12.11.2025

Localsearch

«Viele KMU sind digital unsichtbar»

77 Prozent der Schweizer wollen Dienstleistungen online buchen – doch nur 3 Prozent der KMU bieten dies an. Die Studie «KMU Digital Pulse» von Localsearch und der Hochschule Luzern zeigt: Viele Betriebe werden digital abgehängt. Localsearch-CEO Stefano Santinelli erklärt im Interview, woran das liegt und wie er das ändern will.
Localsearch: «Viele KMU sind digital unsichtbar»
«Wenn ein KMU nicht auf Google auftaucht, existiert es für die meisten nicht», so Localsearch-CEO Stefano Santinelli. (Bild: zVg)

Herr Santinelli, die neue Studie «KMU Digital Pulse 2025» zeigt einen frappanten Graben zwischen den Erwartungen der Bevölkerung und dem digitalen Angebot der Schweizer KMU (persoenlich.com berichtete). Was hat Sie am meisten überrascht?
Die Erwartungen der Bevölkerung sind eindeutig: 77 Prozent möchten Dienstleistungen online buchen, 82 Prozent sich digital informieren. Doch nur 3 Prozent der KMU bieten eine professionelle Onlinebuchung an – und nur ein Drittel der Mikrounternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden hat überhaupt eine Website. Das ist ein digitaler Graben, der die Wettbewerbsfähigkeit vieler Betriebe deutlich gefährdet. Noch extremer wird es mit künstlicher Intelligenz.

Wie meinen Sie das?
Die Studie von Localsearch und der Hochschule Luzern HSLU zeigt: Bereits rund 20 Prozent der Nutzer verwenden KI-Tools wie ChatGPT zur Suche nach KMU-Dienstleistungen. Für viele KMU ist diese Entwicklung schlicht zu komplex, sodass sie Gefahr laufen, noch stärker abgehängt zu werden.

«Wie soll ein solcher Betrieb mit Entwicklungen wie KI, ChatGPT oder Zero-Click-Suchen mithalten?»

Malen Sie nicht etwas zu schwarz?
Ganz und gar nicht, wir sprechen von einer realen digitalen Herausforderung. Stellen Sie sich den sympathischen Bäcker um die Ecke vor: hervorragende Qualität, treue Stammkundschaft – aber digital praktisch unsichtbar. Wie soll ein solcher Betrieb mit Entwicklungen wie KI, ChatGPT oder Zero-Click-Suchen mithalten?

Was sind die Gründe dieser digitalen Realität vieler KMU?
Rund 90 Prozent der Schweizer KMU sind Mikrounternehmen, die weder die Ressourcen, die Zeit noch das Know-how haben, um sich digital zu positionieren. Sie brauchen einfache Lösungen, die funktionieren und nicht überfordern.

Warum ist digitale Sichtbarkeit für KMU essenziell?
Vertrauen entsteht heute zu einem grossen Teil digital – durch Auffindbarkeit, Bewertungen, Reaktionen und Erreichbarkeit. Wenn ein KMU nicht auf Google, Bewertungsplattformen oder in KI-Ergebnissen auftaucht, existiert es für die meisten Kundinnen und Kunden nicht. Besonders besorgniserregend ist der Digitalisierungsstand der KMU betreffend Onlineterminbuchung.

Was heisst das konkret?
Nicht nur möchten 77 Prozent der Bevölkerung ihre Termine bei KMU direkt online buchen, für 56 Prozent ist diese Möglichkeit sogar ein entscheidendes Kriterium bei der Anbieterwahl. Trotzdem wird diese Option gemäss unserer Studie nur von 3 Prozent der KMU angeboten. Das ist ein erhebliches Missverhältnis zwischen Nachfrage und Angebot. Unternehmen, die hier nicht mitziehen, verschenken Umsatzpotenzial und riskieren, Kundschaft an digital besser aufgestellte Mitbewerber zu verlieren. Plakativ ausgedrückt zeigt die Studie somit: «Die Schweiz ist digital – aber viele KMU bleiben offline zurück».

«Jedes KMU in der Schweiz soll mit wenigen Klicks sichtbar, buchbar und online erfolgreich sein können»

Sie versprechen, dass Sie KMU digital erfolgreich machen. Wie machen Sie das?
Jedes KMU in der Schweiz soll mit wenigen Klicks sichtbar, buchbar und online erfolgreich sein können. Und zwar überall in der digitalen Welt: in Suchmaschinen, auf Social Media, in KI-Assistenten usw. Dafür haben wir mit DigitalOne eine All-in-one-Lösung entwickelt, die auf die realen Bedürfnisse von Mikrounternehmen zugeschnitten ist und digitales Marketing für KMU dank KI-Assistenz so einfach macht wie Onlinebanking.

Im September hat Localsearch die neue Version von DigitalOne lanciert. Wie kommt sie bei den KMU an?
Die Resonanz ist sehr positiv. Innerhalb eines Monats haben sich 3000 KMU für die neue Version von DigitalOne entschieden – ein klares Signal, dass wir einen Nerv getroffen haben. Gut kommt an, dass alles in einem Paket integriert ist: eine Website, digitale Präsenz in sämtlichen etablierten Suchmaschinen, KI-Tools, Navigationssystemen sowie auf Plattformen, ein Buchungssystem, ein E-Commerce-Shop, ein Social-Reputation-Management und ein CRM. Zudem wird die persönliche Vor-Ort-Betreuung durch unsere Berater geschätzt.

