Am Donnerstagabend um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit eröffnet Co-Gastgeber Mexiko mit dem Spiel gegen Südafrika die 23. Fifa-Fussballweltmeisterschaft. Am Samstag, 13. Juni, greift die Schweizer Nationalmannschaft erstmals ins Geschehen ein: In San Diego trifft sie auf Katar im ersten von drei Gruppenspielen. Im neuen Modus mit 48 teilnehmenden Teams werden 104 Partien gespielt. Für die Schweizer Medien ist das eine logistische Herausforderung. persoenlich.com hat die grossen Redaktionen des Landes gefragt, wie sie die Fussball-WM meistern und wie ihre Berichterstattung aussieht.
Blue erstmals mit eigenem Personal an einem WM-Turnier
Das Zentrum der Schweizer Berichterstattung liegt in San Diego, wo die Nationalmannschaft ihr Quartier bezieht. Das grösste Aufgebot unter den privaten Verlagen stellt der Blick: Über die sechs Turnierwochen sind plattformübergreifend mehr als 30 Mitarbeitende involviert. Sieben berichten direkt aus Nordamerika – fünf aus dem Nati-Quartier, einer von den Gruppengegnern Kanada, Katar und Bosnien-Herzegowina, ein weiterer von der Ostküste. 20 Minuten reist mit fünf Personen an – mehr als in Katar, wo zwei Reporter im Einsatz waren. Drei Redaktoren sind in San Diego stationiert, zwei weitere reisen für Reportagen, unter anderem zum Eröffnungsspiel in Mexiko. Das gesamte neunköpfige Sportteam aus der Deutschschweiz und der Romandie widmet sich dem Turnier.
Eine Premiere verzeichnet Blue: Das TV- und Medienunternehmen ist erstmals mit eigenen Mitarbeitenden an einer Fussball-WM präsent. Möglich wurde dies durch die Zusammenarbeit mit den Werbepartnern Astara und Travelclub. Ein fünfköpfiges Team sichert in San Diego die Berichterstattung rund um das Nationalteam, während Redaktorinnen, Redaktoren und Videojournalisten in Volketswil die übrigen WM-Inhalte verarbeiten.
Die NZZ entsendet vier Redaktoren und einen freien Mitarbeiter in die USA. Gemeinsam mit dem Auslandskorrespondentennetz decken sie die drei Gastgeberländer ab, unterstützt von mehreren Ressorts in Zürich.
Die Nachrichtenagentur mit einem breiten Aufgebot
Keystone-SDA hält das Aufgebot vor Ort im Vergleich zu Katar konstant: Reporter Michael Lehmann (Sport Deutsch), Reporter Lucien Willemin (Sport Französisch) und Fotograf Peter Klaunzer reisen nach San Diego. In den Schweizer Büros sind allein im Sportressort über ein Dutzend Redaktoren im Einsatz, dazu kommen Mitarbeitende am Bilddesk oder auch in den Regionalbüros, die über regionale Aspekte berichten, etwa von Public-Viewing-Events.
Tamedia koordiniert die Berichterstattung eng zwischen Deutschschweiz und Romandie. Für die Deutschschweiz reisen zwei Journalisten zum Nationalteam, ein dritter betreut das Turnier täglich aus Zürich – das entspricht dem Aufgebot in Katar. Die Westschweizer Redaktion setzt drei Journalisten ein: einen in Kalifornien beim Nationalteam, zwei für Mexiko, den Süden der USA und die Ostküste – laut Medienhaus ein etwas kleineres Aufgebot als bei der letzten WM vor vier Jahren.
Für die Zeitungstitel und Onlineportale von CH Media begleitet mit Sebastian Wendel nur ein einziger Sportreporter das Nationalteam vor Ort. Das Medienhaus begründet das kleinere Aufgebot mit den deutlich höheren Reise- und Unterkunftskosten gegenüber dem kompakten Turnier in Katar. Das ebenfalls zu CH Media gehörende Newsportal Watson berichtet mit einer fünfköpfigen Sportredaktion aus der Schweiz. Ein Redaktor arbeitet zwar aus den USA, um trotz Zeitverschiebung rund um die Uhr abzudecken, reist aber nicht zu den Austragungsorten. Das Aufgebot bleibt gleich gross wie 2022. Die regionalen Radio- und Fernsehsender von CH Media berichten aus der Schweiz.
