20.07.2017

Mediapulse

Schweizer Privatradios auf dem Vormarsch

Das Radio hat in der Schweiz eine treue Hörerschaft. Neun von zehn Personen hören täglich Radio. Zwar halten die SRG-Sender die grössten Marktanteile, haben jedoch im ersten Halbjahr 2017 zugunsten der Privatradios eingebüsst. An der Spitze wird es wieder enger.
Mediapulse: Schweizer Privatradios auf dem Vormarsch
Im ersten Semester 2017 erreichten die Schweizer Privatradios mit 31,5 Prozent den bisher höchsten Marktanteil ihrer Geschichte. (Bild: Keystone)

Die Deutschschweizer nutzen das Medium Radio im Schnitt 114 Minuten pro Tag. Die Bevölkerung in der italienischen Schweiz hört 112 Minuten Radio, die Romands nutzen das Radio noch 97 Minuten am Tag. Dies zeigen die Radionutzungszahlen des ersten Halbjahres 2017 von Mediapulse, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum hörten die Schweizer in allen Sprachregionen etwa 4 Minuten weniger lang Radio.

Auch die Reichweite ging in allen Landesteilen leicht zurück. So kamen an einem durchschnittlichen Tag im ersten Halbjahr 86 Prozent der Deutschschweizer in Kontakt mit einem oder mehreren Radiosendern. In der Romandie lag dieser Wert bei 83 Prozent, im Tessin bei 88 Prozent.

SRG-Kanäle am stärksten

Die Sender der SRG SSR halten die grössten Marktanteile. In der italienischen Schweiz verbuchen diese drei Viertel in den anderen beiden Sprachregionen knapp zwei Drittel des Radiokonsums für sich, wie es in einer Mitteilung heisst. Dennoch haben die SRG-Angebote in allen drei Landesteilen Marktanteile zugunsten der einheimischen Privatradios eingebüsst. Deren kumulierter Marktanteil lag in der Deutschschweiz bei 31,5 Prozent, in der Westschweiz bei 25 Prozent und in der Svizzera Italiana bei 17 Prozent.



«Im ersten Semester 2017 erreichten die Schweizer Privatradios mit 31,5 Prozent den bisher höchsten Marktanteil ihrer Geschichte», schreibt der Verband Schweizer Privatradios (VSP) in einer Mitteilung. Der VSP sehe diese «erfreuliche Entwicklung» als Bestätigung für die Beliebtheit und die gesellschaftliche Bedeutung der regionalen Programme. Die starke Marktposition unterstreiche die VSP-Forderung, dass allen bisher konzessionierten Privatradios die Veranstalterkonzession bis zur Ausserbetriebnahme von UKW ohne Ausschreibung verlängert werden soll.

Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze

Wie schon im letzten Semester bleibt bei den Privatradios Energy Zürich an der Spitze (persoenlich.com berichtete). 274'410 Hörer erreichte der Sender täglich im ersten Halbjahr 2017 (Gesamtbevölkerung ab 15 Jahren, Deutschschweiz, Montag bis Sonntag). Dahinter folgt Radio 24 – und schliesst auf. Nur noch 23'320 Hörer trennen Radio 24 vom Erstplatzierten. Im zweiten Halbjahr 2016 war es noch eine Differenz von 27'200 Hörern, im ersten Halbjahr 2016 gar noch 35'230. «Das ist eine gute Tendenz», heisst es in einer Mitteilung von Radio 24. Die in den letzten Monaten vollzogenen Änderungen am Radioprogramm sollen «langsam und stetig greifen».

Auf dem dritten Platz folgt mit 227'170 Hörern Radio FM 1. «Besonders freut uns, dass wir den Vorsprung in unserem Sendegebiet auf die direkten Mitbewerber SRF 3, Radio Top oder Radio Südostschweiz ausbauen konnten», wird André Moesch, Geschäftsführer von FM1, in einer Mitteilung zitiert.


