Die Pläne des Familienkonzerns machte der Jean-Frey-Titel Bilanz publik -- ein Caash-Konkurrent im hart umkämpften Markt der Wirtschaftspresse. Ihm liegt eine "streng vertrauliche" Präsentation vor, die Unternehmen davon überzeugen soll, als Werbepartner beim neuen Projekt einzusteigen. In einer Anfrage von "persoenlich.com" dementierte Ringier seine Bestrebungen nicht. Aber: "Wir stecken noch tief in der Projektphase", so Ringier-Mediensprecher Marco Castellaneta. Bei den von der Bilanz zitierten Fakten handle es sich bloss um Ideen -- und die seien alles andere als konkret.
Gemäss Bilanz soll mit "Cash daily"-TV dreimal täglich zur Prime Time ein Format als Schweizer Programmfenster auf dem Nachrichtensender N-TV laufen. Zusätzlich ist die Einschaltung ins internationale Programm von N-TV geplant. Die Sendung werde bis zu zwölf Minuten dauern und Wirtschaftsimformationen sowie ein Gespräch mit einem Studiogast enthalten. Ringier wolle "Cash daily"-TV auch auf verlagseigenen Internetseiten verbreiten und auf UMTS-Mobiltelefone schicken.
Unter der Marke "Cash daily" soll überdies auch die erste tägliche Abendzeitung gelauncht werden. Das Konzept sehe Geschichten über Wirtschaft und Lifestyle vor, aufgelockert durch Glossen und Comics. Die Zeitung werde an Werktagen ab 16 Uhr in Erstklasswagen der SBB, an Flughäfen und via Airlines verteilt, so die Bilanz. Zudem in den Geschäftsstellen der Werbepartner für deren Kunden und Mitarbeiter. Die Abendzeitung sei als bis zu 16-seitiges Tabloidformat konzipiert. Gestartet werde mit einer Auflage von 30'000 Exemplaren. Im Abo soll auch eine elektronische Ausgabe angeboten werden, ebenso eine E-Paper-Version.
Für Cash daily wird laut Ringier-Konzernleitungsmitglied Thomas Trüb in der Bilanz ein eigenens Redaktionsteam zusammengestellt. Dieses soll aus bis zu zehn Journalisten bestehen, die für die täglichen Print- und TV-Ausgaben arbeiten.
Werden für Sponsoren journalistische Kriterien übergangen?
Ringier befindet sich laut Bilanz bereits auf der Suche nach neuen Sponsoringpartnern. Jährlicher Kostenpunkt für den Hauptsponsoren: 1.5 Millionen Franken. Dafür erhält er Werbeflächen in allen Cash daily-Medien. Zudem soll der Werbepartner bevorzugt Gesprächspartner ins TV-Studio schicken können und Zitate für Zeitungsartikel abgeben dürfen. "Die journalistische Priorität für Sponsoren soll nach der Summe ihrer Investitionen gewichtet werden", kritisiert die Bilanz und stellt fest, dass für Sponsoren "journalistische Kriterien übergangen" würden. Denn die Werbepartner sollen bevorzugt Gesprächspartner ins TV-Studio schicken und Zitate für Zeitungsartikel abgeben.
Ringier-Mediensprecher Castellaneta weist die Kritik der Konkurrenz indes mit Vehemenz zurück: "Die Inhalte sind bei Ringier nie käuflich." Sein Konzern würde die Glaubwürdigkeit niemals auf diese Weise auf Spiel setzen.

