14.01.2026

Halbierungsinitiative

Komitee präsentiert Kampagne für Gebührensenkung

Die Befürworter der SRG-Initiative konzentrieren sich vor der Abstimmung am 8. März auf die finanzielle Entlastung von Privathaushalten und Unternehmen. Sie werfen der SRG jedoch auch eine Berichterstattung mit linker Schlagseite vor und fordern eine angepasste Konzession.
Halbierungsinitiative: Komitee präsentiert Kampagne für Gebührensenkung
Das überparteiliche Ja-Komitee zur SRG-Halbierungsinitiative informierte am Mittwoch in Bern. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

«Die Konsumenten müssen entlastet werden»: Mit diesen Worten fasste der SVP-Vizepräsident Thomas Matter das Hauptargument zusammen. Der Zürcher Nationalrat präsentierte zusammen mit weiteren Vertreterinnen und Vertretern des Ja-Komitees am Mittwoch in Bern vor den Medien die Argumente für die Volksinitiative «200 Franken sind genug», auch SRG-Halbierungsinitiative genannt.

Die Senkung der «weltweit höchsten geräteunabhängigen Radio- und Fernsehgebühren» sei gerechtfertigt, führte Matter an der Medienkonferenz aus. Die Bürgerinnen und Bürger kämpften mit steigenden Mietpreisen und Krankenkassenprämien. Durch die mit der SRG-Initiative geforderte Gebührenreduktion bleibe allen mehr Geld zum Leben.

Bei einer Annahme der Vorlage müssten nicht nur die privaten Haushalte weniger bezahlen (200 statt aktuell 335 Franken). Die Gebühren für Unternehmen würden sogar komplett wegfallen. Explizit kritisierte das Initiativkomitee deshalb die «unfaire Doppelbesteuerung» von Unternehmerinnen und Unternehmern, wie es Matter formulierte.

Die Doppelbelastung für Autogaragen

Diese würden derzeit sowohl als Privatpersonen als auch als Unternehmende zur Kasse gebeten. Das Geld bei diesem «Konstruktionsfehler» fehle in den Betrieben, sagte Fabio Regazzi, der Präsident des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV). «Bei der Ausbildung unserer Lernenden, bei der Weiterbildung der Mitarbeitenden, bei Team-Events, bei Investitionen und bei der Cybersecurity», verdeutlichte der Tessiner Mitte-Ständerat.

Gleich mehrmals führten die Initianten das Beispiel einer Autogarage auf, so auch der FDP-Unternehmer und -Nationalrat Heinz Theiler. Eine typische Garage habe hohe Umsätze, aber tiefe Margen. Egal, wie wirtschaftlich der Betrieb arbeite, die Gebühr sei stets gleich hoch, erklärte Theiler. Entscheidend für die Höhe der Gebühr sei einzig der Umsatz. «Das ist nicht nachvollziehbar.»

Der Bundesrat habe dieses Problem zwar anerkannt, sei aber auf halbem Weg stehengeblieben, sagte Theiler weiter. Der Systemfehler bleibe deshalb bestehen. Mit der neuen Verordnung, die ab 2027 gilt, hat die Landesregierung die Limite für die Entrichtung der Unternehmensabgabe von heute 500'000 auf 1,2 Millionen Franken erhöht. So würden laut Bundesrat rund achtzig Prozent der Firmen von der Abgabe befreit.

SRG habe Schlagseite

Die Medienvielfalt sei heute mit einer Vielzahl von Angeboten im Internet grösser denn je. Gleichzeitig müssten junge Menschen ein Angebot bezahlen, das sie kaum je nutzen würden, argumentierte das Komitee weiter. Das sei unfair, sagte Pauline Blanc, die Präsidentin der Jungfreisinnigen. Zumal die Jungen in der Zeit der Ausbildung finanziell nicht auf Rosen gebettet seien.

Ein Teil der Referentinnen und Referenten verheimlichte seine Ablehnung gegen die Berichterstattung der SRG nicht. Sie habe eine politische Schlagseite nach links, so Thomas Matter. Die Zahlen einer Studie der ZHAW, der zufolge etwa siebzig Prozent aller SRG-Medienschaffenden als links einzuordnen sind, würden eine deutliche Sprache sprechen. «Sie schlägt sich auch in der journalistischen Arbeit nieder», ist Matter überzeugt – und führte verschiedene Beispiele von «groben Verfehlungen» auf.

Matter brachte die Initiative zudem mit der Zuwanderung in Zusammenhang. Durch diese wachse die Schweiz pro Jahr um 40'000 Haushalte, wodurch die SRG jährlich 13 Millionen Franken mehr Gebühren einnehme – in einer Zeit, in der private Medien an allen Orten sparen müssten. Es sei diese Schieflage, welche die Unabhängigkeit, die Vielfalt und den Zusammenhalt in der Schweiz gefährden würden, und nicht die Behauptung der Gegner, die Initiative bedrohe die Schweiz im Kern.

Die Frage des Auftrags

Gregor Rutz von der SVP und Jonas Lüthy von den Jungfreisinnigen nahmen zudem die Konzession der SRG, also den genauen politischen Auftrag des Bundes, in den Fokus. Die Frage nach dem Service public ist nicht explizit im Initiativtext enthalten. Sie sei aber entscheidend, erklärte Rutz vor den Medien. Denn diese Diskussion, der sich das zuständige Departement und das Parlament verweigern würden, müsse endlich geführt werden.

