17.09.2025

Radio SRF

«Ich hoffe, das ‹Echo› bleibt, wie es ist»

Während das «Echo der Zeit» den 80. Geburtstag feiert, läuft hinter den Kulissen eine weitreichende Strukturreform. Markus Hofmann, stellvertretender Redaktionsleiter, erklärt im Gespräch mit persoenlich.com, wie die Sendung den Spagat zwischen Tradition und Reformdruck aushalten will.
Radio SRF: «Ich hoffe, das ‹Echo› bleibt, wie es ist»
«Das Fundament ist dasselbe geblieben»: Markus Hofmann über die Geschichte des «Echo der Zeit». (Bild: SRF/Gian Vaitl)

Markus Hofmann, das «Echo der Zeit» ging erstmals am 17. September 1945 auf Sendung. Wie präsent ist die lange Geschichte im Redaktionsalltag?
Die ist absolut präsent. Ich war vorher lange bei der NZZ. Die hat eine noch längere Geschichte. Ich finde es schön, bei traditionsreichen Medien zu arbeiten. Das «Echo» hat mit seiner Geschichte ein gewisses Gewicht, wie auch eine «Tagesschau». Das verleiht eine Prägung, die immer mitschwingt.

Wie vermeidet ihr das Risiko eines Dünkels?
Das ist sicher eine Gefahr, aber beim jetzigen Team sehe ich die nicht. Wir befinden uns nicht auf einem eigenen Planeten, sondern sind völlig integriert in den Rest der Redaktion und stark in die Abläufe im Newsroom eingebettet.

Sie arbeiten seit bald zehn Jahren für die Sendung. Was hat sich in dieser Zeit geändert?
Bei der Sendung eigentlich nicht viel. Eine Ausgabe von 2015 klingt weitgehend gleich wie heute. Klar, es gibt andere Stimmen, neue Moderatorinnen und Moderatoren. Aber das Fundament ist dasselbe geblieben.

«Wenn wir Feedback erhalten, dann kritisieren die Hörer oft, dass wir zu viel ändern»

Gab es in zehn Jahren wirklich keine Anpassungen am Sendungskonzept?
Doch schon. Beispielsweise hat das «Echo»-Dossier an Bedeutung verloren. Das waren früher längere Beiträge und Reportagen, oft Auslandberichte, immer am Schluss der Sendung. Dort sind wir flexibler geworden. Wenn wir eine tolle Reportage haben, dann bringen wir die auch mal mitten in der Sendung. Und auch beim Anfang der Sendung sind wir flexibler geworden. Wenn etwas wirklich Grosses passiert, dann kann es schon mal sieben Minuten dauern, bis der Nachrichtenblock kommt. Wenn wir Feedback erhalten, dann kritisieren die Hörer oft, dass wir zu viel ändern.

Ist das der konservative Reflex eines älteren Publikums?
Solche Kritik kommt schon mehrheitlich von langjährigen Hörern. Jüngere bemerken solche Änderungen weniger. Sie finden es gut, dass wir ruhig und abgeklärt daherkommen und uns nicht der Jugend anbiedern, sondern saubere, nachrichtliche Beiträge bieten.

Wer ist das «Echo»-Publikum?
Das sind Leute, die sich für die Welt interessieren aus einer Schweizer Perspektive. Wir haben übrigens auch viele Hörer aus Deutschland, und mehr Frauen als Männer hören uns. Und bei den Jüngeren haben wir gar nicht so schlechte Werte, vor allem beim Podcast.

«Wir können jedes Thema bringen, aber es muss auf ‹Echo-Art› umgesetzt werden»

Warum kann sich das «Echo» seine Behäbigkeit in einer sich stark wandelnden Medienwelt leisten?
Wir pflegen bewusst die Antithese. Wenn etwas riesig hochgekocht wird in den Medien, aber nicht wahnsinnig relevant ist, dann bringen wir es bewusst nicht. Oder wir finden einen eigenen Zugang. Es gibt einen Satz bei uns: Wir können grundsätzlich jedes Thema machen, aber es muss auf «Echo-Art» umgesetzt werden.

