Benjamin Blaser, Sie sind mit Ihrer Agentur Mitgründer des Newsroom-Summit, der erstmals im kommenden Oktober stattfinden wird. Was gab den Ausschlag, diese neue Veranstaltung zu lancieren?
Das Newsroom-Thema begleitet uns seit über zehn Jahren. In dieser Zeit haben sich Corporate Newsrooms von einem innovativen Organisationsansatz zu einem etablierten Standard der strategischen Kommunikation entwickelt. Zwar gibt es inzwischen zahlreiche Weiterbildungsangebote. Eine physische Konferenz im Sinne eines eigentlichen Branchentreffs fehlte bisher aber. Gemeinsam mit ausgewiesenen Newsroom-Spezialist:innen wollen wir das ändern.
In der Schweiz kennen sich die Verantwortlichen der Corporate Newsrooms und tauschen sich auch aus. Welchen Mehrwert soll und kann ein Newsroom-Summit bieten?
In unseren Gesprächen haben wir festgestellt: Die Newsroom-Community ist grösser, als man auf den ersten Blick denkt und längst nicht alle kennen sich untereinander. Der Austausch findet häufig auf LinkedIn oder am Rand anderer Veranstaltungen statt, oft eher zwischen Tür und Angel. Dabei ist der Corporate Newsroom im Grunde die weiterentwickelte Form integrierter Kommunikation – und damit heute relevanter denn je. Deshalb verdient dieses Thema eine grössere Bühne. Der Summit soll ein ausgewogener Mix aus Use Cases, Diskussionen, Weiterbildung und Networking werden.
Mit Marie-Christine Schindler und Christoph Moss konnten Sie zwei führende Fachleute zum Thema gewinnen. Was darf man von ihnen erwarten?
Das Newsroom-Thema ist enorm facettenreich, weshalb auch die Programmgestaltung anspruchsvoll ist. Christoph Moss, einer der Vordenker des Newsroom-Ansatzes, wird der Frage nachgehen, welchen kulturellen Wandel ein Newsroom in Organisationen auslöst. Marie-Christine Schindler hat in ihrer Laufbahn zahlreiche Organisationen in Kommunikationsfragen begleitet. In einer Breakout Session wird sie konkrete Handlungsempfehlungen und Erfolgsfaktoren für funktionierende Newsroom-Strukturen aufzeigen.
Was auffällt: Die Gründungspartner des Newsroom-Summit sind neben Ihrer Agentur die Energieversorger Axpo, BKW und die SBB. Das sind drei staatsnahe Unternehmen. Gibt es Gründe dafür?
Das ist reiner Zufall. Axpo, BKW und SBB verfügen alle über aktive Newsroom-Strukturen und arbeiten laufend daran, ihre Prozesse weiterzuentwickeln. Warum ich sofort wusste, dass sie für ein solches Vorhaben offen sein würden: Sie arbeiten nicht im stillen Kämmerlein, sondern teilen ihre Erfahrungen, bringen sich in der Branche ein und suchen den Austausch. Ob staatsnahe Unternehmen bei der Newsroom-Implementierung tatsächlich weiter sind als private, lässt sich derzeit nicht pauschal sagen. Wir finalisieren aktuell gemeinsam mit verschiedenen Hochschulen eine Studie, die den Newsroom-Strukturen in der Schweiz vertieft nachgeht. Daraus werden sich möglicherweise neue Tendenzen ableiten lassen.
Welche Schlüsselfaktoren sehen Sie heute als zentral für den Erfolg von Corporate Newsrooms?
Nach unserer Erfahrung liegt der grösste Hebel eines Corporate Newsrooms weniger in der Struktur selbst als im kulturellen Wandel, in klaren Prozessen und in der Rückendeckung aus der Geschäftsleitung, die ein Newsroom-Modell erfordert. Entscheidend ist nicht in erster Linie die Grösse einer Organisation oder die Anzahl verfügbarer Ressourcen, sondern der Wille, bestehende Abläufe kritisch zu hinterfragen und neu zu denken. Wer bereit ist, diesen Schritt zu gehen, verbessert oft schon nach kurzer Zeit die Geschwindigkeit, die strategische Steuerungsfähigkeit und die Messbarkeit der internen und externen Kommunikation.

