25.06.2025

20 Minutes

Belegschaft protestiert gegen Stellenabbau

In einem offenen Brief übt die Redaktion der Romandie scharfe Kritik an Bernhard Brechbühl und Pietro Supino. Die künftige nationale Chefredaktorin Désirée Pomper wurde am Dienstag mit einer symbolischen Aktion in Lausanne empfangen.
20 Minutes: Belegschaft protestiert gegen Stellenabbau
Mit einer Aktion wolle die Redaktion das «Zertrampeln» des Mediums und seiner Journalisten symbolisieren. (Bild aus dem offenem Brief)

Die Redaktion von 20 Minutes und lematin.ch haben in einem offenen Brief an 20-Minuten-Geschäftsführer Bernhard Brechbühl und Verleger Pietro Supino scharfe Kritik am geplanten Stellenabbau geübt. Laut dem Schreiben sollen mehr als 80 Arbeitsplätze gestrichen werden, davon 37 in der Romandie (persoenlich.com berichtete). Dies entspreche etwa zwei Dritteln der Belegschaft in der französischsprachigen Schweiz.

Die Journalistinnen und Journalisten wehren sich gegen die «Demontage der Westschweizer Sektion von 20 Minutes» und kritisieren den erneuten Kahlschlag. Erst vor weniger als zwei Jahren seien bereits 28 Personen entlassen worden. Besonders stossend sei, dass die TX Group jährlich mehrere Millionen Franken Gewinn erwirtschafte und 20 Minutes nach wie vor das meistgelesene Medium der Schweiz sei.

Die Redaktion wirft der Konzernleitung vor, die Gewinnmaximierung über redaktionelle und menschliche Überlegungen zu stellen. Das Reorganisationsprojekt nehme die Realität der journalistischen Arbeit nicht ernst. Die künftige Struktur mit nur noch 22 Vollzeitstellen in der Romandie sei angesichts des Aufgabenkatalogs völlig unrealistisch.

Empfang in Schwarz

Bei einem Besuch der designierten Chefredaktorin Désirée Pomper in Lausanne protestierte die Belegschaft mit einer symbolischen Aktion. Mitarbeiterporträts und Zeitungsexemplare wurden auf den Boden gelegt, um das «Zertrampeln» des Mediums und seiner Journalisten durch die Geschäftsleitung zu symbolisieren. Die Angestellten waren ganz in Schwarz gekleidet.

Die Redaktion fordert Brechbühl und Supino auf, bei künftigen Gesprächen persönlich zu erscheinen. Es sei an der Zeit, «die Menschen hinter den Massnahmen zu berücksichtigen», heisst es in dem Brief. Pomper wird die Leitung der fusionierten deutsch- und französischsprachigen Redaktion im September übernehmen. 

Die Geschäftsleitung habe den offenen Brief der Mitarbeitenden von 20 Minutes und lematin.ch erhalten und zur Kenntnis genommen, teilt die Medienstelle von 20 Minuten auf Anfrage mit. «Wir stehen in engem Austausch mit unserem Team in der Romandie und führen diesen Dialog konstruktiv und im vertraulichen Rahmen, mit Beteiligung von CEO und Mitgliedern der Geschäftsleitung.» Ob Bernhard Brechbühl und Pietro Supino die Belegschaft persönlich treffen werden, wie im Brief verlangt, liess die Medienstelle unbeantwortet. (spo)


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