Neue Messuhren ab 2018

Mediapulse veröffentlicht die offiziellen Nutzungszahlen zweimal jährlich. Berücksichtigt werden der Live-Radiokonsum via Kabel, UKW, DAB+ und Webradio der in der Schweiz wohnhaften Bevölkerung ab 15 Jahren.

2018 wird Mediapulse eine neue Generation von Messuhren einsetzen, wie sie mitteilte. Diese erfassen den Radio-Konsum der Träger mithilfe eines eingebauten Mikrofons, speichern diesen verschlüsselt ab und leiten ihn mittels einer Dockingstation zur Auswertung weiter. Getestet wird zudem eine App als Messinstrument, deren Daten aber noch nicht in die neue Messung einfliessen werden. (sda/cbe)


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KOMMENTARE

Sandro Prezzi
21.07.2017 16:22 Uhr
Mit 86% Tagesreichweite ist Radio das meistgenutze elektronische bzw. digitale Medium der Schweiz. TV bringts auf 68% und Online und Social auf unter 50%. Die Uebermacht der gebührenfinanzierten Sender ist systembedingt und hat nichts mit Leistung zu tun. Wenn es nur SRF erlaubt ist nationale Sender zu betreiben, na dann ist dies das Ergebnis. Als Werbemedium ist darum Radio in der Schweiz im Gegensatz zum umliegenden Ausland (z.B. Deutschland wo Radio gerade Rekordwerbeumsätze feiert) unterbelegt. Kein Wunder - die potentielle Tagesreichweite für Werbespots liegt kummuliert bei max. 25-30%. Für eine nationale Werbekampagne bestenfalls als Supportmedium geeignet. Das sich dann noch die einzelnen Privatradios schwer tun mit Gattungsmarketing und sich lieber gegenseitig bekämpfen statt gemeinsam neue innovative Angebote zu kreieren, wird das wohl auch weiterhin so bleiben. Schade. Am Swiss Radio Day vom 24. August können wir diese Themen dann weiterdiskutieren... bis bald!
Rudolf Berner
21.07.2017 15:06 Uhr
Die allgemeinen Kräfteverhältnisse im Radiomarkt zwischen SRG und Privaten sind ja hinlänglich bekannt. Spannend ist, dass es in einem häufig totgesagten Medium gelingt, zusätzliche Hörer zu gewinnen, während der Marktführer deutlich verliert (da soll keine Schadenfreude durchklingen)! Und für Werbekunden ist die Reichweite der SRG-Sender sowieso irrelevant - da spielen die Privaten in Summe eben doch eine Rolle.
Giuseppe Scaglione
21.07.2017 12:08 Uhr
Auf dem Vormarsch? Echt jetzt? Ich weiss gar nicht, weshalb sich die Privatradios hier derart abfeiern. Dazu gibt es eigentlich keinen Grund. Die SRG kommt mit ihren Radios auf einen Marktanteil von fast 64%!! Allein mit SRF1 und SRF3 kommt die SRG auf einen Marktanteil von rund 46%! Alle Privatradios zusammen (rund 35 Sender) kommen gemeinsam auf einen Marktanteil von gerade einmal 31,5%, den sie sich untereinander aufteilen müssen! Das stärkste Privatradio kommt auf einen Marktanteil von 2,78%. Das stärkste SRG-Radio (SRF 1) kommt auf einen Marktanteil von 30,34%! So sieht's aus. Noch Fragen?
Ueli Custer
21.07.2017 10:18 Uhr
Ich kann Dieter Widmer nur voll und ganz zustimmen. Es ging mir genau gleich.
Dieter Widmer
21.07.2017 09:02 Uhr
Der Bericht ist sehr unübersichtlich. Es werden % der Reichweite (SRF) mit der Anzahl Hörer (Privatradios) vergleichen. Und. Wenn Sie schon alle Privatradios zusammenzählen, sollten Sie diesen die Gesamtsumme aller SRF-Radiosender gegenüberstellen. Das ergäbe dann ein Bild einer sehr dominanten Stellung der SRF-Sender.
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