Was waren die grössten Überraschungen in der Detailanalyse der Studie?
Uns hat erstaunt, wie stark die digitale Erwartungshaltung der Bevölkerung in den letzten Jahren gestiegen ist. Die Studie zeigt, dass die Konsumentinnen und Konsumenten heute eine digitale Grundausstattung erwarten – unabhängig von der Grösse des Unternehmens. Zudem hat uns die Geschwindigkeit überrascht, mit der Nutzer heute KI-Tools wie ChatGPT oder Copilot statt klassischer Suchmaschinen wie Google verwenden.

Gibt es branchenspezifische Unterschiede in der digitalen Reife?
Ja, durchaus. Besonders weit vorne sind Branchen wie Gesundheit, Beauty & Wellness und Gastronomie – dort ist der Druck zur Digitalisierung durch die hohe Kundenfrequenz und den Wettbewerb besonders gross. Andere Branchen wie Gartenbau, Finanzen & Recht oder Handwerkerbetriebe hinken oft hinterher, obwohl auch dort die Nachfrage nach digitalen Services steigt.

Wie sehen Sie die digitale Zukunft der KMU?
Digitalisierung ist heute keine Option mehr – sie ist Überlebensstrategie. Die nächste Welle wird durch KI getrieben. KMU müssen lernen, sich nicht nur auf klassischen Kanälen zu präsentieren, sondern auch in KI-Systemen sichtbar zu sein. Zero-Click-Suchen, bei denen Nutzer gar nicht mehr auf eine Website klicken, sondern direkt in der Suchmaschine und KI-Systemen Antworten erhalten, verändern das Spiel.

«Für uns war die digitale Transformation kein Schlagwort, sondern ein Neustart»

Und was bedeutet das für Localsearch selbst?
Für uns war die digitale Transformation kein Schlagwort, sondern ein Neustart. Seit 2016 haben wir uns vom klassischen Telefonbuchanbieter zu einem digitalen Marketingpartner für KMU gewandelt: Unter dem Namen Localsearch haben wir unsere Organisation agil aufgestellt und ein umfassendes digitales Angebot entwickelt – alles ausgerichtet auf unseren Purpose: «Erfolg für KMU in der digitalen Welt». Damit haben wir uns als digitales Powerhouse etabliert, das heute 400'000 Schweizer KMU-Kunden erfolgreich macht – und das mit gerade einmal über 600 Mitarbeitenden.

Was kann man künftig von Localsearch erwarten?
Wir entwickeln unser digitales Angebot laufend weiter – mit KI als zentralem Treiber. Unser Ziel ist es, dass ein KI-gestützter Assistent das Marketing für unsere KMU von allein erledigt. Mit solchen Innovationen wollen wir unsere Rolle als verlässlicher digitaler Marketingpartner für Schweizer KMU weiter stärken.



Dieses Interview erschien zuerst in der persönlich-Printausgabe vom November.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Madeleine Degenahrdt
12.11.2025 19:59 Uhr
«Danke» für den quasi redundanten Trittbrett-Beitrag von David Guntern in kostenloser Eigenwerbung. In der Sache würde mich interessieren, warum es für den angesprochenen «sympathischen Bäcker um die Ecke» nachteilig sein muss, wenn er «unsichtbar» bliebe. Reicht ihm nicht ein Google Unternehmensprofil? Wenn die treue Stammkundschaft nicht genügend Gewinn beschwert, nützt wohl auch eine vergrösserte Reichweite nicht. Und: Welche Dienstleistungen könnte er anbieten, die seine Kunden online buchen wollten?
David Guntern
12.11.2025 10:35 Uhr
Die Ergebnisse der Studie KMU Digital Pulse 2025 sind ein Weckruf – aber auch eine Chance. Dass 77 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer Dienstleistungen online buchen möchten, während nur 3 Prozent der KMU diesen Service anbieten, zeigt ein klares Missverhältnis zwischen Angebot und Erwartung. Als Digital Marketing Experte sehe ich täglich, wie stark sich das Nutzerverhalten verändert: Wer nicht digital sichtbar, auffindbar und buchbar ist, wird schlichtweg übersehen – sei es auf Google, in Social Media oder mittlerweile auch in KI-gestützten Suchsystemen wie ChatGPT. Der Trend zu Zero-Click-Suchen und KI-Empfehlungssystemen wird diesen Wandel weiter beschleunigen. Doch statt den Kopf in den Sand zu stecken, sollten KMU jetzt handeln – mit pragmatischen, KI-gestützten Lösungen, die sie effizient und strategisch in die digitale Sichtbarkeit bringen. Es braucht keine teuren Grossprojekte, sondern intelligente Tools und klare Prozesse, die genau auf die Bedürfnisse von Mikrounternehmen zugeschnitten sind. Bei der Digital Marketing GmbH setzen wir genau hier an: Mit datenbasierten Strategien, automatisierten Buchungsprozessen und smarten KI-Integrationen helfen wir Unternehmen, nicht nur sichtbar zu sein – sondern relevant zu bleiben. Meine Überzeugung: Digitalisierung darf kein Überforderungsszenario sein – sondern muss als Hebel für Wachstum und Kundennähe verstanden werden. Wer jetzt investiert, sichert sich nicht nur Sichtbarkeit, sondern Zukunftsfähigkeit. David Guntern, KI Marketing Experte und CEO der Digital Marketing GmbH mit Sitz im Wallis