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: Der Frauenquote droht der Untergang

Die Stauffacher-Deklaration wird scheitern. Wenn der Tages-Anzeiger so weiter macht, kann die Redaktion bis Mitte 2016 das Ziel, einen Frauenanteil von 30 Prozent auf allen Stufen, nicht erreichen. Auch wenn "die Richtung stimmt", wie Chefredaktor Res Strehle sagt, braucht es nicht einfach mehr Zeit, sondern zusätzliche Anstrengungen, wenn der Schiffbruch tatsächlich verhindert werden will.

Im Frühling 2013 verpflichtete sich der Tagi dazu, Frauen gezielt zu fördern. In der Branche rieben sich manche verwundert die Augen ob der Tatsache, dass das als linksliberal bekannte Blatt mit 25 Prozent nur so wenige Frauen in den Redaktionsreihen aufweist. Die Redaktion zeigte sich gewillt, das zu ändern, deshalb unterschrieb Chefredaktor Strehle die Deklaration.

Doch die Halbzeitbilanz zeigt: Die Umsetzung erweist sich um einiges schwieriger als gedacht, denn so lautet der Zwischenstand: Chefredaktion 0 Prozent, Kader 14 bis 20 Prozent und insgesamt liegt der Frauenanteil über die ganze Redaktion berechnet bei 27 Prozent (Anteil am Gesamtpensum). 

Besonders frauenarm sind Ausland und Sport. Auch in der Tagesleitung gibt es nur eine einzige Frau, diese macht den Job aber nur zu 25 Prozent. Daneben schreibt sie als Reporterin. Warum kann für die Tagesleitung keine Frau gefunden werden? "Frauen mangelt es in erster Linie an Erfahrung“, so die Erklärung von Strehle. Das Beispiel Tagesleitung zeigt: Die Liste an Argumenten, warum der Entscheid schliesslich doch auf männliche Bewerber fällt, ist lang. Meist gebe es bei der Stellenbesetzung einen Mann, der das geforderte Profil noch besser erfülle, beobachtet Strehle. So war es, als im Auslandressort oder in der Chefredaktion Stellen frei wurden. Daneben dominiert für ihn die andere Seite der Frauenförderung: Das Problem der Männerdiskriminierung. Er könne doch einem erfolgreichen stellvertretenden Ressortleiter keinen Chef oder keine Chefin ohne Erfahrung vor die Nase setzen.

Damit liegt Res Strehle falsch, denn das müsste er. Wenn der "Tages-Anzeiger" diese Stauffacher-Deklaration wirklich ernst nimmt und das Ziel bis Mitte 2016 erreichen will, sind solche Massnahmen nötig. Statt einen Mann zu befördern, der schon lange in der Poleposition sitzt, müsste eine Frau verpflichtet werden. Das ist unpopulär. Die Stauffacher-Deklaration wird so zum zusätzlichen Faktor für die Karriereplanung der Männer. Doch, dass "Mann sein" je nach dem zum Stolperstein werden könnte, ist transparent. Eine zusätzliche Rahmenbedingung, genau gleich wie Arbeitsort, Lohn oder Sprachenkompetenz. Wer nicht damit leben kann, muss den Arbeitgeber wechseln.

Das Argument, es sei schwierig, Frauen mit genügend Erfahrung zu finden, kann nur als weitere Ausrede interpretiert werden. Der bei über 40 Prozent liegende Frauenanteil beim Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) oder bei der SDA ist der Beweis. Und sogar in Sachen Führungspositionen liegt bei SRF der weibliche Anteil bei einem Drittel.

Die Redaktion des Tagi muss sich also zusammenraufen. In der Pflicht sind vor allem die Ressortleiter. Ihnen soll ein gewisser Frauenanteil im Team als bonusrelevantes Ziel festgeschrieben werden. Daneben hat der Chefredaktor eine zentrale Funktion: Er muss nach den Ursachen für das Fernbleiben der Frauen fragen und ihnen das zutrauen, was er auch einem männlichen Kollegen zutrauen würde: Führungsfunktionen übernehmen, ohne bereits Erfahrung zu haben.

Doch Strehle wird diese Frauenfrage nicht mehr allzu sehr umtreiben. Noch rund ein Jahr ist er im Amt. Im Frühling 2016 übernimmt Arthur Rutishauser das Steuer – kurz bevor im Sommer die in der Deklaration gesetzte Frist verstreichen wird.

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