Beide Beschwerdeführer hatten den Film, der am 7. Mai ausgestrahlt wurde, als einseitig und tendenziös beanstandet. Im Zentrum der Kritik steht der Luzern-Teil und die prominente Rolle von SP-Nationalrat David Roth, dessen Haltung den Beitrag tonangebend präge. Eine Beschwerde sieht darin eine «indirekte politische Werbung» und vermisst den Hinweis, dass Entlastungsprojekte wie das Parkhaus Musegg von denselben politischen Kräften bekämpft worden seien, welche die heutige Lage kritisierten. Die zweite Eingabe bemängelt, der Film stelle die Belastungen durch den Tourismus ausführlich dar, blende dessen volkswirtschaftliche Bedeutung aber weitgehend aus.
Die SRF-Redaktion hält die Sendung in ihrer Stellungnahme für sachgerecht und ausgewogen. Ausgewogenheit lasse sich «nicht in Minuten und Sekunden messen, sondern in inhaltlichen Botschaften», heisst es darin. Neben Roth kämen mit Tourismusdirektor Marcel Perren und Finanzdirektorin Franziska Bitzi (Mitte) Stimmen mit anderer Interessenlage zu Wort; der Luzern-Teil mache rund einen Viertel des 50-minütigen Films aus.
Die Ombudsstelle folgt dieser Linie: Das Sachgerechtigkeitsgebot verlange keine quantitativ und qualitativ gleichwertige Gegenüberstellung der Standpunkte, sondern dass das Publikum erkenne, dass unterschiedliche Sichtweisen bestünden. Die Belastung Luzerns sei nicht bloss die Meinung von SP-Politiker Roth, sondern durch eine repräsentative Befragung der Hochschule Luzern belegt. Das Weglassen des seit Jahren blockierten Einzelprojekts Musegg verfälsche die Meinungsbildung nicht und falle in die Programmautonomie der Redaktion.
Der von Jörg Huwyler weitgehend mit dem iPhone gedrehte Film hatte für Diskussionen gesorgt; auch die städtische FDP hatte sich von der Stossrichtung distanziert (persoenlich.com berichtete). Einen tourismusfeindlichen Grundton hatte der Regisseur vor der Ausstrahlung verneint: «Überhaupt nicht! Ich liebe das Reisen, den Austausch mit Menschen anderer Kulturen», sagte er gegenüber persoenlich.com. Den Beschwerdeführern steht offen, die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) anzurufen. (nil)