Kleinere SRF-Delegation als bei früheren Turnieren
Das insgesamt grösste Aufgebot stellt die SRG: Die sprachregionalen Sender spannen zusammen; Technik, Transport und Unterkünfte werden zentral für RTS, RSI, RTR und SRF organisiert. Rund 50 SRG-Mitarbeitende – darunter sieben Technikerinnen und Techniker – reisen nach Nordamerika. Zusätzlich unterstützen sieben reguläre Korrespondentinnen und Korrespondenten von RSI, RTS und SRF die WM-Berichterstattung. Für das SRF-Sportangebot sind rund 13 Personen am Veranstaltungsort tätig – eine kleinere Delegation als bei früheren Weltmeisterschaften.
SRF überträgt alle 104 Spiele live: im kommentierten Livestream auf srf.ch/sport und in der SRF Sport App, fast alle zudem im Fernsehen und 15 ausgewählte auf YouTube. Grund für die kleinere Delegation: Mit 40 zusätzlichen Spielen und der Verteilung auf drei Länder kommentiert der Sender Vorrunde und Sechzehntelfinals aus Zürich. Ausgenommen sind die Spiele der Nati: Diese begleitet Sascha Ruefer von Beginn weg live aus den Stadien. Ab dem Achtelfinal werden sämtliche Partien vor Ort kommentiert; dann stossen auch Mario Gehrer, Dani Kern und Rachel Rinast dazu.
Sie berichten alle erstmals von einer WM
Mehrere Journalistinnen und Journalisten von Schweizer Medien berichten erstmals vor Ort von einer Fussball-WM. Bei 20 Minuten war das gesamte Team noch nie an einer Endrunde dabei. Bei Blue sind Jan Arnet, Ronja Zeller und Julian Barnard erstmals dabei, während Michael Wegmann seine dritte und Andreas Böni seine sechste WM bestreitet. Beim Blick gibt Bastien Feller, zuständig für die Ostküste, sein WM-Debüt. Bei Keystone-SDA berichten Lucien Willemin und Michael Lehmann erstmals von einer Fussball-WM – Lehmann war allerdings schon an der EM als Nati-Reporter im Einsatz –, während Fotograf Peter Klaunzer bereits zahlreiche Turniere begleitet hat. Bei SRF steht Rachel Rinast erstmals als WM-Kommentatorin im Einsatz.
Die Zeitverschiebung prägt den Arbeitsrhythmus. Die Schweizer Gruppenspiele werden um 21 Uhr Schweizer Zeit angepfiffen, die Mehrheit der übrigen Partien findet in der Nacht statt – entsprechend sind Spät- und Nachtschichten nötig. CH Media etwa arbeitet im Zweischichtenbetrieb, ausgenommen die letzte Turnierwoche. Für die Printausgaben von Blick, CH Media und Tamedia lassen sich die Schweizer Spiele am Folgetag noch abbilden – bei CH Media im Grossteil der Regionalausgaben. Die NZZ verzichtet wegen der späten Anspielzeiten auf eine gedruckte Berichterstattung zu den Vorrundenspielen und verlagert das Angebot inklusive Live-Ticker auf nzz.ch.
SRF 3 ist der Nati-Sender
Auch Radio SRF 3 begleitet das Turnier live: Peter Schnyder, Lionel Mattmüller und Kathrin Lehmann kommentieren die Schweizer Spiele und den Final in voller Länge. Bei den übrigen Partien gibt es regelmässige Einschaltungen sowie am frühen Morgen Analysen und Reaktionen zu den Nachtspielen, ergänzt durch Hintergrundgeschichten und Reportagen aus dem Nati-Camp.
Eine wichtige Rolle spielen Audio-Angebote. Der Blick-Podcast «Forza!» erscheint in höherer Taktung direkt aus den USA, ergänzt durch Spezialsendungen in Zürich und einen täglichen Newsletter. 20 Minuten veröffentlicht nach Schweizer Spielen Sonderfolgen von «Anderi Liga 2.0», CH Media diskutiert im Podcast «Tribünengeflüster», und Tamedia nimmt rund um die Nati-Spiele Spezialfolgen der «Dritten Halbzeit» auf, lanciert mit einer Live-Aufnahme in Zürich. Blue produziert mit «Heimspiel bei der Nati» mindestens sechs 25-minütige Sendungen für Blue Zoom und Blue News sowie tägliche Einschätzungen, Livestreams und Interviews vor Ort. SRF begleitet das Turnier mit Spezialfolgen des Podcasts «Sykora Gisler». Als Expertinnen und Experten stehen unter anderem Blerim Dzemaili (Blick) sowie Daniel Gygax und die ehemalige kroatische Nationalspielerin Ana Markovic (20 Minuten) im Einsatz.
