17.02.2026

Mediatonic

«KI analysiert Daten, aber löst keine Zielkonflikte»

Chris Fluckiger und Christian-Kumar Meier kommentieren die Stabübergabe bei der Genfer Mediaagentur. Der bisherige CEO und sein designierter Nachfolger nehmen zudem Stellung zu aktuellen Herausforderungen des Mediageschäfts.
Mediatonic: «KI analysiert Daten, aber löst keine Zielkonflikte»
Chris Fluckiger (links) hatte Mediatonic 2003 gegründet. Nun gibt er die operative Leitung an Christian-Kumar Meier ab, bleibt aber Verwaltungsratspräsident. (Bild: zVg/Mediatonic)

Chris Fluckiger, im September 2024 ist Christian-Kumar Meier zu Mediatonic gestossen. War da schon klar, dass er dereinst die Leitung übernehmen würde?
Christian und ich kennen uns seit vielen Jahren. 2024 ergab sich die Gelegenheit, in eine konkrete Zusammenarbeit einzusteigen. Wie und in welcher Form genau wollten wir gemeinsam mit dem Management und dem Verwaltungsrat auf strategischer Basis und mit der nötigen Sorgfalt erarbeiten. Entscheidend war dann die konkrete Zusammenarbeit in der Transformationsphase. In dieser Zeit hat sich gezeigt, dass Christian schnell Resultate bringen kann und die strategischen sowie kulturellen Voraussetzungen mitbringt, um Mediatonic in die nächste Phase zu führen. Auf dieser Basis haben Management und Verwaltungsrat entschieden: Wir starten den bewusst geplanten Nachfolgeprozess.

Was hat schliesslich den Ausschlag gegeben, dass Christian-Kumar Meier als CEO übernehmen wird?
Den Ausschlag gab sein Leistungsausweis, seine wertvolle Arbeit bei Mediatonic – wo er in kurzer Zeit viel bewirkt hat –, seine Fähigkeit, Automatisierung mit Beratung zu verbinden, Silos aufzubrechen und unsere Unabhängigkeit zu schützen. Und vor allem die Übereinstimmung in unseren Werten.

«Wir kennen unsere strategischen Herausforderungen und sind daran, diese zu bearbeiten»

Christian-Kumar Meier, in den letzten eineinhalb Jahren haben Sie als Head of Transformation gewirkt. Wie hat sich Mediatonic seither verändert?
Wir haben bei Mediatonic in den letzten eineinhalb Jahren eine zukunftsgerichtete Strategie erarbeitet, die ich intern verantworten durfte. Diese wurde letztes Jahr verabschiedet und bildet die Basis für unsere weiteren Aktivitäten. Parallel dazu ist es uns gelungen, bereits bedeutende Schritte in diese Richtung zu unternehmen, vor allem auf den Ebenen Struktur, Ressourcen und auch Prozessen. Mediatonic ist heute noch breiter und agiler aufgestellt, um den künftigen Herausforderungen zu begegnen. Zudem wurden neue Rollen geschaffen oder sind in Vorbereitung. Wir kennen unsere strategischen Herausforderungen und sind daran, diese zu bearbeiten. Und bei all diesen Schritten hat Mediatonic aber das Wichtigste beibehalten: den Fokus auf den Menschen.

Den Hauptsitz hat die Mediaagentur in Genf. Sie sind Deutschschweizer. Wie unterscheidet sich das Mediageschäft in den beiden Landesteilen?
Die grundlegenden Anforderungen an eine Mediaagentur sind in beiden Landesteilen dieselben: eine datengestützte Strategie, kohärente Planung, flexible Umsetzung und Nähe zum Kunden in der Beratung. Es gibt aber relevante kulturelle Unterschiede in der Bevölkerung, die eine nuancierte Bearbeitung der Landesteile erfordern. Das Know-how im Umgang mit dieser multilingualen Komplexität sehen wir als strategischen Vorteil. Und diese kulturellen Unterschiede sind auch im Kontakt mit den Kunden und Partnern spürbar: Ein enger persönlicher Austausch und hohes Vertrauen prägen die Zusammenarbeit.

Wird Mediatonic unter Ihrer Leitung das Geschäft stärker als bisher auf die Deutschschweiz ausrichten?
Mediatonic steht auf Rang 4 des LSA-Rankings und ist damit die grösste unabhängige Mediaagentur der Schweiz. Das erreicht man nur als nationale Agentur – über zwei Drittel unseres Kundenstamms ist aus der deutschen Schweiz. Damit ist die Ausrichtung von Mediatonic nicht einfach «mehr Deutschschweiz», sondern eine konsequente Ausrichtung, unsere führende Position als unabhängige Agentur weiter auszubauen.

«Wir unterstützen nationale Initiativen in diese Richtung sehr aktiv»

Heute fliesst ein beträchtlicher Teil der Mediabudgets von Schweizer Firmen zu internationalen Plattformen. Können oder wollen Sie dafür sorgen, mehr Werbefranken in der Schweiz zu halten?
Unser oberstes Leitprinzip ist der Erfolg unserer Kunden und dafür ist die Nutzung internationaler Plattformen unerlässlich. Dafür ist es aber auch notwendig, nicht blind Trends hinterherzurennen, sich nicht von Netzwerk-Interessen oder Incentives leiten zu lassen und sich nicht an Plattformen zu binden. Dafür stehen wir durch unsere Unabhängigkeit. Aus dieser Perspektive ist uns auch die Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Marktes ein Anliegen. Wir unterstützen nationale Initiativen in diese Richtung sehr aktiv, alleine oder zusammen mit anderen Agenturen.

Was unternimmt Mediatonic konkret?
Dazu gehören Anstrengungen, den effektiven Leistungsbeitrag der internationalen Plattformen messbar und damit vergleichbar zu machen. Nur so können wir sicherstellen, dass diese nicht mehr als ihren fairen Anteil an Werbeausgaben erhalten. Oder wir entwickeln Ansätze, wie man eine Schweizer Besonderheit – die reichhaltige Aussenwerbung – weiterhin stärken und relevant halten kann. Und wir arbeiten eng mit unseren Partnern aus allen Schweizer Medienhäusern zusammen, um Innovationen zu fördern, wie zum Beispiel ID-Ansätze und gemeinsame Technologie.

Wie stark ist das Geschäft der Mediaagenturen durch Automatisierung und künstliche Intelligenz bedroht?
Für Mediaagenturen ist künstliche Intelligenz – wie für viele andere Branchen auch – eine Technologie, die viel Veränderung mit sich bringen wird. Das sehen wir bei uns aber vor allem auch bei den internationalen Netzwerkagenturen, die KI-betriebene Plattformen bauen und diese den Kunden anbieten. Dies erweckt den Eindruck, dass man Mediastrategie und -planung künftig der Maschine überlassen kann und es den Menschen nicht mehr braucht.

Wie sieht das Mediatonic?
KI analysiert Daten, aber löst keine Zielkonflikte. KI optimiert, aber definiert keine Strategie. KI skaliert, aber trägt keine Verantwortung. Für uns bedeutet die Anwendung von künstlicher Intelligenz, sie mit einem klaren Fokus auf menschliche Kompetenzen zu verbinden. Durch gezielte Automatisierung können Standardprozesse effizienter gestaltet werden und Ressourcen für andere Aufgaben werden frei. Durch clevere Augmentation wird die persönliche Beratungsleistung breiter abgestützt. Und das alles ermöglicht uns, für unsere Kunden langfristigen Mehrwert zu schaffen. Wir nennen das: «Human Intelligence in an automated world».


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