17.06.2026

Tessiner Medienförderung

Wenig nachhaltige «Übergangslösung»

Das vom Tessiner Grossen Rat geschnürte Medienpaket zeige, dass Medienpolitik auch im Tessin angekommen sei, sagt der Medienwissenschaftler Colin Porlezza. Dennoch hegt der Professor für digitalen Journalismus Zweifel an der Nachhaltigkeit des Unterstützungspakets.
Tessiner Medienförderung: Wenig nachhaltige «Übergangslösung»
Das Tessiner Medienpaket unterstützt ausschliesslich fünf Printtitel. (Bild: Keystone/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Eine Million Franken, verteilt auf zwei Jahre - dies sind die Eckpunkte des Medienförderungspakets, welches der Tessiner Grosse Rat vor wenigen Tagen geschnürt hat. Mit dieser Massnahme reihe sich das Tessin im «Mittelfeld» der Medienförderung der Kantone ein, erklärt der am Institut für Medien und Journalismus der Università della Svizzera italiana (USI) tätige Professor Colin Porlezza auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Seit das Stimmvolk im Jahr 2022 das Massnahmenpaket zugunsten der Medien ablehnte, hätten zahlreiche Kantone verschiedene Formen von Medienförderung lanciert, so Porlezza. Er nennt Waadt und Freiburg als Beispiele mit einer besonders vielfältigen und starken Medienförderung. Insbesondere der Kanton Waadt gilt mit einer Investition von 6,2 Millionen Franken während fünf Jahren als Vorreiter der kantonalen Medienförderung.

Förderung geht an fünf Print-Titel

«Eigentlich handelt es sich im Tessin um eine ‹Printförderung› und nicht um eine ‹Medienförderung› an und für sich», resümiert Porlezza. Denn: Unterstützt werden ausschliesslich fünf Printtitel, und zwar Corriere del Ticino, La Regione, Rivista di Lugano, Informatore und Tessiner Zeitung. Von der Förderung ausgeschlossen sind Online-Medien, Radio und TV.

Die Initianten sehen die Massnahme als «Übergangslösung», denn der Printbereich ist unter Druck, speziell auch im Tessin, wo italienische Medien eine starke Konkurrenz darstellen. Ausserdem ist im Süden der Schweiz der Nutzer- sowie der Werbemarkt durch die geringe Bevölkerungszahl stark limitiert. Auch die Sprachminderheit beschränkt den Tessiner Medienmarkt.

«Überholtes Silodenken»

Ob in diesem Umfeld eine finanzielle Unterstützung von einer halben Million Franken jährlich während zweier Jahre nur für Printmedien wirklich etwas ändern könne, bezweifelt der Medienexperte: «Ein solches Silodenken ist angesichts des digitalen Medienkonsums überholt.» Die Einführung einer Medienförderung unabhängig von der Distributionstechnologie, der Mediengattung sowie des Geschäftsmodells wäre laut Porlezza zielführender.

Grundsätzlich sei die Qualität des Medienangebots im Tessin immer noch hoch, hält er weiter fest. Es gebe aber wie in der übrigen Schweiz Anzeichen für den steigenden Druck, so etwa Entlassungen und Rückgänge von Erträgen.

Dass im Tessiner Parlament eine Finanzspritze für die örtlichen Medien diskutiert und gutgeheissen wurde, wertet Porlezza grundsätzlich als gutes Zeichen. «Es ist wichtig, dass sich auch die Tessiner Politik Fragen zur Zukunft der Medien stellt.» (sda/spo)


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