Herr Cavalli, herzliche Gratulation zu Ihrem signifikanten Leserzuwachs. Der Blick ist nun die meistgelesene Tageszeitung der Schweiz (persoenlich.com berichtete). Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?
Vielen Dank! Wir versuchen Tag für Tag Journalismus zu machen, der dringlich ist, sich von anderen Medien abhebt und die Interessen unserer Leserinnen und Leser ernst nimmt. Bereits im Frühling sind wir gewachsen und zur meistgelesenen Tageszeitung geworden. Dass wir nun im Vergleich zum Herbst 2025 sogar über 17 Prozent zulegen, freut mich enorm. Vor allem, weil es eine starke Leistung unseres Teams ist.
Was macht der Blick anders als noch vor zwei, drei Jahren?
Wir haben nichts auf den Kopf gestellt. Blick hat seit jeher eine starke Redaktion. Wir haben einfach seine Stärken weiter geschärft: kantiger, frecher, überraschender. Und näher an der Lebenswelt unserer Leserinnen und Leser. Wir wollen sie noch stärker in Themensetzung und Debatten einbeziehen. Und wir haben in den letzten Jahren noch mehr in die Distribution investiert, damit unsere Inhalte die Leserinnen und Leser dort erreichen, wo sie diese konsumieren möchten – auch im Print.
Inwiefern merken Sie die Einstellung der Printausgabe von 20 Minuten?
Natürlich beobachten wir den Markt, aber wir schauen vor allem auf uns. Wir gehen konsequent unseren Weg. Nur so können wir erfolgreich sein.
«Wir arbeiten online first. Für die Zeitung entsteht eine Art Best-of»
Wie ist die Abgrenzung der Blick-Zeitung zu Blick.ch?
Es gibt inhaltlich keine Trennung. Wir arbeiten online first. Für die Zeitung entsteht eine Art Best-of. Print-Chefredaktor Andreas Dietrich und sein Team machen daraus jeden Tag ein stark kuratiertes Blatt. Mir als publizistisch Gesamtverantwortlichen ist die Frontseite auch im digitalen Zeitalter enorm wichtig. Wir nutzen sie wieder stärker, um verspielt und mutig zu inszenieren. Die Blick-Titelseite ist ein wichtiges Aushängeschild unserer Marke.
Wie werden Sie den Blick weiterentwickeln?
Wir setzen im KI-Zeitalter noch stärker auf unsere Köpfe: auf Redaktorinnen und Reporter aus Fleisch und Blut, die den Unterschied machen. Und wir holen gezielt profilierte Journalisten von aussen…
…Sie schnappen SRF Arena-Moderator Sandro Brotz weg, wie am Dienstag verkündet wurde. Was versprechen Sie sich von ihm?
Sandro Brotz hat die Blick-DNA bereits in sich und kehrt nach seiner erfolgreichen Zeit bei SRF zu uns zurück. Mit mehreren Video-Podcast-Ausgaben pro Woche zu relevanten Themen wird er genau das tun, was wir von Blick erwarten: sich einmischen und Debatten auslösen.
«Wir haben elf Frontseiten in Folge zur Brandkatastrophe von Crans-Montana gemacht»
Ab nächstem Jahr wird aus dem Samstag-Blick bzw. dem SonntagsBlick der Blick fürs Wochenende. Welche Konsequenzen hat dies für den redaktionellen Ablauf?
Wir sparen bei Vertrieb und Druck, nicht beim Journalismus. Das SonntagsBlick-Kernteam bleibt als eigene Redaktion bestehen und verantwortet mit Chefredaktor Reza Rafi den neuen Blick fürs Wochenende. Gleichzeitig verzahnen wir es noch stärker mit dem Newsroom. So können wir am Wochenende die Stärken von Blick und SonntagsBlick zusammenbringen.
Was war für Sie das journalistische Highlight in diesem Jahr?
Noch frisch ist die vorletzte Woche mit gleich zwei Blick-Primeurs, die für Gesprächsstoff sorgten: die Kündigung von Seco-Chefin Helene Budliger, den ich selber recherchieren konnte, und vor allem die Covid-Affäre um Granit Xhaka. Unsere News-Reporterinnen haben sie aufgedeckt und gemeinsam mit dem Sport-Ressort stark weitergetrieben. Am meisten gefordert hat uns aber, wie viele andere Redaktionen auch, die Brandkatastrophe von Crans-Montana. Da mussten wir schnell sein, ohne hektisch zu werden. Präzise, auch unter enormem Zeitdruck. Wir haben elf Frontseiten in Folge dazu gemacht. Für mich zeigt das, wofür Blick stehen muss: Ein Thema nicht nur als Erster bringen, sondern dranbleiben mit Ausdauer und Hartnäckigkeit.

