10.07.2024

Post

Verlage sollen plötzlich fünfmal mehr zahlen

Die Schweizerische Post erhöht die Preise für den internationalen Presseversand teils massiv. Das ist vor allem für Klein- und Einzeltitelverlage ein Problem. Nun nimmt sich immerhin der Preisüberwacher der Sache an.
Post: Verlage sollen plötzlich fünfmal mehr zahlen
«Ich zahle das sicher nicht»: Ensuite-Verleger Lukas Vogelsang zur Erhöhung der Posttarife für den Auslandversand. (Bilder: Keystone/zVg)

Alles wird immer teurer. Zwölf Franken für ein Magazin geht heute schon fast als günstig oder zumindest als normal durch. Aber zwölf Franken für den Postversand eines einzelnen abonnierten Hefts ins Ausland? Das ist dann doch ein stolzer Preis, erst recht, wenn die gleiche Dienstleistung bisher nur einen Bruchteil davon gekostet hat. Mit Preiserhöhungen in diesen Dimensionen sehen sich derzeit zahlreiche Verlage in der Schweiz konfrontiert. Mitte Juni haben sie ein Schreiben von der Schweizerischen Post erhalten. Darin schrieb das Unternehmen, es sehe sich «gezwungen, das Angebot für den internationalen Presseversand per 1. Januar 2025 anzupassen». Das geschehe deshalb, weil «infolge der weltweit wirtschaftlich angespannten Lage» die Preissteigerungen bei den Zustellkosten in den Zielländern erheblich seien und man sich im freien Wettbewerb mit anderen Anbietern befinde. Als weitere Gründe nennt die Post auf Nachfrage «die Teuerung und die rückläufige Sendungsmenge».

5400 statt 1000 Franken Porto pro Ausgabe

Tatsächlich werden inzwischen viel weniger gedruckte Publikationen ins Ausland verschickt als noch vor 30 Jahren. Damals liessen sich Abonnentinnen und Abonnenten von Tageszeitungen ihr Leibblatt in die Ferien nachsenden. Wer heute im Ausland eine Zeitung oder ein Magazin aus der Schweiz lesen will, macht das mehrheitlich digital. Aber es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel das Kulturmagazin Ensuite aus Bern. Rund 450 seiner knapp 3000 abonnierten Exemplare gehen nach Deutschland, Österreich und in weitere EU-Länder. Bisher zahlte der Verlag für den Versand seiner Auslandabos um die 1000 Franken pro Ausgabe. Mit der von der Post kommunizierten Erhöhung würde es ab dem kommenden Jahr 5400 Franken kosten. Das entspricht mehr als einer Verfünffachung des Preises für die gleiche Dienstleistung.

«Ich zahle das sicher nicht und organisiere mich selbst», findet Ensuite-Verleger Lukas Vogelsang. Etwa, indem er mit seinen Auslandsendungen über die Grenze fährt und sie dort der lokalen Post übergibt. Noch ist es nicht so weit. Inzwischen hat der Ensuite-Herausgeber einen Rabatt von neun Prozent auf den ursprünglich kommunizierten Listentarif erhalten. Das sind aber immer noch 10.55 Franken pro Exemplar. «Ab einem Exportumsatz im Bereich Dokumente von 5000 Franken pro Jahr kann die Post ihren Kunden Preisreduktionen offerieren. Wir empfehlen den Kunden, Kontakt mit der Post aufzunehmen, damit wir sie entsprechend beraten können», teilt eine Post-Sprecherin auf Anfrage mit. Was aber auch heisst: Die ganz Kleinen mit einem Exportumsatz unter 5000 Franken gehen leer aus. Diese profitierten dafür von einem schnelleren Versand für den höheren Preis, beschwichtigt die Post.

