Wer am Abend den Privatsender 3+ einschaltet, erlebt mit «7 vs. Wild: Castaway» eine Zeitreise. Das laut CH Media «millionenfach gefeierte Survival-Format» läuft seit dem 25. Januar als Schweizer Premiere im Free-TV. Doch was nach dem Helikoptersprung vor Samaná folgt, entpuppt sich als Reinfall. Das Konzept: Die Schweizer Promis Kris Grippo, Tamy Glauser, Tamara Cantieni, Gabirano, T-Ronimo, Flavio Leu und Survival-Profi Gion Saluz wurden in der Karibik ausgesetzt. 14 Tage lang sollen sie ohne Feuerzeug und fliessendes Trinkwasser überleben. Da kein Kamerateam vor Ort ist, müssen sie sich selbst filmen.
Das Ergebnis wirkt wie ein Relikt aus der Anfangszeit von TeleZüri im Jahr 1994: Die Bilder sind verwackelt und unruhig, der Ton bricht bei jedem Windstoss weg. Es sieht fast surreal aus, wie die Teilnehmenden dauernd mit der GoPro in der Hand durch die Gegend irren – als wären sie auf der Suche nach dem nächsten Selfie-Hotspot statt nach einer Überlebensstrategie. Man fragt sich ernsthaft, wie 3+ dieses optische Chaos gleich zweimal wöchentlich – sonntags und dienstags – zur Prime Time verkaufen kann. Das deutsche YouTube-Format mag auf dem Smartphone funktionieren. Auf dem Big Screen ist es eine Zumutung.
Wer das sogenannte Dschungelcamp auf RTL als Massstab für exzellentes Trash-TV nimmt, wird bitter enttäuscht. Während RTL mit einer hochprofessionellen Regie, messerscharfen Schnitten und vor allem einer zynischen Moderation für echtes Dauerfeuer sorgt, herrscht am karibischen Strand absolute Funkstille. Das Dschungelcamp (eigentlich «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!») lebt vom schnellen Rhythmus und der ironischen Einordnung. «7 vs. Wild: Castaway» ist dagegen unfreiwilliges Slow-TV: Wir schauen Menschen beim Zeit-Totschlagen zu, während die Produktion versucht, 14 Tage Survival auf 16 Episoden aufzublähen. Elf davon habe ich mir angetan, um kein vorschnelles Urteil zu bilden.
Die Absurdität gipfelt darin, dass der erste Teilnehmer nicht etwa wegen Hunger, sondern schlicht aus Langeweile aufgibt. Wenn am Strand nichts passiert, bleibt eben auch die Story hohl. Ein medialer Unfall ohne Spannungsbogen. Was bleibt, ist ein zäher, billig produzierter Video-Blog. Künftig schaue ich im TV lieber einem brennenden Kaminfeuer oder einer Zugfahrt durch die Alpen zu. Das ist wenigstens ehrliches Slow-TV: Man weiss von Anfang an, dass nichts passiert.
Christian Beck ist Redaktionsleiter von persoenlich.com.



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Reality-TV: Karibik-Flop statt Survival-Hit