13.07.2016

Locarno Filmfestival

Viel Prominenz aber wenig Hollywood

17 Filme werden im Concorso internazionale zu sehen sein. Zwei davon von Schweizer Regisseuren.
Locarno Filmfestival: Viel Prominenz aber wenig Hollywood
Stars aus Frankreich und Deutschland reisen im August ins Tessin: Die Piazza Grande in Locarno.

Das diesjährige Festival del film in Locarno werde eines der «Entdeckungen», verspricht dessen künstlerischer Direktor Carlo Chatrian. Ausser Bill Pullman, der einen Preis abholt, stehen keine Hollywoodstars auf der Präsenzliste - dafür renommierte Schauspielerinnen aus Frankreich und Deutschland.

Chatrian bleibe dem Festival del film von Locarno mindestens bis 2020 als künstlerischer Leiter erhalten. Das sagte Festivaldirektor Marco Solari am Mittwoch in Bern bei der Vorstellung des Programms. Das Festival zeigt vom 3. bis 13. August mehr als 250 Filme.

Davon laufen 17 im internationalen Wettbewerb, alles Weltpremieren. Während anderswo Regisseurinnen notorisch unterrepräsentiert sind, wurden acht der Filme im Hauptwettbewerb von Frauen inszeniert.

Zwei Filme im Concorso internazionale stammen von Schweizern: «La idea de un lago» von Milagros Mumenthaler, die in Locarno 2011 mit «Abrir puertas y ventanas» den Pardo d'oro gewonnen hat, sowie «Marija» von Michael Koch. Sie treten gegen internationale Konkurrenz an wie João Pedro Rodrigues' «O Ornitologo» aus Portugal oder «Mister Universo» der Österreicher Tizza Covi und Rainer Frimmel.

Schweiz stark vertreten

Die Schweiz ist allgemein heuer stark vertreten am Festival. Auf der Piazza Grande läuft beispielsweise «Moka» von Frédéric Mermoud mit dem französischen Star Nathalie Baye. Und im deutschen Biopic «Paula» über die Malerin Paula Modersohn-Becker spielt die Schweizerin Carla Juri («Eine wen iig, dr Dällebach Kari», «Feuchtgebiete») die Hauptrolle.

Ausserhalb des Wettbewerbs werden Nicolas Wadimoffs Dok «Jean Ziegler - L'optimisme de la volonté» und Jacob Bergers «Un juif pour l'exemple» mit Bruno Ganz nach Jaques Chessex' gleichnamigem Tatsachenroman gezeigt.

Kontrastprogramm: Ken Loach und Jason Bourne

Die diesjährige 69. Ausgabe des Festivals sei eine der Entdeckungen, sagte Chatrian vor den Medien. Grosse Namen sind dieses Jahr hauptsächlich im Programm der Piazza Grande zu finden: Der Brite Ken Loach beispielsweise präsentiert persönlich seinen mit der Goldenen Palme von Cannes prämierten Film «I, Daniel Blake».

Bill Pullman holt am Eröffnungsabend auf der Piazza seinen Excellence Award Moët & Chandon ab, bevor Colm McCarthys «The Girl with all the Gifts» gezeigt wird. Regisseur McCarthy sei zwar noch relativ unbekannt, so Chatrian, aber der Film werde zweifellos zu reden geben. Mit «Jason Bourne» von Paul Greengrass gibt es am dritten Abend einen veritablen Blockbuster auf der Piazza.

Zu den prominenten Gästen dieses Jahr zählen unter anderen Isabelle Huppert und Bulle Ogier, die Luc Bondys «Les Fausses Confidences» ausserhalb des Wettbewerbs präsentieren sowie die deutsche Schauspielerin und Regisseurin Maria Schrader und ihre Kollegin Barbara Sukowa, die den Piazza-Film «Vor der Morgenröte - Stefan Zweig in Amerika» an den Lago Maggiore begleiten.

Retrospektive für deutsches Nachkriegskino

Eine Retrospektive mit dem Titel «Geliebt und verdrängt» ist dem Kino der jungen Bundesrepublik Deutschland von 1949 bis 1963 gewidmet, ein weitgehend unerforschtes Gebiet, wie die Veranstalter schreiben. Gezeigt werden über 80 Filme - unbekannte ebenso wie populäre, beispielsweise die Dürrenmatt-Verfilmung «Es geschah am helllichten Tag» oder die Familienschnulze «Die Trapp-Familie in Amerika».

Ein Titel aus der Retrospektive, «Am Tag als der Regen kam» (1959), läuft auf der Piazza Grande. Der Hauptdarsteller Mario Adorf nimmt bei dieser Gelegenheit einen Pardo alla Carriera entgegen. (Irene Widmer, sda/lcv)

Bild: Keystone

 


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