29.10.2008

UKW-Konzession

Stimmungsbarometer vor der Entscheidung

So blicken die Senderchefs der Vergabe entgegen.

Am Freitagmorgen gibt das UVEK die letzten Konzessionsentscheide für die umstrittenen Gebiete bekannt. "persoenlich.com" hat 24 Stunden vor der Bekanntgabe bei betroffenen Senderchefs nochmals die Temperatur gefühlt.

Anspannung bei den etablierten Sendern in Basel

In Basel, wo die etablierten Radio Basilisk und Radio Basel 1 mit dem neuen Herausforderer RBB um zwei Konzessionen kämpfen, herrschen bei den Sendern unterschiedliche Stimmungen. Christian Heeb, Initiant von RBB meint: "Die Entscheide sind offenbar gefallen, jetzt kann man nur noch warten. Die Nervosität ist weg, weil man nichts mehr beinflussen kann."

Bei Basel 1 herrscht hingegen grosse Nervosität und Spannung, wie Senderchefin Silvana Imperiali einräumt. "Bisher haben wir versucht nach dem Motto 'Business as usual' weiterzuarbeiten, was uns aber nicht immer gelungen ist." Seit Monaten werden laut Imperiali nötige Investitionen und Entscheide verschoben. Seit Monaten werden die Teammitglieder beruhigt und trotzdem tauchen immer wieder Gerüchte gepaart mit Panikreaktionen auf.

Imperiali glaubt fest an ihren Sender und versucht ihren Kopf ausschliesslich mit positiven Gedanken zu füllen und über kein Katastrophenszenario nachzudenken. "Schlussendlich haben sich beide Regierungen für uns ausgesprochen und die Hörerzahlen bestätigen die grosse Verankerung und Akzeptanz in der Region."

Auch bei Radio Basilisk war die Anspannung in den letzten Wochen gross, "weil nie ein bestimmtes Datum für den Entscheid genannt wurde und es deshalb in der Gerüchteküche ständig brodelte", wie Programmleiter Raphael Suter ausführt. Auch er zeigt sich im Hinblick auf die Konzessionsvergabe optimistisch. "Ich denke, dass wir als meistgehörter Privatsender der Nordwestschweiz mit einem breiten journalistischen Service gute Chancen auf eine weitere Konzession haben."

In Zürich können Herausforderer nur Gewinnen

In Zürich bewerben sich fünf Sender für die drei Konzessionen des Sendegebiets Zürich-Glarus. Radio 24 wartet gespannt auf den Entscheid, sagt Programmleiterin Karin Müller: "Wir machen das, was Radio 24 immer stark gemacht hat. Wir leben Radio. Müller geht davon aus, dass sich die Vergabe der Konzessionen an den Kriterien, die vom Gesetzgeber definiert wurden, orientiert hat. "Radio 24 hat in Bezug auf Qualität, Information und Personal ein gutes Angebot eingereicht und verfügt über einen langjährigen Leistungsausweis."

Bei Roger Schawinski, der mit Radio 1 die bisherigen Konzessionäre angreift, herrscht eine "gewisse nervöse Spannung". Wobei er als einziger Bewerber davon ausgehen könne, in Zürich eine Konzession zu erhalten, entweder die grosse oder die noch grössere. "Unser Sendegebiet wird also auf jeden Fall erweitert." Sein Bauchgefühl sage ihm, dass nicht bloss die bisherige Radiolandschaft zementiert wird. "Es wird Veränderungen geben. Fraglich ist nur, wie mutig Bundesrat Leuenberger in der Umsetzung der gesetzlichen Grundlagen ist und wo und ob er vor gewissen mächtigen Verlegern kuscht."

Eines der angesprochenen Verlegerradios ist Energy Zürich. Dort will man sich aber nicht auf ein Bauchgefühl verlassen. Senderchef Dani Büchi: "Wir sind nach wie vor überzeugt von unserem Konzessionsgesuch und das ist entscheidend, denn Bauchgefühle sind in solchen Momenten immer heikel. Zudem bin ich Radiomacher und nicht Wahrsager." Je näher der Tag der Entscheidung komme, desto grösser sei auch die Anspannung. "Die Stimmung im Team ist aber gut und wir freuen uns auf den Freitagmorgen."

In Rapperswil erwartet man Geburtstagsgeschenk

In Rapperswil bei Radio Zürisee scheint man das Ganze etwas gelassener zu nehmen. "Nervös sind wir nicht, jedoch glücklich, dass wir am Freitag endlich wissen, wie die Radiolandschaft im Raum Zürich-Glarus künftig aussieht", erklärt Geschäftsleiter und Chefredaktor Tony Immer. Er ist felsenfest davon überzeugt, dass sein Sender rechtzeitig zum 25. Geburtstag eine Konzession erhält. "Wäre doch nicht die feine Art, wenn uns Moritz Leuenberger die Geburtstagsparty vermiesen würde."

Am wenigsten Chancen werden wohl Giuseppe Scaglione mit seinen Gesuchen für RMC Züri oder 105 Züri eingeräumt. "Wir blicken dem Entscheid mit einer gewissen Gelassenheit entgegen. Wir sind wahrscheinlich diejenigen, die in diesem Rennen am wenigsten zu verlieren haben, da wir ja mit dem Zürcher Jugendradio Music First bereits eine rechtsgültige Konzession haben. Sollten wir also noch eine zweite Konzession (für RMC Züri oder 105 Züri) erhalten, können wir nur gewinnen."

(Text: Stefan Wyss)


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