Besonders hart treffen könnte eine solche Preiserhöhung einen Verlag, der den Grossteil seiner Auflage ins Ausland verschickt, wie etwa die Schweizer Revue. Die Publikation der Auslandschweizer-Organisation ASO verschickt rund 98 Prozent seiner knapp 180'000 Printexemplare ins Ausland. Wie Chefredaktor Marc Lettau auf Anfrage erklärt, machen die Versandtarife 40 Prozent des Gesamtbudgets aus. Allerdings verschickt die Schweizer Revue den Grossteil mit SwissMail International und nicht mit der Schweizerischen Post. «Selbstverständlich sind wir beunruhigt über die Preisentwicklung», teilt Lettau auf Anfrage mit. «Uns trifft aber nicht primär die Tariferhöhung der Post, sondern die Tarifentwicklung insgesamt. Auch die Alternativen zur Post werden oder wurden teurer», so der Revue-Chefredaktor weiter.

Tamedia und Ringier machen sich keine Sorgen

Auch andere von persoenlich.com angefragte Kleinverlage, die nicht namentlich genannt werden möchten, zeigen sich ob der Tarifentwicklung nach oben beunruhigt. Die Preissteigerung der Post für den Auslandversand einfach auf den ohnehin schon hohen Abopreis für eine kleinauflagige Nischenpublikation draufzuschlagen, könne man den Kunden nicht zumuten, heisst es. Bleibt als Alternative die digitale Distribution. Ein Weg, den Tageszeitungen und Magazine aus grösseren Verlagen schon lange gegangen sind, um auch im Ausland gelesen werden zu können. So sind die aktuellen Tariferhöhungen für Ringier und Tamedia auch kein grösseres Thema, wie die beiden Medienunternehmen auf Anfrage mitteilen.

Noch gibt es allerdings Verlage, die ihre Publikationen ausschliesslich auf Papier anbieten oder eine, zumeist ältere, Kundschaft ansprechen, die am liebsten gedruckte Medien liest. Für sie kommt die Ankündigung der Post äusserst ungelegen, auch weil sie weitgehend auf sich selbst gestellt sind. Der Verlegerverband Schweizer Medien (VSM) vertritt massgeblich Unternehmen, die von der Erhöhung der Auslandtarife der Post nicht betroffen sind. Eine weitere Baustelle zu eröffnen, die zudem Verlage betrifft, die gar keine Mitglieder sind, mag der Verband derzeit nicht, heisst es beim VSM auf Anfrage von persoenlich.com. Mit all den medienpolitischen Herausforderungen, die sonst auf der Traktandenliste stehen, sei man schon gut ausgelastet. Auch kein Thema ist die Preiserhöhung für die Mediengewerkschaft Syndicom, die sonst immer wieder mal hart ins Gericht geht mit der Geschäftstätigkeit der Post.

«Alle warten auf einen Anbieter, der diese Logistik übernimmt»

Der einzige Strohhalm, an den sich die Kleinverlage nun klammern können, ist der Preisüberwacher. «Wir haben von der genannten Preiserhöhung Kenntnis und nehmen Abklärungen vor. Mögliche weitere Schritte hängen von deren Ergebnis ab», teilt eine Sprecherin des Preisüberwachers auf Anfrage mit. Ohne eine allfällige Empfehlung der Behörde vorwegzunehmen, ist es doch eher unwahrscheinlich, dass die Post auf die Preiserhöhung verzichten wird.

Und so wird vielleicht Verleger Vogelsang schon bald mit dem eigenen Auto nach Lörrach fahren, wo er seinen Heftstapel direkt der deutschen Post übergibt. Oder er bietet den Gang über die Grenze gleich als neue Dienstleistung an. «Alle warten auf einen Anbieter, der diese Logistik übernimmt», sagt der umtriebige Medienmacher.


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KOMMENTARE

Carsten Vossmeyer
12.07.2024 15:07 Uhr
EDS Media bietet den Postversand Service ins Ausland seit Jahrzehnten bereits für Verlage in der Schweiz zu günstigen Preise an.
Tirza Hunkeler
11.07.2024 15:30 Uhr
Als kleiner Insider Tipp: Die EDS Media AG bietet einen individuellen und umfangreichen Service für Verlage im In- und Ausland an. Für Neugierige hier der Link: https://www.edsmedia.ch/

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