Interaktive Elemente und Sonderformate
Tippspiele bieten 20 Minuten, Blick, SRF und einzelne Radiosender von CH Media an. Der Blick lanciert zusätzlich ein digitales Werkzeug, mit dem User ihr Wunschteam und ihre Taktik aufstellen können, ergänzt durch einen Datenpool aller WM-Statistiken. Mit der Funktion «Follow My Team» erhalten eingeloggte Userinnen und User per Push personalisierte Meldungen zu ihren favorisierten Ländern. Zudem betreibt der Blick eine Community-Aktion rund um Fan-Schals: Nach jedem Nati-Spiel wählt die Redaktion die fünf besten Community-Kommentare aus, die Leserschaft stimmt per Voting ab. Der Siegerkommentar wird auf eine limitierte Auflage von 80 Fanschals gedruckt, die verlost werden. Tamedia bietet eine Spielerbewertung, Blue setzt auf Fan-Umfragen.
Inhaltlich richtet Blue den Fokus auf Geschichten mit Nati-Bezug, darunter Auslandschweizer in den Gastgeberländern. Die NZZ legt den Schwerpunkt auf Analysen und Reportagen an den Schnittstellen zu Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. 20 Minuten und Blick decken auch gesellschaftliche Themen abseits der Stadien ab. SRF sendet aus San Diego täglich das «Nati-Magazin», dazu kommen Talks und Analysen aus dem Studio in Zürich. Zur Rahmenberichterstattung gehören die vierteilige Dokumentationsserie «SRF DOK: Abenteuer Mexiko – Schweizer Alltag in der Mega-City» über fünf in Mexiko-City lebende Auswanderer, eine vierteilige Podcast-Serie zu Fifa-Präsident Gianni Infantino sowie die Reihe «Super League WM», in der Spieler der heimischen Liga ihr WM-Land vorstellen. Bereits am 6. Juni sendete SRF eine WM-Sonderausgabe des «Samschtig-Jass» mit den ehemaligen Nati-Spielern Stéphane Chapuisat, Benjamin Huggel und Pascal Zuberbühler sowie Moderator Paddy Kälin.
Vermarktung, Partnerschaften und Werbe-Aktionen
Eine kommerzielle Neuerung gibt es bei SRF: Weil die Fifa erstmals feste Trinkpausen («Hydration Breaks») von rund drei Minuten pro Halbzeit vorschreibt, nutzt der Sender diese Unterbrechungen für einen Werbespot von maximal 30 Sekunden. Da das Spiel während der Trinkpause ruht, verpasse das Publikum keine entscheidenden Szenen, so SRF; der Schritt sei dem wirtschaftlichen Rahmen der SRG geschuldet. Zusätzlich sind direkt vor Anpfiff «Golden Spots» möglich.
Blue vermarktet «Heimspiel bei der Nati» und «WM Helden für immer» als Werbeplattform und verweist auf eine Social-Media-Reichweite von über 2,6 Millionen Followern bei Blue Sport. Tamedia Advertising bietet Werbeplatzierungen in Digital, Print, Social Media, Newslettern, Podcasts und Livetickern. Der Blick kombiniert Grossplatzierungen und werbliche Inhalte mit Live-Events – etwa einem Podcast-Anlass mit der UBS und einem geplanten Event mit der Zurich Versicherung – und ist Medienpartner der Winti Arena in Winterthur, einem der grossen Public Viewings der Schweiz.
Der Blick bietet eine vergünstigte «Blick+»-Aktion während des Turniers, die NZZ ein Spezialangebot bei Schweizer Siegen, 20 Minuten nutzt sein Tippspiel zur Nutzerbindung. CH Media plant keine spezifischen Abo-Aktionen und stellt die kontinuierliche publizistische Qualität in den Vordergrund; regionalen Werbekunden bietet das Medienhaus aber auf die WM abgestimmte Angebote für Print und Online.
So tippen die Schweizer Redaktionen
Die Erwartungen an das Schweizer Team sind mehrheitlich optimistisch – unter Berücksichtigung des neuen Modus mit zusätzlichem Sechzehntelfinal. Blue tippt auf eine Halbfinalteilnahme. 20 Minuten, Blick («Das Viertelfinale muss; das Halbfinale kann möglich sein»), Keystone-SDA und die Tamedia-Redaktion der Romandie erwarten den Viertelfinal, die Deutschschweizer Sportredaktion von Tamedia sowie Tamedia Advertising das Ausscheiden im Achtelfinal. SRF, NZZ und CH Media gaben keine Tipps ab.
Als wahrscheinlicher Weltmeister wird Frankreich am häufigsten genannt (Blick, Blue, Keystone-SDA, Tamedia Deutschschweiz); bei Keystone-SDA entschied ein Münzwurf zugunsten Frankreichs und gegen Argentinien. 20 Minuten tippt auf Portugal, Tamedia Romandie auf Spanien, Tamedia Advertising auf England.

