14.01.2026

SRF

Badran verteidigt am Stammtisch die SRG praktisch im Alleingang

In einem ausser Haus aufgezeichneten «Club» des Schweizer Fernsehens ging es am Dienstagabend um Finanzierung und Aufgabe der SRG mit Blick auf die Abstimmung über die sogenannte Halbierungsinitiative. Am pointiertesten waren die Voten von SP-Nationalrätin und IT-Unternehmerin Jacqueline Badran.

Das Spiel hiess vier gegen vier, aber nicht vier gewinnt. Denn wer gewinnt, entscheiden erst die Stimmberechtigten am 8. März an der Urne. Am Dienstagabend diskutierten in der SRF-Sendung «Club am Stammtisch» insgesamt acht Gegnerinnen und Befürworter der SRG-Initiative. Die Diskussion hatte das Schweizer Fernsehen am Sonntagabend an einem richtigen Stammtisch in einem Restaurant in Altdorf, Kanton Uri, aufgezeichnet.

Anders als vor sieben Jahren bei der «No Billag»-Initiative geht es diesmal nicht um alles oder nichts, sondern um eine Kürzung der Mittel für den grössten Service-public-Anbieter im schweizerischen Mediensystem. Das Volksbegehren verlangt eine Fixierung der Medienabgabe auf 200 Franken pro Jahr sowie Haushalt und eine Abschaffung der Abgabepflicht für Unternehmen. Damit dreht sich die Diskussion vor allem um Ausmass und Auftrag der SRG.

Dettling und der Shaolin-Schrott

Die Befürworter einer Mittelkürzung haben klare Vorstellungen davon, was die SRG künftig noch anbieten darf und was nicht. SVP-Präsident und Halbierungsbefürworter Marcel Dettling brachte es auf die Formel: Alles mit Schweizbezug soll man machen, aber den ganzen anderen «Schrott» einstellen. Damit meint Dettling beispielsweise die Dokuserie «Shaolin Challenge» zu Meditation und Training, die SRF mit Schweizer Promis in Südkorea drehte. Auf Seiten der Gegner fand sich niemand, der das Format verteidigen wollte.

Dafür verteidigten sie umso heftiger die Kostenstruktur der SRG. Unisono verwiesen SP-Nationalrätin Jacqueline Badran und SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina auf die hohen Fixkosten. Eine Sendung kostet gleich viel, ob man sie für 3 Millionen Menschen oder für 90 Millionen produziert. Und in der mehrsprachigen Schweiz muss man das Ganze noch mal drei rechnen. So gesehen habe die SRG das beste Preis-Leistungsverhältnis aller öffentlichen Rundfunkanbieter weltweit, betonte Badran.

Badran kratzen 900 Franken nicht

Dem Effizienzargument setzte Urs Furrer, Direktor Gewerbeverband, die absoluten Beträge der Unternehmensabgabe entgegen, die mit einer Annahme der Initiative hinfällig würden. Dass Furrer und sein Verband nicht für alle Unternehmen sprechen, zeigte sich umgehend, als Jacqueline Badran – diesmal als IT-Unternehmerin – vorrechnete, wie sie die 900 Franken Unternehmensabgabe überhaupt «nicht kratzen».

Was bei einer Diskussion über die SRG nie fehlt: der Vorwurf der Linkslastigkeit. Auch im «Club am Stammtisch» monierten rechte Diskutanten eine politische Schlagseite. SVP-Dettling sieht diese weniger bei einzelnen Sendungen als bei der Themenwahl. Amélie Galladé vom Nein-Komitee verwies auf die professionelle Haltung der SRG-Journalisten, bei der persönliche politische Präferenzen keine Rolle spielen sollten. Den finalen Konter setzte auch hier Jacqueline Badran, als sie sagte: «Von wegen Linkslastigkeit! Wisst ihr, wie wir bei uns in der SP die ‹Arena› nennen? Tele SVP!»

