Herr Egger, vor vier Jahren wurde Post Advertising gegründet. Wo stehen Sie heute – und was hat sich seither verändert?
In dieser Zeit haben wir einen echten Turnaround vollzogen: vom vermeintlich klassischen Dialogvermarkter zu einem der wichtigsten strategischen Player im Schweizer Medien-Ökosystem. Wir haben uns nicht einfach entwickelt, sondern die Organisation fundamental neu ausgerichtet und mit Plattformen wie Livesystems, Profital oder Bring! Labs erweitert. Heute sind wir ein digital getriebener Publisher, der reichweitenstarke physische Kanäle mit einem der grössten datenbasierten Ökosysteme der Schweiz vereint.
Sie steigen jetzt in eine neue Strategieperiode ein und haben sich in Teilen neu ausgerichtet. Was ist passiert?
Wir stellen den Markt und die Konsumentinnen und Konsumenten konsequent in den Mittelpunkt unserer Strategie. Es geht nicht mehr um Reichweite allein, sondern um Relevanz im richtigen Moment. Wir nennen es den «Cross-Moments-Ansatz», aber im Kern geht es um eine einfache Idee: Wir wollen Werbung nicht als Störung, sondern als relevanten Service im Alltag der Menschen platzieren. Wir kombinieren physische und digitale Kanäle so, dass sie sich im jeweiligen Moment im Alltag gegenseitig verstärken. Vom Pendeln bis zum Einkauf.
Und was bedeutet das konkret im Alltag?
Wir planen entlang von Situationen wie Pendeln, Einkaufen, Umziehen oder Freizeitaktivitäten. Dort ergänzen sich physische und digitale Touchpoints, statt nebeneinanderzustehen. Statt mit generischen Customer Journeys arbeiten wir mit Entscheidungslogiken. Das Ziel: weniger Streuverlust, mehr Wirkung.
Was war der grösste Schritt in Ihrer Transformation?
Zweifellos der kulturelle Wandel. Technologie und Kanäle zu integrieren, ist der eine Teil. Die eigentliche Transformation ist es, die Mitarbeitenden für die neue Strategie zu gewinnen und eine gemeinsame DNA zu etablieren. Mein Anspruch war es, eine Kultur zu schaffen, die Veränderung aus Überzeugung statt aus Pflichtgefühl lebt. Deshalb haben wir eine Kultur der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit etabliert und sie auf einem gemeinsamen Fundament aus Eigenverantwortung, Markt- und Leistungsorientierung verankert.
«Vertrauen ist eine wichtige Währung im digitalen Zeitalter»
Und Ihre Wurzeln im Dialogmarketing, wie wichtig sind die heute noch?
Sie sind unser Fundament und wichtiger denn je. In einer flüchtigen digitalen Welt ist physische Präsenz nicht nur ein Vorteil, sondern ein Anker. Sie schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist eine wichtige Währung im digitalen Zeitalter. Unsere Aufgabe ist es, diese physische Präsenz datenbasiert und intelligent zu orchestrieren und sie damit zukunftsfähig zu machen.
Wie positionieren Sie sich heute im Markt?
Als datengetriebener Werbeanbieter mit grosser Reichweite und starker Wirkung. Unser Vorteil ist der Zugang zu vertrauensvollen, exklusiven Umfeldern. Gerade im öffentlichen Raum ist das ein einzigartiger Wert. Der neue Name «Swiss Post Advertising» ist daher ein klares Bekenntnis zu unserer Herkunft, unserer Verantwortung und unserem Anspruch, die Schweizer Werbelandschaft aktiv mitzuprägen.
Was ist Ihr langfristiges Ziel im Schweizer Werbemarkt?
Unser Ziel ist klar: Wir etablieren Swiss Post Advertising in der Wahrnehmung der Werbeindustrie unter den Top Drei der Schweiz. Wir erreichen das, indem wir uns auf unsere grösste Stärke fokussieren: Wir sind der vertrauensvollste Partner für gezielte Präsenz und nachhaltige Wirkung.
Wie setzen Sie diesen Anspruch konkret um?
Wir setzen konsequent auf hybride Lösungen und integrieren unsere unersetzliche physische Stärke mit reichweitenstarken Digital-Plattformen wie Livesystems. Das ist unsere strategische Antwort auf den Wandel. Wir kompensieren damit proaktiv den Rückgang im traditionellen Geschäft und leisten so weiterhin einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Grundversorgung. Wir transformieren uns aus der Verantwortung heraus, um in diesem Markt zukunftsfähig zu bleiben, und: Wir sind gekommen, um zu bleiben.
Was wünschen Sie sich vom Schweizer Werbemarkt?
Eine stärkere Allianz der Schweizer Medien- und Werbeakteure. Wir stehen alle im Wettbewerb mit globalen Plattformen, die den Markt dominieren. Anstatt den Abfluss von Werbegeldern ins Ausland immer nur zu beklagen, müssen wir als Schweizer Akteure jetzt mit Kooperation und Kreativität antworten. Um langfristig relevant zu bleiben, müssen wir gemeinsam handeln. Und: Auftraggeber sollten crossmediale Konzepte aktiv einfordern, dann ziehen auch Agenturen und Dienstleister nach.
Dieses Interview erschien zuerst in der persönlich-Printausgabe vom Dezember.