Was ist diese «Echo-Art»?
Wir treten ein bis zwei Schritte zurück vom eigentlichen Thema, sodass wir darauf herunterschauen können. Als die ganze Schweiz im Taylor-Swift-Fieber war, haben wir mit einem Kulturwissenschaftler ein Gespräch geführt, der sich seit Jahren mit dem Phänomen beschäftigt. Wir haben nicht über Taylor Swift geredet, sondern über das Phänomen Taylor Swift.

Das «Echo» hat traditionell einen starken Auslandfokus. Wie entscheidet ihr bei gleichwertigen Stoffen aus dem In- und Ausland?
Wenn die Themen wirklich gleichwertig sind, dann geht in der Regel das Auslandsthema vor. Das hängt aber immer davon ab, was wir sonst noch in der Sendung bringen. Es kommt auf den ausgewogenen Mix der Sendung an.

«Insgesamt sollen die Strukturen flexibler werden»

Im Zuge einer laufenden Reform des Betriebsmodells der Abteilung Audio/Digital von SRF verliert das «Echo der Zeit» seine eigenständige Redaktion. Wie verändert das die Sendung?
Ich hoffe natürlich, dass das «Echo» bleibt, wie es jetzt ist und die Hörer nichts von den internen Anpassungen mitkriegen. Insgesamt sollen die Strukturen flexibler werden. Mit einer zentralisierteren Planung sollen Doppelspurigkeiten vermieden und den digitalen Nutzungsgewohnheiten besser entsprochen werden. Aktuell ist es aber noch schwierig abzuschätzen, wie die Reform im Detail umgesetzt wird.

Was befürchten Sie für den schlechteren Fall?
Wie oft bei Zentralisierungen besteht eine gewisse Gefahr der Vereinheitlichung oder in unserem Fall von Konzernjournalismus, um ein böses Wort zu benutzen.

Dass es nicht so weit kommt, können Sie beeinflussen. Unter der neuen Struktur übernehmen Sie die fachliche Leitung der Sendung. Führen Sie weiterhin eine Redaktion?
Ich trage die publizistische Gesamtverantwortung für das «Echo der Zeit». Auch künftig wird sich jeden Tag ein Team um die Sendung am Abend kümmern. Wichtig ist, dass sich dieses Team auch über Themen, Ansätze und Interviewpartner austauscht. Wie, müssen wir in den kommenden Wochen noch genauer definieren. Das hat uns die Chefredaktion zugesichert.

Neben Ihnen als fachlichem Leiter übernimmt Christina Scheidegger die personelle Führung des Echo-Teams. Läuft das auf eine klassische Co-Leitung hinaus?
Im Prinzip schon. Wir sind auch die Stellvertretung der jeweils anderen Person. So gesehen werden sich unsere Aufgaben vermischen und es gibt keine scharfe Trennung der beiden Leitungsbereiche.

Zurück zum Geburtstag: Das Echo hat den 70., den 75., den 80. gefeiert. Geht das jetzt im Fünfjahresrhythmus so weiter?
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Die Geburtstage bieten jedes Mal eine Gelegenheit, um Aufmerksamkeit zu schaffen für diese Sendung. Viele, die in der Schweiz aufgewachsen und schon etwas älter sind, begleitet diese Sendung ein bisschen durchs Leben. Wieder einmal genauer zu schauen, woher die Sendung kommt – das ist sicher eine Gelegenheit bei einem Geburtstag. Aber vielleicht lassen wir den 85. aus und feiern dann wieder den 90. – und hoffentlich den 100.


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KOMMENTARE

Ursula Gfeller
17.09.2025 13:53 Uhr
Happy Birthday liebes Echo! Ich passe meine Kochzeiten dem Echo der Zeit an, also 18:00 Uhr oder 19:00 Uhr. Sollte dies einmal nicht möglich sein, gibt's zum Glück noch den Podcast! Ich wünsche dir - trotz Struktureform - gute Gesundheit, gute Nerven und Ausdauer, damit sich deine Hörerschaft auch in der Zukunft immer gut informiert ist.
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