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Schwingsport: Darum ist Giger Samuel für Sponsoren noch wertvoller

Es gibt Siege, die im Palmarès stehen – und solche, die eine Marke verändern. Samuel Gigers (28) zweiter Sieg am Kilchberger gehört für mich zur zweiten Kategorie. Vor ihm gelang das nur Karl Meli selig, 1967 und 1973. Aus dem Kilchberger-Sieger wird der zweifache Kilchberger-Sieger – und genau das ist aus Sponsoringperspektive relevant. Denn im Spitzensport kaufen Sponsoren nicht einfach Leistung und Bekanntheit, sondern Differenzierung, Glaubwürdigkeit und Geschichten, die sich für die eigene Marke aktivieren lassen. Das macht Giger nicht automatisch teurer, aber seltener.

Giger war schon vorher einer der wertvollsten Namen im Schwingsport: Unspunnen-Sieger, Kilchberger-Sieger, Schlussgangteilnehmer am Eidgenössischen 2025 in Mollis. Partnerschaften mit Lidl, der Mobiliar sowie den Regionalfirmen Prematic, Frifag und Frigel bestehen bereits seit Jahren – ein Beleg, dass sein kommerzielles Potenzial schon lange vorhanden war. Verändert hat sich das Umfeld: Giger ist Vollprofi und wird professionell betreut.

Bemerkenswert ist der persönliche Wandel: Giger stand lange für den «Büezer» ohne Sponsoren und Management und äusserte sich kritisch zur Professionalisierung des Schwingsports. Dieses Jahr hat er sich als Erster dazu bekannt, selbst Vollprofi zu sein – ein Beleg, dass Tradition und Professionalität keine Gegensätze sein müssen.

Noch stärker wiegt die Comeback-Story: Nach einer Schulterverletzung hatte Giger seit Ende Mai keinen Ernstkampf mehr bestritten – drei Monate Pause, dann die Rückkehr ausgerechnet am nur alle sechs Jahre stattfindenden Kilchberger. Resultat: fünf Siege in sechs Gängen, historische Titelverteidigung, begleitet von einem professionellen Team um Athletiktrainer Goran Cvetković, Mentalcoach Adrian Brüngger und die Ostschweizer Trainingsgruppe von Beat Schläpfer. Für Sponsoren entsteht daraus Storytelling über Disziplin, Resilienz und Durchhaltevermögen.

Unterschätzt wird zudem Gigers Wirkung als visuelle Marke. Stilexperte Jeroen van Rooijen bezeichnete ihn als den prägnantesten Schwinger mit dem meisten «Sex-Appeal» (Blick Online). Sennenhemd, Hosenträger, athletische Erscheinung verbinden traditionelle Schweizer Bildwelt mit moderner Ästhetik – relevant für Marken auch über die klassische Schwinger-Zielgruppe hinaus. Digital gehört Giger zudem zu den reichweitenstärksten aktiven Schwingern, mit der grössten Instagram-Community. Doch Follower sind nicht gleich Sponsoringwert: Entscheidend bleiben Engagement, Zielgruppen und die Übersetzung in konkrete Aktivierung.

Einen objektiven Marktpreis für einen Athleten gibt es nicht, deshalb spreche ich lieber vom jährlichen Vermarktungspotenzial. Vor dem diesjährigen Kilchberger hätte ich dieses bei Giger auf 400'000 bis 600'000 Franken angesetzt, nach dem historischen zweiten Sieg neu bei 550'000 bis 750'000 Franken – weil sportliche Exzellenz, Comeback-Story, professionelles Umfeld, digitale Reichweite, visuelle Identität und hohe Schweizer Identifikation zusammenkommen. Mehr Sponsoren bedeuten dabei nicht automatisch mehr Wert: Entscheidend ist nicht, wie viele sich gewinnen lassen, sondern welche Marken Gigers Wert erhöhen – und welche ihn verwässern.

Am Horizont steht zudem das Eidgenössische 2028 in Thun: Gewinnt Giger dort den Königstitel, würde sich seine kommerzielle Ausgangslage nochmals verändern.

Samuel Giger ist deshalb nicht einfach teurer geworden. Er ist rarer geworden: einen zweifachen Kilchberger-Sieger gibt es im aktiven Schwingsport genau einen – ein Titel, der bleibt. Sponsoren kaufen bei ihm heute eine Kombination aus Leistung, Comeback, Professionalität, Schweizer Tradition, Bodenständigkeit, Persönlichkeit, visueller Wiedererkennbarkeit und historischer Einzigartigkeit – eines der spannendsten Sponsoring-Assets im Schweizer Sport.



Roger Fuchs ist Inhaber von Fox Sports Management. Der Beitrag erschien in ausführlicherer Form zuerst am 6. September 2026 auf LinkedIn.

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