Racine will den Service public modernisieren

Alles in allem bot die Diskussion einen munteren Austausch mehrheitlich bekannter Argumente. Für einen «Stammtisch» verlief die Debatte sogar erstaunlich gesittet und strukturiert, was in der Vergangenheit bei dem Thema nicht immer der Fall war. Das lag auch an Barbara Lüthi, die als Moderatorin die Zügel nie schleifen liess und peinlich genau auf eine gleichmässig verteilte Redezeit achtete. Das Schlusswort erteilte sie Melanie Racine. Die Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz plädierte für eine Mittelkürzung, weil die Jungen heute Medien anders nutzen und eine tiefere Medienabgabe sie zudem finanziell entlastet. Die Initiative biete zudem die Möglichkeit, den Service public zu modernisieren. Gegen eine SRG auf der Höhe der Zeit hat kaum jemand etwas einzuwenden. Welche Mittel die Bevölkerung dazu bereitstellen soll, entscheidet sich in ein paar Wochen.


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KOMMENTARE

Markus Beyeler
19.01.2026 15:42 Uhr
Eines ist klar, das Finanzierungsmodel von früher für einen guten Journalismus ist tot. Die Einnahmen aus der Werbung fliessen nicht mehr zu den klassischen Medien, sondern zu Meta, Google, X und Co. Diese sind nicht gewillt Nachrichten zu überprüfen, einzuordnen und noch weniger betreffend Relevanz zu klassieren. Die grossen Techkonzerne und Ihre Besitzer kontrollieren immer stärker, was die Menschen von Politik und Gesellschaft mitbekommen. Liebe Herr Rutz, wollen wir wirklich ungarische oder gar amerikanische Verhältnisse? Wir brauchen eine starke SRG um weiterhin von einem unabhängigen und kritischen Journalismus profitieren zu können. Dies ist entscheidend für das Funktionieren der Demokratie. Über einzelne Sendungen kann man immer diskutieren. Eine Senkung der Gebühr auf 200.- ist aber ein radikaler Kahlschlag, den nur die Feinde der Demokratie begrüssen können.
Marco Moli
14.01.2026 23:35 Uhr
@Raphael Weber Ja, es wurden Sendungen gestrichen weil der Bund den Teuerungsausgleich gestrichen hat und die Abgabe schrittweise auf 300.- senkt. Sendungen werden nicht zum Spass gestrichen. @Werner Frei Und glauben sie, diese Situation wird mit einer Annahme der Initiative besser? Werden so mehr Beiträge über die Tiptop-Köchinnen entstehen? (btw: Wieviele Beiträge erwarten sie denn?)
Raphael Weber
14.01.2026 20:01 Uhr
Bei der no billag Initiative war dasselbe Theater… Man müsse sonst Sendungen einstellen und Leute entlassen. Nach der Abstimmung hat man trotzdem Sendungen gestrichen und Leute entlassen. SRF info war mal werbefrei! 5h pro Tag blick ins Studio von SRF 3. Ist das noch Fernsehen? Für den Output ist es zu teuer… wozu 18Mio für eine Gebühreneinzugzentrale. Hätte man auch identisch Kirchensteuer handhaben können.
Werner Frei
14.01.2026 12:44 Uhr
Wenn man links ist und die entsprechenden Kontakte hat, wird man von SRF gehegt und gepflegt. Zweimal habe ich bei der Chefredaktion angeregt, über die vier Autorinnen des Millionensellers «Toptopf» einen Beitrag in Auftrag zu geben. Auflage über 3 Millionen Exemplare, die Schweiz spricht von den «Köchinnen der Nation». Es erschien einzig ein sehr guter, zehnminütiger Beitrag im Radio. Im Hinblick auf die Halbierungsinitiative nimmt SRF für sich in Anspruch, für den nationalen Kulturerhalt zu sorgen!
Victor Brunner
14.01.2026 08:05 Uhr
«Shaolin Challenge» mit Melanie Winiger, Pat Burgener, Nöldi Forrer, Dario Cologna, Isabel Egli Tamy Glauser ist Steilvorlage für die Halbierungsinitiative. Prominente gehen für 9 Tage in den fernen Osten um ohne Handy "sich selber zu finden". Das ist Bachelor-Niveau und eine Zumutung wenn die GebührenzahlerInnen die "Reha" von Privaten finanzieren müssen. Dettling hat recht, das ist Schrott und Geldverschleuderung!