Schon wieder hat ein Beben die Schweizer Medienlandschaft getroffen. Und schon wieder befindet sich das Epizentrum an der Werdstrasse in Zürich, wo die TX Group ihren Hauptsitz hat. 20 Minuten hat am Dienstag angekündigt, die Printausgabe auf Ende Jahr einzustellen und sich auf das Digitalgeschäft zu konzentrieren (persoenlich.com berichtete).
Gleichzeitig stellt sich 20 Minuten grundlegend neu auf. Die Redaktionen der Deutsch- und Westschweiz fusionieren zu einer nationalen Redaktion mit Standorten in Zürich, Bern und Lausanne. Regionalbüros wird es künftig keine mehr geben. So verlieren Basel, Genf, Luzern und St. Gallen ihre 20-Minuten-Standorte. Insgesamt sollen 80 Vollzeitstellen gestrichen werden, von insgesamt 287, die die 20-Minuten-Gruppe zählt.
37 der gestrichenen Stellen sind in der Romandie, wie 20 Minuten auf Anfrage präzisierte. Somit ist die französischsprachige Schweiz wohl überproportional getroffen. Genf erlebt einen besonders harten Schlag. 20 Minuten schliesst die Regionalredaktion, wo nach Angaben des Journalistenvereins aktuell fünf Journalistinnen und Journalisten arbeiten.
Die zweitgrösste Stadt der Schweiz wurde bereits im letzten Herbst von der Restrukturierung bei Tamedia, die ebenfalls zur TX Group gehört, stark getroffen. Tamedia hatte entschieden, die Tageszeitung La Tribune de Genève nicht zu den «Zukunftsmarken» zu zählen. Damit wird das mittelfristige Ende des Titels befürchtet.
«Grosse Verliererin» ist die Leserschaft
Der Genfer Journalistenverein AGJ ruft die TX Group auf, die «Politik der sozialen und redaktionellen Zerschlagung» sofort zu stoppen, schreibt er in einer Mitteilung. «Indem der Zürcher Konzern seine Logik der Konzentration und Kostensenkung fortsetzt, schwächt er den Informationspluralismus in der Romandie nachhaltig.» Er ruft Bevölkerung und Behörden auf, sich der Sache bewusst zu werden.
Auch die Personalkommission der Tamedia-Titel der Romandie (SDC) zeigt sich konsterniert. Sie bedauere, dass die Digitalisierung einmal mehr auf Kosten von Stellen und Lokalredaktionen geschehe, schreibt sie in einer Mitteilung. Die Fusion der Redaktionen sei eine «ernsthafte Bedrohung für den regionalen Journalismus». Dabei seien die Leserinnen und Leser die «grossen Verlierer der TX-Group-Strategie», findet die SDC.

