20.01.2026

Nachrichtenkompetenz

Ein Monopoly, um Journalismus zu entdecken

Zwei Initiativen – eine auf Deutsch, die andere auf Französisch – wollen die Arbeit der Redaktionen spielerisch näherbringen. Was lernt man dabei? Und macht es Spass? persoenlich.com hat die Brettspiele getestet.
Nachrichtenkompetenz: Ein Monopoly, um Journalismus zu entdecken
Spielend den Journalistenberuf entdecken: Das ist das Ziel der neuen Spiele «Reporter» und «NewsMaker». (Bild: persoenlich.com/spo)

Menschen spielen gerne. 3,6 Millionen Personen gamen in der Schweiz, zeigt der Digimonitor der Interessengemeinschaft Elektronische Medien Schweiz (IGEM) für 2025. Damit werde ein grösseres Publikum als mit Spotify oder Netflix erreicht.

Einen spielerischen Ansatz zu wählen, um Nachrichtenkompetenz zu vermitteln, liegt also auf der Hand – selbst wenn es nicht im digitalen Bereich ist. Und so sind Ende letzten Jahres fast gleichzeitig zwei Brettspiele erschienen, die die Arbeit von Journalistinnen, Journalisten und Verlagen näherbringen wollen.

Die Initiativen sind unabhängig voneinander entwickelt worden. Das Brettspiel «NewsMaker» stammt vom Mileva Institut für Digitales und Gesellschaft sowie von der auf Gamification spezialisierten Entwicklungsfirma Mira Lux. «NewsMaker» ist auf Deutsch. Das Spiel «Reporter» ist französischsprachig und wurde von RTS in Zusammenarbeit mit dem Spieleverlag Helvetiq entwickelt. 

«NewsMaker»

Zwei bis fünf Spielende

«NewsMaker» präsentiert sich wie ein klassisches Brettspiel und erinnert ein bisschen an «Monopoly». Es hat einen Würfel, Geldnoten und Ereigniskarten. Die Spielenden schlüpfen in die Rolle von Chefredaktorinnen und Chefredaktoren. Jede Person wählt ein Medium, das sie leiten will: den öffentlich-rechtlichen Rundfunk «Jetzt», die überregionale Zeitung «Klartext», die lokale Zeitung «Nebenan», die Boulevardzeitung «Wumms» und «CTRL+FAKT» als investigatives Onlinemedium. Ziel ist es, im Verlauf der Partie die entsprechende Newsseite mit den für das Medium passenden Nachrichten zu füllen.

Wie in der realen Medienwelt hat jedes Medium seine eigene Ausgangslage. Die Budgets sind unterschiedlich: Am meisten erhält der Service public und am wenigsten die Lokalzeitung. Einige setzen auf Abonnements oder Werbung, andere nicht.

Zu den News kommt man, indem man würfelt und auf einem Newsfeld landet. Man darf dann eine Newskarte vom Stapel ziehen und entscheiden, ob man für den Artikel zahlen will. Jedes Medium hat einen eigenen Dreh für jede News. Zum Beispiel bei einem Papstbesuch berichtet die Auslandkorrespondentin des Service public vor Ort. Das kostet fast dreimal so viel wie bei der Lokalzeitung, die ein Interview mit dem Pfarrer darüber macht.

Neben den Newsfeldern gibt es die Felder «Finanzen» und «Ereignisse». Auf einem Finanzfeld kann man Werbedeals bekommen, eine Spende oder neue Abos. Unter den Ereignissen befindet sich Nachrichtenmüdigkeit, die zu einer kleineren Leserschaft führt, die generative KI, die es ermöglicht, die Arbeit eines Grafikers zu sparen, Sparmassnahmen, Fake News oder die Möglichkeit, Werbedeals von der Konkurrenz zu stehlen.

Was lernt man?

Das Spiel bringt verschiedene Facetten der Arbeit von Redaktionen näher. Besonders die unterschiedlichen Ansätze der einzelnen Mediengattungen werden beleuchtet. Eine Lokalzeitung geht an ein Thema nicht auf die gleiche Weise heran wie eine investigative Plattform.

Die Spieler erfahren, welche Faktoren für die Finanzen eines Medienhauses eine Rolle spielen. Wirtschaftskrisen lassen Werbebudgets schrumpfen. Werbung wird vermehrt auf soziale Plattformen aufgeschaltet. All das heisst weniger Einkommen für Zeitungen, die auf Inserate setzen.

Auch Fake News sind ein Thema. Nachrichten, die nicht verifiziert sind, können im Laufe des Spiels zum Verhängnis werden und viel Geld kosten. 

