21.12.2004

SF DRS sucht TV-Journalisten

Jahrelang herrschte am Leutschenbach praktisch ein Einstellungsstopp: Jobs wurden vornehmlich intern ausgeschrieben. Heute präsentiert sich die Situation ganz anders: Weil Grossprojekte wie "Traumjob" und "MusicStar" die Arbeitskräfte absorbieren, entstehen auf den Redaktionen personelle Engpässe. Die Folge: SF DRS sucht TV-Journalisten zuhauf. "persoenlich.com" sprach mit Ueli Haldimann, Chefredaktor von SF DRS, über das kleine Jobwunder beim Schweizer Fernsehen. Das Interview:

SF DRS hat in den vergangenen Jahren kaum neue Leute eingestellt. Nun werden am Leutschenbach wieder Stellen geschaffen. Weshalb?

Als wir im Jahr 2002 das Mittagsmagazin absetzten, mussten wir allein in der Abteilung Information über 30 Vollzeitstellen abbauen. Wir haben damals versucht, möglichst wenig Kündigungen auszusprechen, und haben nach internen Lösungen gesucht. Deshalb stellten wir in den vergangenen zwei Jahren kaum neue Journalisten an. Heute ist unsere Situation eine ganz andere: Dank mehreren Sparrunden und effizientem Umgang mit den vorhandenen Mitteln können wir im kommenden Jahr ins Programm investieren. Damit verbunden ist die Schaffung von zahlreichen neuen Stellen. Und es gibt auch wieder natürliche Abgänge, die ersetzt werden müssen.

Die SRG spricht von einschneidenden Sparmassnahmen, zugleich werden Stellen geschaffen. Kein Widerspruch?

Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und im vergangenen Jahr im Unternehmen SF DRS Sparmassnahmen durchgesetzt, die Effizienz unserer Abläufe gesteigert und unsere Strukturen verschlankt. Es ist im Sinne des Gebührenzahlers, dass wir die eingesparten Mittel nun ins Programm fliessen lassen. Aber es stimmt auch, dass sich aufgrund der Revision des Radio- und Fernsehgesetzes in ein paar Jahren erhebliche Probleme auftun.

Statt das Programm auszubauen und neues Personal einzustellen, könnte man auch die TV-Gebühren für die Konsumenten vermindern...

Sie bringen es fertig, uns auch noch dann zu kritisieren, wenn wir das Programm ausbauen und neue Stellen schaffen! Im Ernst: Ich glaube nicht, dass der Gebührenzahler dagegen ist, fürs gleiche Geld ein attraktiveres Programm zu bekommen.

Können Sie Beispiele von Einsparungen angeben?

Ich kann es an einem neuen Projekt erklären: Das neue People-Magazin wird mit tiefen Fixkosten produziert, da schon bestehende Schnittplätze und Studios genutzt werden. Der überwiegende Teil der Kosten, die wir für die Sendung aufwenden, gehen ins Personal. Mit der neu auf 18 Uhr angesetzten Vorabend-Tagesschau und der neuen Schweizer Game-Show um 18 Uhr 15 werten wir den Einstieg in den Abend massiv auf, wodurch wir vielleicht auch die Werbeeinnahmen steigern können.

Wieviele Stellen werden geschaffen?

Zum einen sind es beim People-Magazin insgesamt acht Stellen. Zum anderen sind auf kommenden Sommer hin fünf neue Stellen für das geplante kleine Newsportal von SF-DRS im Internet vorgesehen. Im Moment haben wir aber auch viele Projekte am Laufen, die mit ad-hoc-Redaktionen ausgestattet sind. Im Januar/Februar ist die Realisierungsphase von MusicStar. Ab Februar wird Traumjob produziert. Im Februar/März/April drehen wir die Sommer-Doku-Soap. Die Sendung Reporter, die ab 29. März wöchentlich kommt, wird Aufträge im Haus erteilen. SF Spezial produziert im Frühjahr seine Sommerserie. Und so weiter. All diese Sendungen heuern für eine bestimmte Zeit Personal aus den bestehenden Redaktionen an und geben sie nach ein paar Wochen wieder zurück. Diese ständigen internen An- und Abwerbungen verursachen zur Zeit grosse personelle Engpässe in den einzelnen Redaktionen. Wir ziehen da ein bisschen die Bettdecke hin und her. Ich habe deshalb meine Redaktionsleiter dazu ermuntert, auch ausserhalb des Unternehmens nach neuen Mitarbeitern zu suchen.

Werden Sie versuchen, bei anderen TV-Stationen Journalisten abzuwerben?

Es ist durchaus möglich, dass wir auch bei Regionalsendern den einen oder anderen für uns zu gewinnen versuchen. In den vergangen zwei Jahren haben wir fast keine Journalisten von anderen TV-Stationen abgeworben. Da hat es ein paar Talente, die nur darauf warten, in die Nationalmannschaft zu wechseln.

Investiert SF-DRS auch in die Ausbildung, oder überlässt Sie diese Aufgabe den lokalen TV-Stationen?

Wir sind gegenwärtig das einzige Medienunternehmen in der deutschen Schweiz, das im grösseren Stil Journalisten ausbildet. Ende Januar endet der erste Stagiaire-Lehrgang von SF DRS: 9 junge Kolleginnen und Kollegen wurden während anderthalb Jahren intensiv ausgebildet. Da sie alle sehr qualifiziert und motiviert sind, sind sie auch begehrt: Alle haben für nachher im Haus eine Stelle gefunden. Anfang Jahr beginnt der zweite Stagiaire-Lehrgang, mit diesmal dreizehn Stagiaires aus allen Abteilungen.


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