Herr Willi, nach zwei Jahren Streit hat Canal B die Konzession rechtskräftig erhalten (persoenlich.com berichtete). Im Juli geht der Sender auf Sendung. Was muss bis dahin noch erledigt werden?
Christian Willi: Ein Teil des Teams arbeitet bereits, doch wir müssen es noch vervollständigen – insbesondere sind noch VJ-Stellen zu besetzen. Parallel dazu schliessen wir den Aufbau eines ersten Studios ab und führen Sendeversuche durch. Das sind aktuell unsere wichtigsten Prioritäten.
Ihr Mitbewerber TeleBielingue hat nach Jahren seine Konzession verloren und eine Massenkündigung angekündigt. Können Sie das Personal übernehmen?
Willi: Nach der Bestätigung unserer Konzession haben wir sowohl dem Eigentümer von TeleBielingue als auch öffentlich unsere Bereitschaft signalisiert, einen Teil des Teams zu übernehmen. Wir stehen mit mehreren Journalistinnen und Journalisten in Kontakt und würden uns freuen, sie bei uns willkommen zu heissen – vorausgesetzt, sie identifizieren sich mit unserem Konzept eines Fernsehsenders mit zwei Sprachkanälen.
Herr Kleisl, Sie sind der neue Chefredaktor für Französisch. Sie waren zuvor 25 Jahre lang beim Journal du Jura tätig, das dem Mitbewerber Gassmann gehört. War der Wechsel für Sie kein Problem?
Laurent Kleisl: Nein, dieser Schritt fiel mir nicht schwer. Er ist das Ergebnis eines längeren Reflexionsprozesses, der bereits vor meinen ersten Gesprächen mit Marcello del Zio und Joël Pelet begonnen hatte. Ich habe meine Laufbahn 1999 beim Journal du Jura begonnen und dort praktisch alle Stationen durchlaufen – vom Praktikanten im Sport bis zum Chefredaktor. Nach 25 Jahren, davon die letzten vier in einer sehr intensiven Führungsrolle, wuchs der Wunsch nach einer neuen Herausforderung. Die Begeisterung von Marcello del Zio und Joël Pelet für das Fernsehen hat mich zusätzlich angesteckt.
«Es ist uns bewusst, dass die gelebte Zweisprachigkeit in Biel ein wichtiges kulturelles Gut ist»
Sie haben aber keine Erfahrung mit dem Medium Fernsehen…
Kleisl: Dieses Medium ist für mich Neuland – und genau das reizt mich. Seit Dezember habe ich viel Neues gelernt: Kameraführung, Schnitt, aber auch das Auftreten vor der Kamera. Mit 51 noch einmal ganz neue Aspekte des eigenen Berufs zu entdecken, ist ein echtes Privileg.
Für das Publikum steht eine grosse Veränderung bevor. TeleBielingue hatte einen Kanal mit Inhalten auf Französisch und Deutsch. Canal B wird die Sprachen trennen und zwei Sender anbieten. Welchen Vorteil soll das bringen?
Willi: Wir sind überzeugt, dass die grosse Mehrheit der Zuschauerinnen und Zuschauer Inhalte bevorzugt in ihrer Muttersprache konsumiert. Deshalb starten wir am 1. Juli mit zwei getrennten Sprachkanälen. Wichtig ist uns aber: Es gibt nur eine Redaktion in Biel, ein zweisprachiges Team. Die beiden Chefredaktoren entscheiden gemeinsam, welche Inhalte auf beiden Kanälen laufen und welche sprachspezifisch sind. Regionale Themen – etwa Bieler Nachrichten – werden selbstverständlich auf beiden Kanälen ausgestrahlt.
Das Konzept wird allerdings kritisiert. Die Organisationen, die sich für Zweisprachigkeit einsetzen, befürchten, dass damit ein Symbol des Zusammenlebens zwischen den Sprachen verschwindet. Verstehen Sie diese Bedenken?
