08.03.2026

Halbierungsinitiative

Medien sehen keinen Freipass für SRG

Die Schweizer Presse sieht im klaren Nein zur SRG-Initiative ein klares Bekenntnis zum medialen Service public. Gleichzeitig verlangen die Zeitungen von der SRG mehr Zurückhaltung, mehr Selbstkritik und eine präzisere Definition ihres künftigen Auftrags.

«So schlimm finden die Menschen in der föderalistischen, bürgerlich geprägten Schweiz ihr Fernsehen und Radio offenbar nicht», schreiben die Tamedia-Zeitungen in ihrem Kommentar zur Abstimmung. Das Medienhaus müsse nun aber einen Sparauftrag umsetzen, nachdem der Bundesrat bereits eine Reduktion der Gebühren beschlossen habe. Noch wichtiger sei jedoch die Diskussion über die neue Konzession im Hinblick auf 2029.

Dabei fordert Tamedia vor allem eine Schärfung des Auftrags. Insbesondere der Ausbau im Onlinebereich müsse überprüft und enger an den Kernauftrag von Radio und Fernsehen gebunden werden. Zur Debatte stehe auch, welchen Stellenwert Information, Sport, Kultur und Unterhaltung künftig haben sollen.

Kein «Weiter-wie-bisher»

Trotz des klaren Sieges sei für die SRG ein «Weiter-wie-bisher» ausgeschlossen, heisst es auch in einem Kommentar der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ). Sparen müsse sie trotzdem. Noch wichtiger sei jedoch, dass sich das Medienhaus künftig stärker mit Kritik auseinandersetze und sie nicht als Majestätsbeleidigung abtue.

Wer permanent betone, die SRG gehöre allen, müsse auch den Skeptikern zuhören, schreibt die Zeitung. «Eine Diskussion darüber, was ein Medienhaus – das nicht über Abonnemente, sondern über Abgaben finanziert wird – leisten soll und was nicht, ist notwendig», hielt die NZZ fest.

«Arrogant»

Noch dringlichere Mahnungen kommen vom Onlineportal Watson. Die SRG sei zwar «noch einmal davongekommen», sie müsse jedoch ihr «oft arrogantes Verhalten» ändern, sonst sei der nächste Angriff programmiert. Als Beispiele für eine arrogante Haltung wurden verschiedene Entscheide der jüngeren Vergangenheit genannt.

Dazu zählten Kürzungen bei Kultur- und Wissenschaftssendungen, die Abschaltung der UKW-Radiosender oder die Wiederaufnahme von Werbeunterbrechungen bei Spielfilmen, nachdem zuvor das Gegenteil versprochen worden war.

«Foutieren sich um Volkswillen»

In der Republik schreibt Medienredaktor Dennis Bühler, dass der Druck auf die SRG trotz der Ablehnung der Halbierungsinitiative anhalten werde. Insbesondere Bundesrat Albert Rösti und die Verleger fordern weitere Einschränkungen. Damit machten sie «noch nicht einmal ein Geheimnis daraus, dass sie sich um den Volkswillen foutieren.»

Im Nebelspalter sieht Dominik Feusi die Ablehnung als «Sieg der politischen Profiteure». Die Initiativgegner von Mitte-Links wüssten, «dass sie in der SRG den verlässlichsten Partner im linkslastigen Mediensystem haben.» Die politische Schlagseite werde mit der Debatte über die neue Konzession aufs Tapet kommen. Diese Frage sei wichtiger als die Frage des Geldes. 

«Saftlose SVP»

Für das deutliche Resultat fanden die CH-Media-Zeitungen verschiedene Gründe. In der Aargauer Zeitung wird die gescheiterte SRG-Initiative mit einer «formidablen Nein-Kampagne», dem starken Einsatz von Medienminister Albert Rösti und einer «saftlosen SVP» erklärt. Auch Watson schreibt, die SVP habe einen auffallend unmotivierten Abstimmungskampf geführt.

Laut der Westschweizer Zeitung Le Temps war es das Argument des nationalen Zusammenhangs, das sich ausbezahlt hat. «Die Schweizer wollen Marco Odermatt, Franjo von Allmen und Loïc Meillard auf ihren Bildschirmen Medaillen gewinnen sehen und zugleich die Vielfalt ihrer Sprachen und Kulturen schützen», schreibt die Zeitung in einem Kommentar. Auch der internationale Kontext und das «geschickte Manöver» von Bundesrat Rösti, der bereits vor der Abstimmung eine Budgetkürzung durchsetzte, hätten eine Rolle gespielt.

Für die NZZ ging die Initiative schlicht zu weit. SRF kommt zu einem ähnlichen Schluss. «Das klare Nein zeigt: Am Schluss hatte die Initiative, ausser bei den SVP-Parteigängern und bei regierungskritischen Personen, nur noch wenig Unterstützer», analysierte SRF-Bundeshausredaktor Urs Leuthard auf srf.ch. (sda/cbe/nil)


Lesen Sie auch den Kommentar von Matthias Ackeret, Verleger und Chefredaktor von persönlich und persoenlich.com.


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