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SRF: Hört auf mit dem gestelzten Siezen!

Medienschaffende unter sich duzen sich in der Regel. Auch innerhalb der SRG – aber nicht vor dem Mikrofon. Dort wird unter ihresgleichen eifrig gesiezt. So war es auch, als sich SRF-Moderator David Karasek diesen Montag im «Tagesgespräch» (um 13 Uhr) von SRF-EU-Korrespondent Charles Liebherr durch die EU-Metropole führen liess. Eine interessante Konversation, die leider den Makel aufweist, dass sie etwas steif wirkt: Karasek sprach Liebherr per Sie an. Ausser bei Minute 13:08, als Karasek spontan in den Kollegen-Modus verfällt («Du wirst es nicht glauben …»): Schlagartig stellt sich für einen Augenblick der Live-Effekt des Spaziergangs ein. Doch flugs wechselt Karasek wieder in den Sie-Modus.

Lieber David, wärst Du doch beim «Du» mit Charles geblieben! Das Gespräch hätte an Authentizität gewonnen.

Das SRG-Siezen on air wirkt nur noch peinlich. Ein Anachronismus, der sich in seiner künstlichen Überhöhung aber hartnäckig hält: Man gibt sich gegenüber Kolleginnen und Kollegen aus demselben Medienbetrieb gleich distanziert, wie es gegenüber Dritten üblich ist (oder sein sollte). Bitte, liebe SRG-Stilverantwortliche, überwindet Eure scheinnoble Gespreiztheit, schickt das Gesieze in die Mottenkiste und lasst SRF-Medienschaffende im gemeinsamen Gespräch schlicht «Du» sagen: «Wie hast Du die Stimmung im Gerichtssaal erlebt?»

Macht es so wie die ZDF-Moderatoren, die ihre Korrespondentinnen und Korrespondenten auf natürliche Weise duzen: «Ulf, welche Konsequenzen hat dieser Entscheid?» Das wirkt ehrlich, ein Dialog auf gleicher professioneller Ebene.


Peter Knechtli war Gründer und langjähriger Redaktor von onlinereports.ch.

Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.

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KOMMENTARE

Christian Maurer
29.07.2026 15:04 Uhr
Wenn wir schon beim Aufräumen sind: Wenn ein SRF-Mitarbeiter ins Studio kommt oder live zugeschaltet ist und etwas kommentiert, muss der Moderator am Schluss nicht danke sagen. Es ist der Job des Mitarbeitenden, mitzuarbeiten und zu reden. Dafür gibts Lohn.
Andi Neukomm
29.07.2026 09:41 Uhr
Kürzlich eine Schaltung nach Bern zu Urs Leuthard, gleichzeitig war Eveline Kobler im Newsroom. Es wurde gesiezt was das Zeug hielt. In der Kantine duzt man sich dann wieder.
Brigitte Specker
29.07.2026 08:32 Uhr
Ah, danke für diesen Beitrag. Diese Siezerei im SRF stört mich auch und hat irgendwie etwas bünzlihaftes. Die Nachrichten in ZDF und ARD wirken mit der Du Kultur auf mich viel authentischer.
Rainer Luginbühl
29.07.2026 07:40 Uhr
Einverstanden. Journalisten sind Kollegen, und Kollegen duzen sich. Künstlich wird die Gegenbewegung: wenn ein Moderator seinen Gast demonstrativ duzt – oder, in der verschärften Variante, ihm vor laufender Kamera das Du anbietet. So erlebt bei einem Lokalsender. Der neue Fussballtrainer wurde vom Start weg kumpelhaft behandelt, vermutlich in der Hoffnung auf späteren Zugang, exklusive Informationen und ein bisschen Neid bei der Konkurrenz. Bitte sein lassen. Nähe wächst im Gespräch. Ein Handschlag verordnet sie nicht. Wer sich lange kennt, darf das zeigen. Profis sagen es offen: Ein plötzliches, gestelztes Sie wäre hier unglaubwürdig. Polo Hofer konnte man kaum siezen. Bei Emil war es umgekehrt ebenso klar: Es blieb beim Sie. Sie, Emil. Und Politiker? Die werden grundsätzlich gesiezt. Alles andere wirkt anbiedernd.