15.04.2002

"Ein Brand ist das Versprechen künftiger und langfristiger Erträge."

Die Reorganisation des CS-Konzerns in die zwei Einheiten Credit Suisse Financial Services und Credit Suisse First Boston zeitigt auch Folgen fürs Marketing. Die CSFS, zu der die Winterthur gehört, schuf ein Corporate Marketing Center, in dem alle entsprechenden Aktivitäten zentralisiert wurden. Das wirft Fragen auf. Ist es denn sinnvoll, das Marketing der vornehmlich in der Schweiz aktiven Bank und der vornehmlich im Ausland aktiven Versicherung in einen Topf zu stecken? Im "persönlich blau", das diese Woche erscheint, nimmt Jan Nyholm, Chef des Corporate Marketing Center (Bild), Stellung. "persoenlich.com" bringt einen Auszug:
"Ein Brand ist das Versprechen künftiger und langfristiger Erträge."

Ihre Kundschaft ist stark segmentiert - hier der Bankkunde, dort der Versicherungskunde. Ist eine Zentralisierung überhaupt sinnvoll?

Natürlich. Nehmen Sie als Beispiel BMW. BMW hat einen Brand, aber drei ziemlich verschiedene Modellreihen, die sich an sehr verschiedene Kundengruppen richten. Aber der Brand ist immer BMW. Die Siebner-Serie steht für das Beste vom Besten, für die ultimative Driving-Machine, aber gleichzeitig hat man den kompakteren Dreier. Der Kunde wählt zwar sein Modell. Aber was immer er wählt, er bekommt BMW-Qualität. So sehen wir das auch für Credit Suisse und die Winterthur. Der Brand muss für die bestmögliche Wahl im Financial Service stehen, wobei die beste Wahl auf der besten Beratung basiert. Guten Service und gute Produkte haben auch die Konkurrenz. Am Ende will der Kunde gute Beratung haben. Und dafür müssen die Brands Credit Suisse und Winterthur stehen.

Wo orten Sie die Schwierigkeiten, wenn man eine Marketingorganisation harmonisiert und vereinheitlicht?

Das ist immer ein schwieriger Prozess. Dass wir ganz klar definiert sein müssen, wenn wir im Wettbewerb bestehen wollen, ist sofort einsichtig. Intellektuell versteht das jeder. Wenn es dann aber um die Umsetzung geht, dann kommen die Diskussionen. Wenn Sie zum Beispiel Marketingchef für ein Versicherungsprodukt in einem bestimmten Land sind, dann werden Sie zwar anerkennen, dass Sie in der Zukunft aus einer Vereinheitlichung Vorteile ziehen können, aber Sie werden sich im täglichen Geschäft beeinträchtigt fühlen. Und das ist tatsächlich so. Ein Brand ist das Versprechen künftiger und langfristiger Erträge. Dies ist oft im ersten Moment schwierig zu akzeptieren und zu leben - nicht auf einer rationalen Ebene, da hat es jeder verstanden, sondern auf der emotionalen Ebene.

Wie wichtig ist Ihnen die Marke Winterthur denn noch?

Die Winterthur-Marke wurde über Jahrzehnte aufgebaut, und sie wird weiter bestehen bleiben. Das sind auch zwei vollkommen verschiedene Zielgruppen. Winterthur spricht ein Massenpublikum an. Credit Suisse spricht ein spezialisiertes Zielpublikum an.

Ist es ein Vorteil für Credit Suisse, dass durch die Kraft von Winterthur im Ausland auch die CS gepusht wird?

Theoretisch wäre dies möglich. Aber dann stellt sich die Frage der Umsetzung und natürlich auch nach dem Sinn.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen