09.07.2007

So schützt man sich davor, kostbare Lebenszeit zu verschwenden

Von Roger Schawinski.

Ich gestehe: Ich bin ein News-Junkie, seit vielen Jahren, und, wie mir scheint, mit steigender Intensität. Und das erfüllt mich mit Sorge. Die pausenlos in den Markt gedrückten neuen Vertriebskanäle finden in mir einen willigen Abnehmer, der die Leichtigkeit und Mehrdimensionalität dieser Angebote eifrig aufsaugt. Das Internet in all seinen Formen, vom Laptop bis zum Blackberry, von General News bis zu Branchenblogs, versorgt mich mit pausenlos mit Storys, und all dies zusätzlich zu den traditionellen Quellen. Informationsüberflutung nennt dies der Volksmund. Und er liegt richtig.

Das Problem wird laufend akuter und kann heute nur durch eine rigorose Handlungsweise bewältigt werden. Meine Methode: Ich blende nicht einzelne Medien aus, sondern gewisse Themen. Denen verweigere ich mich, um meine kostbare Lebenszeit nicht mit ihnen zu verschwenden.

An der Spitze meiner Liste steht ein Name: Paris Hilton. Schon vor Jahren habe ich mich entschieden, nichts über sie lesen zu wollen. Eine Millionenerbin, die ihre Karriere im Scheinwerferlicht der internationalen Medien durch einen gefilmten und weltweit verbreiteten Geschlechtsakt lanciert hat, ist für mich irrelevant. Die Definition von "famous for being famous" findet bei dieser Person ihre höchste Entsprechung -- und das ist für mich definitiv zu wenig.

Deshalb möchte ich nichts Weiteres über sie erfahren. Nur: Das wird zunehmend schwieriger, ja beinahe unmöglich. Zwar versuche ich reflexartig meine Augen abzuwenden, wenn ihr Name oder ihr Bild irgendwo erscheint. Doch das schaffe ich meist nicht. Mit ihrem letzten brillanten Karriere-Move -- ihre Verhaftung wegen irgend einer Lappalie, die ich nicht kennen möchte -- brachte sie es endgültig nicht nur auf die Titelseiten der deutschen Vanity Fair, der Bunten und der vielen anderen People-Blätter, sondern sogar auf Seite eins der New York Times.

Und auch seriöse Schweizer Blätter verfolgen ihre Saga mit ähnlicher Inbrunst wie den America’s Cup oder die Tour de Suisse. Daher fühle ich mich von Paris Hilton zunehmend eingekreist, belagert, ja vergewaltigt. Es gibt vor ihr kein Entrinnen, wenn man dem Medienkonsum nicht vollständig entsagen will. Je mehr über sie geschrieben wird, desto mehr wird über sie geschrieben. Jedes Detail erhält eine Bedeutung, die für eine nächste Story gut ist. Und im Gleichschritt nimmt meine Frustration zu.

Paris Hilton steht nicht allein auf meiner Lis-te der No-Nos. Weitere Personen, über die ich nichts zu erfahren wünsche, sind die meisten Sprösslinge europäischer Königshäuser. Auch hier handelt es sich um Menschen, die nicht dank Begabungen oder Leistungen aufgefallen und über deren Aktivitäten keine bemerkenswerten Erkenntnisgewinne zu erzielen sind. Auch diese gekrönten Häupter sollen mir keine Lebenszeit stehlen. Hartnäckig und penetrant sind vor allem die Meldungen aus der Operettenrepublik Monaco. Die dortige Fürstenfamilie inklusive aller angeheirateten oder temporär aktivierten Lover steht auf meiner Liste klar auf Platz zwei.

Natürlich finden sich auch einige Schweizer Promis auf meiner Liste. So wäre ich brennend an Jürg Marquards geschäftlichen Tätigkeiten interessiert, da es sich dabei um eine tolle Erfolgsstory handelt. Doch darüber finde ich in den Medien niemals auch nur ein Wort. Gebetsmühlenhaft wird hingegen Woche für Woche über seine aktuellen Partytermine berichtet. Dieser Information versuche ich wegen ihres gähnend langweiligen Nullgehalts zu entgehen.

Jeder sollte eine solche Liste haben. Nur auf diese Weise kann man sich heute schützen. Vielleicht haben auch Sie, verehrter Leser, eine solche. Na gut: dann los damit. Wer steht bei Ihnen ganz weit oben? Wen wollen Sie aus Ihrem Tagesablauf, ja aus Ihrem Leben fernhalten? Lassen Sie es mich wissen, und ich werde darüber auf "persoenlich.com" berichten. Vielleicht können wir so gemeinsam unsere Leben werthaltiger gestalten.


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