Herr Zürcher, trotz, sagen wir mal, unsicherer Zeiten hat Cover Media in den letzten Monaten seine Räumlichkeiten ausgebaut und die Studios auf den neusten Stand gebracht. Es wurde sogar ein drittes Studio gebaut. Was hat Sie bewogen, hier so zu investieren?
Nach bald 30 Jahren war es schlicht notwendig, nochmals in unsere Infrastruktur zu investieren. Wer in der Medienwelt bestehen will, muss sich laufend erneuern – technisch, ästhetisch und auch im Denken. Unsere Studios sind mehr als nur Arbeitsräume; sie sind Orte der Begegnung, in denen Ideen entstehen. Wir wollen, dass sich Kundinnen und Kunden bei uns wohlfühlen – dass sie spüren, dass hier Qualität und Kreativität aufeinandertreffen. Die positiven Rückmeldungen zeigen uns, dass dieser Schritt richtig war.
Nebst den bekannten Dienstleistungen hat Cover Media den Musikverlag Compagnie Musique de Bâle gegründet. Was hat es damit auf sich?
Der Verlag entstand aus einem Bedürfnis nach Sicherheit und Fairness. Musik ist ein emotionales Herzstück jeder Produktion – aber auch ein rechtlich sensibles Feld. Mit dem Verlag wollen wir unseren Kunden ermöglichen, Musik zu nutzen, ohne juristische Stolperfallen zu riskieren. Musikbibliotheken sind praktisch, aber nicht immer rechtlich eindeutig. Unser Ansatz ist, Transparenz zu schaffen und gleichzeitig lokale Kreativität zu fördern. Ich finde, Musik sollte nicht nur korrekt lizenziert, sondern auch mit Respekt behandelt werden.
Die beiden Bereiche Vermarktung und Produktion passen eigentlich nicht unbedingt zusammen. Was ist der Grund für dieses duale Angebot, das seit der Gründung aufrechterhalten wird?
Ich sehe darin keinen Widerspruch, im Gegenteil. Produktion und Vermarktung sind zwei Seiten derselben Medaille. Was nützt der beste Inhalt, wenn ihn niemand sieht oder hört? Und was nützt Reichweite ohne Relevanz? Wir versuchen, beides zu verbinden: kreative Exzellenz mit einem klaren Verständnis für Wirkung. In einer Welt, in der Aufmerksamkeit die knappste Ressource ist, braucht es diese Kombination mehr denn je.
Cover Media ist gesamtschweizerisch tätig und will den lokalen Markt auch nicht vernachlässigen. Wie ist das Verhältnis vom nationalen zum lokalen Markt?
Etwa 80 zu 20. Wir sind stark im nationalen Geschäft, aber wir wollen den regionalen Markt bewusst weiterentwickeln. Die Nordwestschweiz ist unsere Heimat – hier hat alles begonnen. Ich finde, Nähe und Vertrauen entstehen dort, wo man sich kennt. Wir möchten, dass Cover Media in der Region als erste Adresse für audiovisuelle Produktionen und Mediaplatzierung wahrgenommen wird.
Die Werbebranche steht gegenwärtig vor grossen Herausforderungen. Wie sieht sich Cover Media als Player in der Medienbranche?
Wie alle steht auch Cover Media vor grossen Herausforderungen. Das Thema KI ist alltäglich, und ab und zu fragt man sich, macht dieser Job überhaupt noch Sinn? Aber je mehr man sich damit befasst, merkt man doch sehr schnell, dass es noch einiges braucht, um uns durch Maschinen komplett zu ersetzen. Ein weiterer Punkt ist auch die momentane Unsicherheit auf der Welt. Die Kunden unserer Kunden sind momentan nicht so kauffreudig, demzufolge werden die Budgets für uns kleiner. Ich mache diesen Job schon seit bald 20 Jahren, und jedes Mal muss ich mir anhören, wie schlecht alles läuft.
KI ist in aller Munde und spielt bei Audio- und Bildproduktionen schon jetzt eine wesentliche Rolle. Wie ist Cover Media bezüglich KI eingestellt?
Wir sind offen und neugierig. Natürlich gibt es Befürchtungen, aber Angst war noch nie ein guter Ratgeber. KI ist ein Werkzeug – nicht mehr, nicht weniger. Wir beschäftigen uns intensiv damit und testen laufend neue Möglichkeiten. Einige unserer Kunden treiben uns sogar aktiv an, Neues auszuprobieren, was ich grossartig finde. Ich sehe KI nicht als Bedrohung, sondern als Chance, Routinen zu automatisieren und Raum für echte Kreativität zu schaffen.
«Geistiges Eigentum hat einen Wert»
Wenn wir von KI sprechen, ist auch das Thema Urheberrechte und Rechtsicherheit ein wichtiger Punkt, der berücksichtigt werden muss. Was kann Cover Media dazu sagen?
Das Thema ist komplex – und enorm wichtig. Wir stehen in engem Austausch mit einer spezialisierten Kanzlei, die uns bei rechtlichen Fragen rund um KI, Musikrechte und Content-Nutzung berät. Wichtig ist, dass wir uns alle – Agenturen, Produzenten, Kunden – bewusst sind, dass geistiges Eigentum einen Wert hat. Ich bin überzeugt, dass es künftig nicht um starre Regeln, sondern um faire Partnerschaften geht. Wenn die Balance zwischen Schutz und Freiheit stimmt, profitieren alle davon.
Wenn Sie in die Zukunft schauen könnten: Wie sehen Sie Cover Media in den nächsten Jahren?
Ich sehe Cover Media als weiterhin unabhängiges, bodenständiges Unternehmen mit Herz und Haltung. Wir wollen in der Nordwestschweiz noch sichtbarer werden und gleichzeitig schweizweit kreative Akzente setzen. Für mich bedeutet Zukunft vor allem Verantwortung – gegenüber unseren Mitarbeitenden, unseren Kunden und auch gegenüber der Gesellschaft. Medien prägen, wie Menschen die Welt sehen. Das verpflichtet uns, mit Qualität, Neugier und Respekt zu arbeiten.
Dieses Interview erschien zuerst in der persönlich-Printausgabe vom Dezember.

