TV-Kritik

Was hat Projer gegen Somm?

Bildschirmfoto 2018-06-04 um 09.32.57

Markus Somm platzte in der neuen Ausgabe von «Arena/Reporter» der Kragen. Verständlich. Im ersten Teil der Sendung wurde der eingeladene Chef der «Basler Zeitung» von Moderator Jonas Projer immer wieder ungerechtfertigt abgeklemmt. Somm machte seinem Ärger so Luft: «Ich komme nicht mehr in diese Sendung, wenn ich nur drei Sätze sagen kann und Sie mich unterbrechen. Dann habe ich keine Lust mehr.» Und: «Sie müssen mich nicht erziehen!» Projer hielt sich danach besser im Zaum. Egal, ob man seine Meinung teilt oder nicht: Der Noch-BaZ-Chef ist in jeder Diskussionssendung eine Bereicherung. Das weiss selbstverständlich auch der findige Projer. Nur müsste man Somm reden lassen.

«Wer rettet die Welt?», lautete das Thema. Die Sendung begann harmlos mit einem Film über die erstaunliche Zürcher Umweltaktivistin Meret Schneider (Grüne), die gegen die Verschwendung kämpft und weggeworfene Lebensmittel einsammelt und verteilt. Die junge Weltretterin schlürft während ihrer Arbeit Energydrinks aus der Alu-Dose und benützt auf ihren Touren unter anderem auch Plastiksäckli.

Nach dem Film wurde im Studio unstrukturiert und teils wirr von einem Thema zum anderen und zurück gehoppelt: Trinkröhrli, Veganismus, Kunststoff, Flug- und Autoemissionen, Kohlekraftwerke, Geschenkverpackungen und so weiter. Wen wunderts, dass auch der Finanzplatz sein Fett abbekommen hat. SP-Nationalrat Fabian Molina: «Der Schweizer Finanzplatz stösst durch seine Geschäftstätigkeit mindestens zehnmal so viel CO2 aus wie wir als Schweizer Volkswirtschaft offline.»

Und dann war da noch Cécile Bühlmann, höchste Schweizer Greenpeace-Frau. Mit ihrer Rechthaberei stört die Luzernerin die Kommunikation immer noch so oft, wie sie es bis vor zwölf Jahren als grüne Nationaltärin getan hatte. Einen guten Auftritt mit vernünftigen Argumenten hatte Christina Surer, Ex-Rennfahrerin und Moderatorin.

Jeder vernünftige Mensch ist sich bewusst, dass wir alle mehr für die Umwelt tun müssen. Energie und Ressourcen für diese Sendung hätte sich SRF sparen können. Projer vermochte an dem (für mich verlorenen) sonntäglichen Sommerabend ohnehin nur wenigen Zuschauern ein schlechtes Gewissen zu machen. Wer sich nicht für Balkon oder Garten entschieden hatte, genoss am ehesten das Testspiel Spanien-Schweiz (1:1) auf SRF 2.


René Hildbrand
René Hildbrand ist Journalist, langjähriger Fernsehkritiker und Buchautor. Während 27 Jahren war er für «Blick» tätig, danach Chefredaktor von «TV-Star».

Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Künsch Ursula
06.06.2018 11:16 Uhr
danke der mutigen Meret Schneider
Dani Metzger
05.06.2018 13:23 Uhr
Der Beitrag über Meret Schneider war aber abslout sehenswert. Sehr interessant, diese Frau. Mir war klar: das war der Höhenpunkt dieser Diskussionssendung. Habe danach den TV ausgeschaltet, wollte sowieso noch was bastelt im Keller :-)
Werner Vetterli
05.06.2018 10:36 Uhr
Grüezi Wir (drei Ehepaare) wurden auf die Sendung mit Meret Schneider aufmerksam gemacht und wollten gemeinsam die Sendung verfolgen. Wir haben uns masslos aufgeregt über das Verhalten von Herrn Somm, der immer wieder die Gesprächsteilnehmer unterbrochen und ihnen dreingeredet hat. Er spielte sich auf als Alleswisser und stellte seine Gesprächspartner als "Banausen" hin. Wir vermissten bei Herrn Somm Anstand und Respekt gegenüber den Gesprächsteilnehmer. Aber auch Herr Projer sollte die Teilnehmer öfters zurechtweisen, denn wenn alle gleichzeitig drauflos sprechen, versteht der Zuschauer nichts, und das ist leider immer wieder der Fall. Hut ab vor Frau Meret Schneider, was Sie leistet ist schlicht bewundernswert - Gratulation! Über was wir uns bei diesen Sendungen immer wieder ärgern ist das gleichzeitige, ewige drein- und drauflosschwatzen aller Teilnehmer. Da müsste man endlich mal hart durchgreifen, denn dann versteht man als Fernsehzuschauer nichts mehr. Vielleicht müsste man den Gesprächsteilnehmern mal den Knigge vor Augen halten - Anstand und Respekt lässt Grüssen. Freundliche Grüsse, Werner Vetterli
Armando Pirovino-Honegger
04.06.2018 17:25 Uhr
«Was hat Hildbrand gegen Bühlmann?« Solche und andere Headlines kommen einem in den Sinn, wenn man die "fundierte Analyse" des langjährigen TV-Kritikers liest. Vielleicht liest er seine Wertungen und Abwertungen selbst noch einmal in aller Ruhe. Und schaut sich den "harmlosen" Beginn mit Meret Schneiders Engagement nochmals an. Ob er dann echli mehr sieht, als die Aludosen, aus denen die junge Frau trinkt? Aber vielleicht will man einfach nur das sehen, was einem ins festgemauerte Weltbild passt. Dabei gilt: «Nur wer sich verändert, bleibt sich treu.» Mit sonnigen Grüssen vom Obersee Armando Pirovino (*1947)
Kommentarfunktion wurde geschlossen