Willi: Teilweise. In den Reaktionen spüren wir vor allem die – nachvollziehbare – Enttäuschung über das Ende eines stark auf Biel fokussierten Senders. Dabei darf man nicht vergessen, dass unser Konzessionsgebiet eine deutlich grössere Region umfasst. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass die gelebte Zweisprachigkeit in Biel ein wichtiges kulturelles Gut ist. Dieses möchten wir ausdrücklich pflegen und sichtbar machen – etwa durch entsprechende Sendungen. Bereits im vergangenen Herbst haben wir den Dialog mit verschiedenen Akteuren gesucht, um ihre Perspektiven in unsere Programmentwicklung einzubeziehen.
«Zwei vollständig getrennte Programme sind finanziell nicht möglich»
Herr Kleisl, Sie werden gemeinsam mit der neuen Chefredaktorin Deutsch, Aline Studer, die zweisprachige Redaktion leiten. Wie wird die Zusammenarbeit zwischen den Sprachen in der Redaktion aussehen?
Kleisl: In Biel ist Zweisprachigkeit Alltag – auch in den Medien. Es ist weniger eine Herausforderung als vielmehr eine gelebte Praxis. Wir arbeiten als eine Redaktion mit zwei Sprachen. Aline Studer verantwortet die deutschsprachigen Inhalte, ich die französischsprachigen. Beiträge aus Biel werden je nach Autor in einer Sprache produziert und anschliessend übersetzt. Im Alltag spricht jede und jeder in der eigenen Sprache, und bei Bedarf helfen zweisprachige Kolleginnen und Kollegen, Brücken zu schlagen.
Wird es je nach Sprache verschiedene Themenschwerpunkte geben? Oder soll das Programm so ähnlich wie möglich auf Deutsch und auf Französisch gestaltet werden?
Willi: Sowohl als auch. Themen von regionaler Relevanz werden auf beiden Kanälen ausgestrahlt. Teilweise werden sie jedoch an die jeweilige Sprachregion angepasst. Andere Inhalte wiederum laufen nur auf einem Kanal. Man darf nicht vergessen: Wir realisieren zwei Sprachkanäle mit den gleichen finanziellen Mitteln, die zuvor für einen Kanal zur Verfügung standen. Zwei vollständig getrennte Programme sind daher finanziell nicht möglich.
Sind auch zweisprachige Beiträge oder sogar Sendungen vorgesehen?
Willi: Ja, wie im vom Bakom ausgewählten Projekt vorgesehen, wird es zweisprachige Inhalte und Sendungen geben.
«Einen Sender in so kurzer Zeit aufzubauen, wäre ohne Zusammenarbeit kaum möglich»
Wie soll die Aufteilung der Finanzierung aussehen? Erhält eine Sprache mehr Geld als die andere?
Willi: Es gibt keine finanzielle Aufteilung im klassischen Sinn. Canal B ist ein gemeinsames Projekt mit einer Redaktion. Das Programm wird als Gesamtangebot für beide Sprachkanäle entwickelt. Werbekunden können gezielt entscheiden, auf welchem Kanal sie präsent sein möchten. Die Einnahmen kommen jedoch dem Gesamtprojekt zugute. Es gibt keinen internen Wettbewerb zwischen den Sprachversionen.
Sind Synergien mit dem anderen Sender der Gruppe, Canal Alpha, der die Region Neuenburg abdeckt, vorgesehen?
Willi: Ja, und sie sind entscheidend. Einen Sender in so kurzer Zeit aufzubauen, wäre ohne Zusammenarbeit kaum möglich. Gemeinsam mit Canal Alpha werden wir technische Infrastrukturen wie die Regie teilen. Darüber hinaus ist eine weitere Kooperation mit Mystik für die Produktion von Werbespots geplant.
Worauf dürfen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer bei Canal B freuen?
Willi: Canal B hat die seltene Chance, einen Regionalsender von Grund auf neu zu gestalten. Das gibt uns viel Raum für kreative Formate – selbstverständlich im Rahmen der Konzession. Ab Juli bieten wir ein regionales Fernsehen, das positiv, lebendig und nah an den Menschen ist. Unser Ziel ist es, das Zusammenleben zu stärken, Brücken zu bauen und die Region zu verbinden – ein Sender aus der Region, für die Region.
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05.05.2026 08:32 Uhr

