Medienschaffende unter sich duzen sich in der Regel. Auch innerhalb der SRG – aber nicht vor dem Mikrofon. Dort wird unter ihresgleichen eifrig gesiezt. So war es auch, als sich SRF-Moderator David Karasek diesen Montag im «Tagesgespräch» (um 13 Uhr) von SRF-EU-Korrespondent Charles Liebherr durch die EU-Metropole führen liess. Eine interessante Konversation, die leider den Makel aufweist, dass sie etwas steif wirkt: Karasek sprach Liebherr per Sie an. Ausser bei Minute 13:08, als Karasek spontan in den Kollegen-Modus verfällt («Du wirst es nicht glauben …»): Schlagartig stellt sich für einen Augenblick der Live-Effekt des Spaziergangs ein. Doch flugs wechselt Karasek wieder in den Sie-Modus.
Lieber David, wärst Du doch beim «Du» mit Charles geblieben! Das Gespräch hätte an Authentizität gewonnen.
Das SRG-Siezen on air wirkt nur noch peinlich. Ein Anachronismus, der sich in seiner künstlichen Überhöhung aber hartnäckig hält: Man gibt sich gegenüber Kolleginnen und Kollegen aus demselben Medienbetrieb gleich distanziert, wie es gegenüber Dritten üblich ist (oder sein sollte). Bitte, liebe SRG-Stilverantwortliche, überwindet Eure scheinnoble Gespreiztheit, schickt das Gesieze in die Mottenkiste und lasst SRF-Medienschaffende im gemeinsamen Gespräch schlicht «Du» sagen: «Wie hast Du die Stimmung im Gerichtssaal erlebt?»
Macht es so wie die ZDF-Moderatoren, die ihre Korrespondentinnen und Korrespondenten auf natürliche Weise duzen: «Ulf, welche Konsequenzen hat dieser Entscheid?» Das wirkt ehrlich, ein Dialog auf gleicher professioneller Ebene.
Peter Knechtli war Gründer und langjähriger Redaktor von onlinereports.ch.
Unsere Kolumnistinnen und Kolumnisten vertreten ihre eigene Meinung. Sie deckt sich nicht in jedem Fall mit derjenigen der Redaktion.
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SRF: Hört auf mit dem gestelzten Siezen!