11.02.2026

Presseschau

So würdigen die Medien Karl Lüönd

Vom «Jagdhund» zum «Grand Old Man»: Die Medien erinnern an Karl Lüönd als vielseitigen Journalisten, der sich vom Boulevard-Reporter zur moralischen Instanz der Branche wandelte. Über Jahrzehnte war er eine prägende Figur des Schweizer Journalismus.
Presseschau: So würdigen die Medien Karl Lüönd
Karl Lüönd, hier als Chefredaktor der Züri Woche, aufgenommen im Dezember 1994 in Zürich. (Bild: Keystone/Str)

Am Montag ist Karl Lüönd gestorben, einer der bekanntesten Schweizer Journalisten (persoenlich.com berichtete). Der 80-Jährige hatte eine bemerkenswerte Karriere hinter sich: vom Boulevard-Reporter beim Blick über die Gründung der Züri Woche bis hin zum Leiter des Medieninstituts und Erfinder der Dreikönigstagung. Er hinterlässt rund 30 Sachbücher.

«Ich hoffe aber, dass er nicht Herr Wiederkehr heisst»

Matthias Ackeret im Tages-Anzeiger«Um das Schulgeld mitzufinanzieren, ging er jeweils nach der Schule zur Kantonspolizei und erkundigte sich als 15-Jähriger nach den neusten Verkehrs- und Bergunfällen. Daraus verfasste er jeweils eine Kurzmeldung und verkaufte sie für wenige Franken der Luzerner Zeitung und der United Press International (UPI). Diese Begebenheit zeigt bereits zwei Talente, die Lüönds spätere Karriere prägten: das Kommerzielle, aber auch ein Gespür für alles Menschliche und Allzumenschliche. (…) Der katholische Bergler aus Uri schaffte, was nur wenigen Journalisten vergönnt ist: Er wandelte sich vom journalistischen ‹Jagdhund› (Lüönd) und rechten Chefredaktor zu einer moralischen Instanz – und somit Benchmark – der hiesigen Medienindustrie. (…) Dabei erfand er die ‹Dreikönigstagung›, den ersten Medientreff des Jahres, bei welchem die konkurrenzierenden Verlagshäuser und auch die SRG jeweils Friede, Freude und vor allem den Dreikönigskuchen zelebrieren. (…) Es gehört zur subtilen Ironie seines Lebens, dass ausgerechnet ein katholischer Bergler während anderthalb Jahrzehnten mit seiner Wochenzeitung die DNA des urban-protestantischen Zürich entschlüsselte. (…) Als Karl Lüönd im vergangenen Mai seinen 80. Geburtstag feierte, gab er ein Müsterchen seines tiefgründigen Humors. ‹Ich bin so glücklich und dankbar›, meinte er vor der versammelten Menge, ‹dass Herr Krebs wieder aus meinem Körper ausgezogen ist.› Die Menge klatschte erleichtert. ‹Ich hoffe aber›, fügte er nach einer Kunstpause an, ‹dass er nicht Herr Wiederkehr heisst.›»

«Im furztrockenen Karl-Lüönd-Sound»

Samuel Tanner in der Neuen Zürcher Zeitung«Lüönd wurde am 12. Mai 1945 geboren und wuchs in Uri auf, sein Vater war Arbeiter in der Munitionsfabrik Altdorf. Später sagte er: ‹Ich habe von den Pfaffen eine Überdosis erhalten.› Statt Priester in der Innerschweiz wurde er Journalist in Zürich. (…) ‹In den Zürcher Redaktionen war Karl Lüönd lange so salonfähig wie ein Wildschwein›, schrieb der Journalist Constantin Seibt einmal im Tages-Anzeiger. (…) Karl Lüönd sah nicht aus wie ein Zürcher Journalist. Er war Jäger, Zigarrenraucher. Wenn er im Studio des ‹Zischtigsclubs› sass, wirkte er in seinen bunten Hemd-Krawatten-Kombinationen eher wie ein Postautochauffeur. Umso besser kannte er das Land. (…) Als sich im vergangenen Herbst in der alten Ringier-Villa über Zofingen die Branche traf, sass er im Anzug in der ersten Reihe. Irgendwann verlangte er das Mikrofon. Er frage sich, sagte Lüönd, ob die Verleger noch an den Journalismus glaubten, den sie doch eigentlich verkaufen wollten. Er trug das weder in einem pathetischen noch in einem zynischen Ton vor, sondern in dem furztrockenen Karl-Lüönd-Sound. Er war an der Antwort interessiert.»

«No Bullshit, direkt ins Ziel»

Markus Somm im Nebelspalter«Ich rief Kari an – wie ihn alle nannten, die ihn kannten, und das war wohl die halbe Schweiz, bestimmt gehörten sämtliche Journalisten dazu – und Kari erklärte sich sogleich zu einem Treffen bereit, um mir, dem Novizen, zu zeigen, wie das geht. Gewiss, das waren Geschäftsgeheimnisse, aber wenn es einen grosszügigen Journalisten gab, was geistiges und materielles Eigentum betraf, dann war das Karl Lüönd. Neidlos und hilfsbereit gab er Jüngeren weiter, was er gelernt hatte. (…) Selbstverständlich kam er bestens vorbereitet, brachte mir Textproben mit, Musterbriefe, wie er den Kunden seine Dienste anpries, und vor allem Musterverträge, die zeigten, wie er sein Honorar berechnete – und so sah ich auch die Beträge, die er, wenn es gut ging, seinen Auftraggebern verrechnete. Es waren stolze Beträge. Lüönd, Sohn eines einfachen Arbeiters aus dem Urnerland, war auch ein tüchtiger Geschäftsmann. (…) Lüönd konnte schreiben wie ein kleiner Gott. Nicht wie ein grosser. Stilistisch gibt es wenig Auffälliges festzustellen, vielmehr war sein Stil ungeschminkt, No Bullshit, direkt ins Ziel.»

«Er vermittelte die Leidenschaft für den Journalismus»

Francesco Benini in der Aargauer Zeitung«Als Dozent war Lüönd geschätzt. Er vermittelte seinen Studentinnen und Studenten die Leidenschaft für den Journalismus, verfügte über eine sehr gute Nase für Recherchen und trat humorvoll auf. Als Lehrmeister war er so überzeugend, dass ihm die Jüngeren gelegentliche konservative Einlassungen nachsahen. (…) Der passionierte Jäger Lüönd gründete das Magazin Jagd & Natur und verfasste in erstaunlicher Kadenz Unternehmensgeschichten: über Kuoni, das Kinderspital Zürich, Ems Chemie, Dipl. Ing. Fust und andere mehr. Das waren Auftragsarbeiten, in denen unangenehme Aspekte der Betriebe nicht immer gründlich ausgeleuchtet wurden; dennoch entstanden informative und lesenswerte Werke. (…) Ein Weggefährte beschreibt Lüönd als Konservativen mit sozialer Ader. Er sammelte moderne Kunst und galt im Alter vielen als ‹Grand Old Man des Schweizer Journalismus›».

«Einer der wenigen Spitzenjournalisten mit verlegerischen Kenntnissen»

Erich Heini in der Weltwoche«Unter den auffallend vielen herausragenden Innerschweizern auf dem Medienplatz Zürich ist Karl Lüönd der wohl bekannteste und höchst respektierte. (…) Karl Lüönd war einer der wenigen Spitzenjournalisten, die auch vertiefte Kenntnisse des Verlegerischen besitzen. (…) Und wiederum zeichnete er sich durch eine schon beinahe unfassbare Breite der Inhalte seiner Bücher aus. