07.02.2024

Russland

Tucker Carlson wird Putin interviewen

Das durch den rechten US-Moderator geführte Interview mit dem russischen Präsidenten ist vom Kreml genehmigt worden. Das Veröffentlichungsdatum ist allerdings noch unklar.

Der umstrittene rechte US-Moderator Tucker Carlson wird nach eigenen Angaben den russischen Präsidenten Wladimir Putin interviewen – als erster westlicher Journalist seit Beginn der russischen Militäroffensive in der Ukraine. «Wir sind hier, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu interviewen», sagte der frühere Star-Moderator des konservativen US-Nachrichtensenders Fox News am Dienstag in einem auf X veröffentlichten Video aus Moskau.


Der Kreml bestätigte die Interviewpläne und erklärte, zuvor bereits Anfragen anderer westlicher Medien erhalten zu haben.

Carlson sagte, seit dem Beginn der Offensive Moskaus in der Ukraine habe sich noch kein westlicher Journalist «die Mühe gemacht», mit dem Kremlchef zu sprechen. Dem widersprach Kreml-Sprecher Dmitri Peskow: «Wir erhalten viele Anfragen für Interviews mit dem Präsidenten», sagte Peskow am Mittwoch vor Journalisten.

Allerdings handele es sich bei den Anfragen aus westlichen Ländern um «grosse Online-Medien, die sich nicht rühmen können, (…) objektiv zu sein», sagte der Kreml-Sprecher weiter. Carlsons Position stehe jedoch in «einem Kontrast» zur Position der traditionellen angelsächsischen Medien, ergänzte er und bestätigte, dass das Interview genehmigt wurde.

Nähe zu Trump

Mehrere westliche Journalisten erklärten nach Tuckers Äusserung, sie hätten bereits versucht, mit Putin zu sprechen. «Glaubt Tucker wirklich, dass wir Journalisten nicht jeden Tag seit dem Beginn seiner Invasion in der Ukraine versucht haben, Putin zu interviewen?», fragte etwa Christiane Amanpour vom US-Fernsehsender CNN. Das sei «absurd». «Wir werden weiterhin um ein Interview bitten, wie wir es seit Jahren tun», fügte sie hinzu.

Auch BBC-Korrespondent Steve Rosenberg erklärte, er habe «mehrere Anfragen» geschickt, Putin habe jedoch immer abgelehnt. Der russische Präsident hat seit dem Beginn seines Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 keinem westlichen Medium ein Interview gegeben.

Der für Kritik an der Ukraine und seiner Nähe zu Ex-Präsident Donald Trump bekannte Carlson erklärte in seinem Video: «Es gibt natürlich Risiken, ein solches Interview zu führen. Deswegen haben wir über Monate sorgfältig darüber nachgedacht.» Es sei aber seine Aufgabe als Journalist, die Öffentlichkeit zu informieren. Die meisten US-Bürger wüssten nicht, was in Russland und in der Ukraine vorgehe.

Noch ohne Datum

Das Interview werde kostenlos auf seiner Website zu sehen sein, sagte Carlson, ohne ein Datum für eine Veröffentlichung zu nennen. X-Besitzer Elon Musk habe ausserdem versprochen, das Interview nicht zu blockieren, wenn es auf dem früher als Twitter bekannten Kurzbotschaftendienst veröffentlicht werde.

Carlson war jahrelang eines der bekanntesten Gesichter von Fox News. Mit scharf rechten Positionen und inhaltlicher Nähe zum damaligen Präsidenten Trump sicherte er sich eine grosse Gefolgschaft bei rechten Fernsehzuschauern.

Im vergangenen April wurde er aber von Fox News entlassen (persoenlich.com berichtete). Die Trennung erfolgte weniger als eine Woche nach einem Vergleich zwischen Fox News und dem Wahlmaschinen-Unternehmen Dominion im Streit um falsche Wahlbetrugsvorwürfe nach der Präsidentschaftswahl 2020. Der Nachrichtensender erklärte sich zur Zahlung von 787,5 Millionen Dollar an Dominion bereit, um einen Zivilprozess abzuwenden.

Der für die Verbreitung von Verschwörungstheorien bekannte Carlson begann nach seiner Trennung von Fox News, Interviews auf X zu veröffentlichen. Die Videos werden millionenfach angeschaut. (sda/afp/cbe)



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