07.04.2003

"Dialog in Konfliktsituationen braucht immer viel Demut auf beiden Seiten"

Beide stehen im Rampenlicht, beide leben im Kanton Schwyz, beide vertreten eine starke Macht: Die Schwyzer Polizeikommandantin Barbara Ludwig und den Einsiedler Abt Martin Werlen (Bild) trennt einiges und verbindet vieles. "persönlich.rot" hat mit den beiden ein ungewöhnliches Gespräch über Kommunikation, Saddam Hussein, Gott und eheliche Treue geführt. "persoenlich.com" bringt einen Ausschnitt:
"Dialog in Konfliktsituationen braucht immer viel Demut auf beiden Seiten"

Abt Martin, Sie sind innerhalb eines Jahres landesweit bekannt geworden. So liessen Sie sich zum Beispiel auf dem Trottinett oder beim Uni-Hockey ablichten. Wie weit kommen Sie den Medien entgegen, um eine Message zu verkaufen?

Abt Martin: Ich habe in den vergangenen Monaten sehr viele Medienleute kennen und schätzen gelernt. Das Entgegenkommen ist ein gegenseitiges. Ich lasse mich grundsätzlich nur in Situationen ablichten, in denen ich mich auch sonst befinde. Das Trottinett haben mir die Schüler geschenkt...

Aber Sie liessen sich so fotografieren...

Ja, das Trottinett benütze ich auch. Und im übrigen lasse ich mich von den Medien nicht in eine Rolle zwängen, die mir nicht liegt.

Gab es für diese Fotos Kritik von Ihren Mitbrüdern oder anderen Bischöfen, die vielleicht ein bisschen introvertierter sind?

Die Mitbrüder kennen mich nicht nur aus den Medien. Und sie haben mich zu ihrem Abt gewählt, nachdem sie mich im Kloster 18 Jahre kennen lernen konnten. Und die Bischöfe haben andere Sorgen und Schwerpunkte, als über gelungene oder weniger gelungene Fotos zu sinnieren. Die Bischofskonferenz ist ein Gremium, in dem ich mich sehr wohl fühle. Wie gesagt: Ich zeige mich so, wie ich bin. Ich bin Autostopper, gehe Hockey spielen, fahre Trottinett und spiele Handorgel. Das alles habe ich schon vor meinem Amtsantritt getan. Schliesslich bin ich ein normaler Mensch.

Frau Ludwig, auch Sie stehen immer unter medialer Beobachtung.

Ludwig: Im Vergleich zu meiner Zeit als Leiterin des Zürcher Flughafengefängnisses stehe ich weniger im medialen Interesse, was angenehm ist. Gegenüber den Medien bin ich sehr zurückhaltend, für mich sind sie ausschliesslich wichtig, um eine Botschaft zu vermitteln. Als Person suche ich keineswegs das Rampenlicht. Ich finde es aber komisch, wenn ich mein Bild in der Zeitung sehe. Dabei gehe ich aber nicht so weit wie die Indianer, die behaupten, damit werde einem die Seele gestohlen.

Sie haben vorher in Zürich das Ausschaffungsgefängnis geleitet. Mussten Sie damals anders kommunizieren?

Ludwig: Nein, eigentlich nicht. Aber es ist wichtig, sich bei der Kommunikation auf das jeweilige Gegenüber einzustellen und deren kulturelle Eigenheiten zu berücksichtigen. Natürlich habe ich mit Asylsuchenden aus Nordafrika anders kommuniziert als mit Asylsuchenden aus dem Balkan...

Wie anders?

Mit Insassen aus dem Balkan kann man viel direkter kommunizieren, bei Nordafrikanern muss man die eigentliche Message elegant umschreiben. Aber der Grundsatz ist immer der gleiche: Mit Ehrlichkeit kommt man am weitesten. Als Führungsperson muss man auch mit sich selber im Lot sein.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen