14.05.2026

VSRM

Verband der Regionalmedien löst sich auf

Ressourcen für die Fortführung des Verbandes seien nicht mehr vorhanden, heisst es.

Nach rund 36 Jahren verschwindet eine prägende Stimme der Schweizer Regionalpresse: Der Verband Schweizer Regionalmedien (VSRM) wird aufgelöst. Der entsprechende Beschluss fiel an der Generalversammlung im März 2026. Spätestens im Juni endet die Tätigkeit des Verbandes endgültig.

Gratiszeitungen mit definierten Qualitätsstandards

Gegründet wurde die Organisation 1990 von einer Gruppe unabhängiger Verleger regionaler Gratiszeitungen unter dem Namen Verband Schweizer Gratiszeitungen (VSGZ). Ziel war es von Beginn an, die Interessen wöchentlich erscheinender Gratiszeitungen mit klar definierten Qualitätsstandards zu vertreten. Der Verband grenzte sich bewusst von reinen Anzeigenblättern ab.

Mitglied werden konnte nur, wer mindestens fünf von sechs festgelegten Kriterien erfüllte. Dazu gehörten ein mindestens wöchentliches Erscheinen, die Vollverteilung in einem definierten Gebiet, eine eigene Redaktion, ein redaktioneller Anteil von mindestens 20 Prozent, die Einhaltung journalistischer Standards sowie ein mindestens einjähriges Bestehen des Mediums.

Wichtige Stimme in der Medienlandschaft

Im Laufe der Jahre entwickelte sich der Verband zu einer wichtigen Stimme der regionalen Medienlandschaft. 2010 gehörten 21 Zeitungstitel dem Verband an, zwei Jahre später waren es knapp 20 Titel aus der Deutsch- und Westschweiz. Gemeinsam erreichten sie bereits damals über 1,6 Millionen Haushalte.

Später stieg die Reichweite auf mehr als 1,67 Millionen Haushalte – und damit auf rund jeden zweiten Schweizer Haushalt. Zu den Mitgliedern gehörten Regionaltitel aus der Deutschschweiz, der Romandie, dem Tessin und Liechtenstein. Am Ende waren es noch knapp 15 Mitglieder.

Strategische Neuausrichtung

Ein bedeutender Einschnitt erfolgte 2020 mit der strategischen Neupositionierung des Verbandes. Aus dem Verband Schweizer Gratiszeitungen wurde der Verband Schweizer Regionalmedien. Mit der Umbenennung wollte man sich bewusst vom Begriff «Gratis» lösen und stattdessen journalistische Qualität, regionale Relevanz und politische Anerkennung stärker in den Mittelpunkt stellen – insbesondere im Zusammenhang mit der Diskussion um Medienförderung.

Ausbau Online-Aktivitäten

Im März 2012 wurde Dani Sigel an der Generalversammlung in Adligenswil zum Präsidenten gewählt. Er trat die Nachfolge von Thomas Ackermann an und prägte den Verband während rund zehn Jahren massgeblich. Seine Präsidentschaft stand vor allem im Zeichen der Professionalisierung und der stärkeren politischen Sichtbarkeit regionaler Medien. Unter Sigels Führung wurden die Online-Aktivitäten ausgebaut, die politische Interessenvertretung gegenüber Bund, Post und Werbewirtschaft intensiviert sowie das nationale Kombi-Angebot gestärkt.

Gleichzeitig setzte sich der Verband verstärkt dafür ein, regionale Medien als förderungswürdige Qualitätsmedien zu positionieren. «Es war eine Zeit des Wandels, in der wir gemeinsam für die Relevanz der hyperlokalen Berichterstattung kämpften», so Sigel, der hauptberuflich fast ein Jahrzehnt lang CEO der Zürcher Oberland Medien AG war und dort verschiedene Gratistitel vertrat, gegenüber persoenlich.com.

Einsatz für faire Posttarife

Generell verstand sich der VSRM über Jahrzehnte als Interessenvertretung der regionalen Presse. Der Verband engagierte sich für Medienförderung, faire Posttarife, die Gleichbehandlung regionaler Medien sowie für gemeinsame Promotions- und Vermarktungsangebote. Zudem vertrat er die werbewirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder und stärkte deren nationale Sichtbarkeit.

Mit der Auflösung verliere die Schweiz ein wichtiges Sprachrohr jener Medien, die nahe bei den Menschen berichten – aus Gemeinden, Vereinen und dem direkten Lebensumfeld ihrer Leserinnen und Leser, so Sigel.

Gemeinsame Verbandsarbeit erschwert

Zuletzt war die Beteiligung innerhalb des Verbandes jedoch deutlich zurückgegangen. Die strukturellen Veränderungen in der Medienbranche, die zunehmende Konzentration sowie der wirtschaftliche Druck erschwerten die gemeinsame Verbandsarbeit zunehmend. Schliesslich überwog die Erkenntnis, dass ein Fortbestand aufgrund der tiefen Mitgliederbeteiligung nicht mehr sinnvoll sei.

Tom Herrmann, Herausgeber der «Wochenzeitung für das Emmental und Entlebuch» und Geschäftsführer der Hermann AG in Langnau in Emmental, der den Verband während der letzten fünf Jahre präsidierte, zog das ernüchternde Fazit, dass in einer Zeit der Medienkonzentration und der immer knapper werdenden Ressourcen die Kraft für das gemeinsame Verbandswesen nicht mehr vorhanden sei.

Damit ende nicht nur die Geschichte eines Verbandes, sondern auch ein bedeutendes Kapitel der Schweizer Regionalmedien, so der ehemalige Präsident Daniel Sigel. Was bleibe, sei das Vermächtnis einer Organisation, die sich während Jahrzehnten für lokale publizistische Vielfalt und unabhängigen Regionaljournalismus eingesetzt habe.


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