«Reporter»

Ein bis vier Spielende 



Im Gegensatz zu «NewsMaker» spielt man bei «Reporter» als Team und nicht gegeneinander. Es ist ein Rollenspiel, wie man es von den Escape Games kennt. Entsprechend kann man es nur einmal spielen, denn nachher kennt man die Geschichten und ihre Auflösungen.

«Reporter» bietet zwei Szenarien. Das erste gilt für den Einstieg und ist entsprechend kürzer und weniger komplex als das zweite. In beiden Fällen spielt man aus der Perspektive einer jungen Journalistin, die zu einem mysteriösen Fall recherchiert. In der ersten Geschichte geht es um das Bild eines Monsters im Genfersee. Bei der zweiten geht es um rätselhafte Trümmer am Bodensee.

Die Ausgangssituation wird in einem Dialog mit dem Vorgesetzten oder dem Journalistenkollegen geschildert. Wie eine echte Journalistin geht man von den vorhandenen Elementen aus, um die Geschichte zu recherchieren. Es stehen jeweils mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: Internetsuche, E-Mail- oder telefonische Anfrage, Archivrecherche, Recherche vor Ort. Diese werden durch Zahlen symbolisiert. Alle Zahlen und ihre entsprechenden Aktionen sind in kleinen Notizbüchern aufgeführt. 

Manche Aktionen führen ins Leere. Zum Beispiel, wenn man sich für einen Anruf an einen Experten entscheidet, der nichts Neues zum Fall sagen kann. Andere Aktionen bringen neue Elemente ans Licht, die die Recherche vorantreiben. Jede Aktion kostet Zeit bis zur Deadline.

Was lernt man?

«Reporter» bringt die konkrete Arbeit des Journalisten im Alltag näher. Wie geht man vor, wenn man eine Recherche macht? Wie setzt man Prioritäten? Welche Quellen sind vertrauenswürdig und welche nicht? Die Spielenden stellen sich die gleichen Fragen wie Journalisten. Sie müssen Entscheidungen treffen.

Dass nicht alle Schritte zu einem brauchbaren Ergebnis führen, ist Teil der Arbeit. Auch der Zeitdruck, die Journalisten im Alltag spüren, wird sichtbar gemacht. Selbst wenn die Fälle erfunden sind, ist die journalistische Arbeit im Spiel realistisch dargestellt.

Macht es Spass?

Beide Spiele wollen für die Arbeit und die Herausforderungen in den Redaktionen sensibilisieren.

Bei «NewsMaker» lernt man es aus der Sicht des Chefredaktors. Der Ablauf ist ähnlich wie bei «Monopoly». Wenn man am Zug ist, kann man entweder Glück haben und seine Newsseite füllen oder einem Schicksalsschlag wie Fake News oder einer Sparrunde ausgesetzt werden. Während der Lerneffekt vorhanden ist, werden die verschiedenen Aktionen im Verlauf des Spiels etwas eintönig. Ausserdem lässt die Verarbeitungsqualität des Spielmaterials zu wünschen übrig. Die Schachtel und das Spielbrett wirken wie ein Prototyp. Für das Spiel liegen vier Kartenstapel lose und eng auf dem Brett. Ordnung zu halten, fällt schwer.

In «Reporter» schlüpfen die Spielenden in die Haut des Journalisten und bekommen einen Rechercheauftrag. Bis die Kulisse und die Aufgabe feststehen, dauert es vielleicht etwas lang, besonders bei der zweiten Geschichte – dem Fall am Bodensee. Wenn die Recherche vorankommt, schaffen es die Szenarien, eine gewisse Spannung aufrechtzuhalten. Wie bei echten Reportern können viele Spuren verfolgt werden – manchmal sind es zu viele. Das ist zwar realistisch, für den Spassfaktor aber möglicherweise ein Nachteil. Das Spielmaterial ist hochwertig. Die kleinen Notizbücher nehmen das Journalistenklischee mit einem Augenzwinkern auf. Das Spiel kann statt in den Notizbüchern auf dem Handy gespielt werden. Das erleichtert die Vorgänge. Und die Dialoge werden teilweise von bekannten RTS-Stimmen gesprochen.

Fazit: Beide Spiele erfüllen ihr Ziel, die journalistische Arbeit näherzubringen. Es kann manchmal trocken wirken oder so sehr ins Detail gehen, dass es für ein unterhaltsames Spielerlebnis nicht optimal geeignet ist. Im schulischen Rahmen bieten die Spiele jedoch eine gute Basis für den Aufbau von Medienkompetenzen.


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