Die SRG sei in den vergangenen Jahren in Marktbereiche vorgestossen, die nicht zu ihrem konzessionierten Auftrag gehörten. Rutz nannte die zahlreichen Radiosender, TV-Sendungen im Unterhaltungsbereich und den Ausbau des Onlineangebots als Beispiele. «Die Initiative zwingt die SRG zu dieser notwendigen Kurskorrektur», so der Zürcher Nationalrat. Die Annahme der Initiative lasse privaten Medienhäusern mehr Raum, da sie den Wettbewerb fördere, schloss Rutz daraus. (sda/nil/cbe)

Von Sandro Mühlebach, Keystone-SDA


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KOMMENTARE

Werner Frei
15.01.2026 12:28 Uhr
Wenn man links ist und die entsprechenden Kontakte hat, wird man von SRF gehegt und gepflegt. Zweimal habe ich bei der Chefredaktion angeregt, über die vier Autorinnen des Millionensellers «Toptopf» einen Beitrag in Auftrag zu geben. Auflage über 3 Millionen Exemplare, die Schweiz spricht von den «Köchinnen der Nation». Es erschien ein sehr guter, zehnminütiger Beitrag im Radio. Im Hinblick auf die Halbierungsinitiative nimmt SRF für sich in Anspruch, für den nationalen Kulturerhalt zu sorgen!
Reto Wettstein
15.01.2026 07:51 Uhr
Wenn die SRG sparen wollte, würde sie auf UKW konsequent verzichten. Ein hin und her macht die Taschen leer. Das weiss jeder Kleinanleger. Die SRG macht aber, was sie will. Da hat der Wähler, die Wählerin keine andere Möglichkeit, als mit dieser Initiative Fakten zu schaffen. Mit Gebühren ist sorgfältig zu Haushalten. Die SRG hat gezeigt, dass sie das nicht will. Ich musste meine Meinung daher nach dem UKW hin und her von Frau Wille revidieren und stimme nun JA zur Initiative.
Victor Brunner
14.01.2026 19:02 Uhr
Mark Balsiger, vor «No Billag» wurde versprochen auf Unterbrecherwerbung nach 20 Uhr zu verzichten, was haben wir heute? Zur Desinformation, SRG SSR hat während Corona die Desinformation vom BAG übernommen, Masken nützen nichts während in China alle mit Masken unterwegs waren. Und plötzlich war Masken tragen angesagt. Das System eine Nation, ein Sender, eine "Stimme", das Radio Beromünster "Reduit taugt nicht mehr. SRG SSR steht mit dem Monopolanspruch der Medien- und Meinungsvielfalt im Wege!
Eva Meier
14.01.2026 14:27 Uhr
Ich finde diese Diskussion unsäglich. Natürlich bin ich ebenfalls der Meinung von Kommentarschreiber Marc Balsiger (Und sie blenden den wohl wichtigsten Aspekt aus: Desinformation und der Missbrauch von Künstlicher Intelligenz gehören weltweit zu den grössten Gefahren. Um Paroli bieten zu können, braucht es starken, unabhängigen Journalismus.) Genau, es braucht starken, unabhängigen Journalismus. Es braucht dafür aber kein staatlich finanziertes Entertainment-Fernsehen. Für starken, unabhängigen Journalismus brauchen wir weder Tatort, noch Shaolin-Retreats noch hochbezahlte Sportler in irgendwelchen Awards-Verleihungen.
Andreas Häuptli
14.01.2026 13:47 Uhr
Der Umsatz der Regazzi Gruppe beläuft sich gemäss Berichten aus dem Jahr 2024 auf knapp 30 Millionen Franken. Die 8'765 Franken sollten also tragbar sein. Oder zahlt Regazzi auch keine Steuern für die Bildung im Tessin, weil er nicht mehr zur Schule geht?
Mark Balsiger
14.01.2026 12:30 Uhr
Es ist bemerkenswert, mit welcher Hartnäckigkeit sich hier ein libertärer Zirkel an der SRG abarbeitet und alles tut, um den öffentlichen Rundfunk massiv zu schwächen. Vor acht Jahren war es «No Billag», jetzt die Halbierungsinitiative, die letztlich den selben Effekt hat - man will die SRG zerschlagen. Die Initianten vergessen die drei kleineren Sprachregionen, die quersubventioniert werden müssen. Und sie blenden den wohl wichtigsten Aspekt aus: Desinformation und der Missbrauch von Künstlicher Intelligenz gehören weltweit zu den grössten Gefahren. Um Paroli bieten zu können, braucht es starken, unabhängigen Journalismus. Die Privaten können diesen immer weniger liefern, weil ihnen das Werbegeld ausgeht.
Stefan Widmer
14.01.2026 11:01 Uhr
Pauline Blanc, Vizepräsidentin der Jungfreisinnigen Schweiz, verwies auf die Belastung junger Menschen: «Viele junge Menschen staunen nicht schlecht, wenn die Serafe-Rechnung in Höhe von 335 Franken ins Haus flattert Ja, Pauline, ich glaube die jungen Menschen staunen auch nicht schlecht, wenn sie erfahren, dass ihre komplette Schulbildung von der Allgemeinheit bezahlt wurde, auch von ganz vielen Menschen, die sie nicht kennen und die das Geld besser für etwas anderes ausgeben würden, als für die Schulbildung unbekannter Menschen. Krass, wie sie staunen würden.