der SRG. Und: Ich bin selber ein Heavy-User des SRG-Angebots auf allen Kanälen.

Hat Sie Ihre Wahl überrascht?
Nein, das nicht. Aber aufgrund meiner früheren Arbeit beim Verlegerverband musste ich schon gut erklären, warum ich mich für dieses Amt bewerbe.

Wie konnten Sie das Wahlgremium überzeugen?
Was genau den Ausschlag gegeben hat, weiss ich nicht. Ich habe mich als pragmatischen, der Sache verpflichteten Medienfachmann angeboten, der viel Erfahrung und ein breites Netzwerk mitbringt. Im Mediengeschäft bin ich mittlerweile seit 40 Jahren, seit ich 1983 meine Lehre als Schriftsetzer beim Aargauer Tagblatt angefangen habe.

«Die SRG muss eine gewichtige Rolle übernehmen»

Vor fünf Jahren forderten Sie als Geschäftsführer des Verlegerverbands VSM, die SRG müsse sich aufs Kerngeschäft beschränken. Wie glaubwürdig können Sie mit dieser Vergangenheit die SRG verteidigen?
Da sehe ich überhaupt kein Problem. In der Pandemie ist mir erst richtig bewusst geworden, welche Bedrohung die ganze Fake-News-Thematik darstellt. Die Fragmentierung der Medienkanäle ist Fluch und Segen zugleich. Eine fundierte Meinungsbildung ist insbesondere für Jüngere heute eine Herausforderung. Die Frage ist: Wie erreicht der Journalismus zukünftig sein Publikum? Die SRG muss hier eine gewichtige Rolle übernehmen. Wir müssen allen journalistischen Angeboten Sorge tragen, egal ob öffentlich oder privat. Was einmal verschwunden ist, kann kaum mehr aufgebaut werden.

Wie sehen Sie das heute: Muss die SRG den privaten Medien entgegenkommen?
Aufgrund der Konvergenz sind Überschneidungen fast nicht zu vermeiden. Eine trennscharfe Organisation und Angebotsteilung ist unrealistisch. Ich verstehe mich als Brückenbauer zwischen der SRG und den Privaten.

Muss die SRG sparen?
Sparen ist keine Strategie. Der Auftrag muss klar definiert sein. Dies ist eine politisch höchst anspruchsvolle Aufgabe, welche Zeit braucht und von der Wissenschaft wie auch allen relevanten Marktteilnehmern mit ihrer jeweiligen Expertise begleitet werden muss.

«Ich kann hoffentlich glaubwürdig erklären, welche Bedrohung eine Mittelkürzung darstellt»

Sie treten das Amt bei der SRG mitten in der Debatte über die sogenannte Halbierungsinitiative an. Welche Rolle soll die Deutschschweizer Trägerschaft mit Ihnen an der Spitze im Abwehrkampf gegen die geplante Mittelkürzung spielen?
Die Trägerschaft vertritt nicht nur die Mitglieder, sondern die ganze Schweizer Bevölkerung. Entscheidend ist, dass die SRG in der Abstimmung eine Mehrheit für ihren Auftrag erhält. Ich weiss, wie der Medienmarkt funktioniert, und kann hoffentlich glaubwürdig und überzeugend erklären, welche Bedrohung eine reine Kürzung der Mittel für das Angebot darstellt.

Die Aufgabe der Trägerschaft ist es, die SRG im öffentlichen Leben zu verankern. Wie wollen Sie Kritikerinnen und Skeptiker vom Sinn des Service public überzeugen?
Die SRG muss das Handwerk des Journalismus genau erklären. Es ist vielen nicht klar, wie eine Redaktion arbeitet, welche Grundsätze einzuhalten sind. Insofern ist das verstärkte Engagement in der Ausbildung der Medienkompetenz sinnvoll, wie dies mit «Younews» oder dem neu lancierten Newstest bereits geschieht. Hier wird schon seit längerer Zeit mit den Privaten zusammengearbeitet, was sehr erfreulich ist.

Neben Ihrer neuen Tätigkeit als Deutschschweizer SRG-Präsident bleiben Sie Geschäftsführer beim TCS Zürich. Sind Sie dort unterfordert, dass Sie einen zusätzlichen Job gesucht haben?
Langweilig ist es mir nicht beim TCS. In den letzten zweieinhalb Jahren haben wir aber einiges organisatorisch umgestellt, sodass eine Reduktion meines Pensums nun möglich ist. Das Präsidium des TCS Zürich hat mir denn auch grünes Licht für die Kandidatur gegeben.

Wie vertragen sich die beiden Beschäftigungen bei TCS und SRG?
Interessenkonflikte sind keine zu befürchten. Die Tätigkeitsfelder liegen doch recht weit auseinander.

Ergeben sich Synergien?
Das kann man so direkt nicht sagen. Gemeinsamkeiten gibt es aber etliche. Der TCS und die SRG sind Vereine und die Strukturen zumindest verwandt. Beide Organisationen sind in der Bevölkerung breit abgestützt und müssen damit auch einem breiten Spektrum von Anforderungen gerecht werden. Zudem sind beides schweizerische Institutionen.

SRF-Direktorin Nathalie Wappler ist Ihr Pendant auf Seiten des Sendeunternehmens. Welches Verhältnis wollen Sie zu ihr pflegen?
Wir kennen uns noch nicht persönlich. Mein Vorgänger Andreas Schefer hat einen sehr intensiven Austausch gepflegt. Diesen möchte ich auf jeden Fall so weiterführen.

«Die parteipolitische Zusammensetzung des Verwaltungsrats scheint mir nicht entscheidend zu sein»

Sie werden in Ihrer Funktion auch im Verwaltungsrat der SRG Einsitz nehmen. Mit dem Ausscheiden Ihres Vorgängers Andreas Schefer ist dort niemand mehr mit einem linken Parteibuch vertreten, Sie selbst sind parteilos. Ist diese Zusammensetzung ein Vorteil für die Herausforderungen der kommenden Jahre?
Die parteipolitische Zusammensetzung scheint mir nicht entscheidend. In der Konzession ist im Artikel 2 zu lesen, dass die SRG ihr publizistisches Angebot autonom und unabhängig vom Staat sowie von einzelnen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Gruppierungen gestaltet. Der Verwaltungsrat ist gegenüber der Konzessionsbehörde verantwortlich dafür, dass die SRG die gesetzlichen und konzessionsrechtlichen Vorgaben erfüllt. Die SRG ist der Schweizer Bevölkerung verpflichtet und muss diese Vielfalt auch entsprechend abbilden. Für parteipolitische «Spiele» ist da nach meiner Ansicht kein Spielraum.



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Kommentare

  • Andy Hostettler, 07.12.2023 10:44 Uhr
    Ich kenne Andreas Häuptli schon seit über 20 Jahren. Er ist einer von uns. Kein abgehobener Sesselfurzer. Ein Macher. Einer, der sich nicht zu schade ist, anzupacken. Viel Kraft Andy!
  • Victor Brunner, 06.12.2023 09:26 Uhr
    Wenn ich das Interview lese, Andreas Häuptli ist ein Gmögiger. Er wird nicht erschrecken aber auch kein innovativer sein!
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