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SRF: Ein Meilenstein? Von wegen!

Pionierinnen unter den Frauen gibt es einige. Ganz einfach, weil sie in vielen Bereichen der Gesellschaft gegenüber Männern nachholen mussten. Man denke an die ersten Frauen im Parlament, die erste Bundesrichterin Margrith Bigler-Eggenberger, die erste Bundesrätin Elisabeth Kopp oder die erste SRG-Generaldirektorin Susanne Wille, um nur einige aus den letzten Jahrzehnten zu erwähnen.

Und so strahlte SRF vor Stolz, als es am Dienstag ankündigte, dass Rachel Rinast als erste Frau in der Schweiz Fussballspiele kommentieren würde. Die ehemalige Nati-Spielerin wird während der Heim-EM der Frauen für SRF ihr Debüt geben und danach auch Männerspiele begleiten. Sie selber sagt, es bedeute ihr viel, «Pionierin zu sein», dazu beizutragen, «dass sich das Publikum an weibliche Stimmen bei Fussballspielen gewöhnt» (persoenlich.com berichtete).

SRF nennt diesen Schritt einen «Meilenstein für den Schweizer Sportjournalismus». Ein Narrativ, das von anderen Medien übernommen wurde. Und: «Wir fördern seit Jahren weibliche Stimmen im Fussball. Die erste Live-Kommentatorin ist der nächste wichtige Schritt in diesem Prozess», wird Reto Gafner vom Bereich Live Sport bei SRF zitiert.

Die Erste? Nicht ganz. Denn es gab vor Rachel Rinast eine andere Pionierin in der Fussballkommentatorenkabine: Elodie Crausaz für RTS ab 2023. Auch im Radio haben Frauen schon Fussballspiele kommentiert.

Angefragt erklärt sich SRF so: Crausaz habe nur punktuell kommentiert. Rinast sei die erste, die «regelmässig umfassend und in mehreren Wettbewerben Fussballspiele am TV kommentieren wird». Die Freude, sich selbst in Sachen Gleichstellung zu feiern, war wohl so gross, dass eine klitzekleine Zuspitzung der Fakten in Kauf genommen wurde.

Das ist aber Nebensache. Dass es Frauen längst ins Weltall geschafft haben, bevor sie in der Fussballkommentatorenkabine sitzen: Das gibt zu bedenken. Ist Stolz nicht fehl am Platz? Sollte SRF statt von einem Meilenstein nicht eher schreiben: «Ein wichtiger Mangel wird endlich behoben»?

Eine Pionierin ist Rachel Rinast zumindest in der Deutschschweiz dennoch. Sie wird einen Beitrag für die Entwicklung der Mentalitäten in der Fussballwelt leisten. Und allgemein ist die Pionierarbeit für Frauen noch längst nicht fertig. Aber: Anno 2025 sollten diese «Meilensteine» nicht mehr gefeiert werden, als wären sie nicht überfällig gewesen.


Sandra Porchet ist Redaktorin von persoenlich.com.

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KOMMENTARE

Victor Brunner
28.05.2025 18:59 Uhr
Das ist SRF, schnell dafür nicht sehr genau und respektlos gegenüber Crausaz. Dafür noch faule und stümperhafte Erklärungen. Warum nicht "Danke für den Hinweis, wir werden umgehend berichtigen!".
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