CH-Media-CEO Michael Wanner widerspricht der These von Ringier-CEO Marc Walder, wonach langfristig nur drei Schweizer Digitalmarken überleben werden und Regionalmedien keine Chance hätten. Als Begründung hatte Walder unter anderem das Aufkommen der KI und die wachsende Dominanz globaler Plattformen genannt (persoenlich.com berichtete).
In einem am Samstag erschienenen Interview mit dem Tages-Anzeiger zeigt sich Wanner zuversichtlich: Im zweiten Halbjahr 2025 sei es CH Media erstmals gelungen, den Gesamt-Abo-Bestand zu stabilisieren – digitale Abos und E-Paper hätten den Rückgang im Printbereich kompensiert. Zudem nehme die Zahlungsbereitschaft im Digitalen zu.
Gerade in Zeiten künstlicher Intelligenz hätten Regionalmedien eine Zukunft, weil sie eigene, selbst recherchierte Inhalte produzierten. In einer direkten Demokratie wie der Schweiz werde es immer ein Bedürfnis nach gutem Regionaljournalismus geben. KI sieht Wanner dabei als zweischneidiges Schwert: Sie ermögliche Effizienzgewinne, berge aber die Gefahr, dass Medieninhalte auf Knopfdruck kopiert würden. «In jedem Fall braucht es bei der KI eine Regulierung», sagt Wanner im Tages-Anzeiger. Er fordert zudem Lizenzgebühren von KI-Anbietern für den Zugriff auf journalistische Archive.
Beim Printgeschäft schliesst Wanner eine reduzierte Erscheinungsfrequenz als Übergangsmodell nicht aus – in den USA und Skandinavien werde das bereits praktiziert. Konkrete Pläne gebe es aber nicht. Gedruckte Zeitungen würden länger überleben als viele dächten, besonders am Wochenende. Die Schweiz am Wochenende erreiche jede Woche mehr als eine Million Leserinnen und Leser.
Zur SRG positioniert sich Wanner klar: Er unterstütze den Kurs von Medienminister Albert Rösti, der der SRG engere Leitplanken setzen wolle. Die SRG habe früher keine Tageszeitung herausgegeben und müsse deshalb auch heute keine ins Internet stellen. (cbe)
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18.04.2026 11:27 Uhr

