15.11.2025

Jimmy Wales

Wikipedia-Gründer entwickelt soziales Netzwerk

«Trust Café» soll eine Alternative zu herkömmlichen sozialen Medien bieten und Vertrauen statt Empörung in den Mittelpunkt stellen.
Jimmy Wales: Wikipedia-Gründer entwickelt soziales Netzwerk
«Ja, ich denke schon, dass es zu wenige rechte Stimmen gibt», sagt der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales. (Bild: Keystone/DPA/Sebastian Gollnow)

Jimmy Wales, bekannt als Mitgründer von Wikipedia, arbeitet an einem Pilotprojekt namens Trust Café, wie er in einem Interview mit der Schweiz am Wochenende sagte. Die Beta-Version wurde 2023 lanciert.

«Unsere Grundidee ist es, nicht nur Inhalte zu priorisieren, die eine grosse Interaktion versprechen, sondern auch solche, welche von vertrauenswürdigen Mitgliedern der Community geteilt werden», erklärt Wales. Derzeit arbeitet ein kleines Team mit zwei Entwicklern an der Software und am Konzept.

Wales zeigt sich gegenüber den heutigen sozialen Medien kritisch. Viele Plattformen hätten keinen echten Zweck oder nähmen ihre selbst gesetzten Ziele nicht ernst. Als Beispiel nannte er Twitter, das einst als «Marktplatz der öffentlichen Debatte» angetreten sei. «Wenn man in einer Stadt lebte, deren Marktplatz so wäre wie X – laut, aggressiv, voller Leute, die sich gegenseitig anschreien und mit Eiern bewerfen –, dann würde dort niemand hingehen», bemerkt der Internetpionier.

Wales räumte im Interview auch Schwächen von Wikipedia ein. Die fehlende intellektuelle und politische Vielfalt in der Community sei ein Problem. «Ja, ich denke schon, dass es zu wenige rechte Stimmen gibt», sagt der Wikipedia-Gründer.

Grokipedia «nicht ganz neutral»

Zur Online-Enzyklopädie Grokipedia von Elon Musk sagt Wales, er finde die Idee zwar interessant, betont aber, dass es bislang nicht vielversprechend aussehe. «Je spezifischer ein Thema, desto mehr Unsinn produziert die KI. Vertrauenswürdig ist das nicht. Ausserdem: Musk behauptet, seine Enzyklopädie sei neutraler als Wikipedia, aber viele haben bemerkt, dass sie auffällig oft seinen eigenen politischen Ansichten zustimmt. Sie ist also wohl nicht ganz so neutral, wie er glaubt.»

Wie Forscher berichten, enthält Grokipedia Tausende von Verweisen auf «zweifelhafte» und «problematische» Quellen. «Es ist klar, dass die Schutzmassnahmen in Bezug auf Quellen bei Grokipedia weitgehend umgangen wurden», erklären die Forscher Harold Triedman und Alexios Mantzarlis von Cornell Tech in einem Bericht, den die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte. (spo)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen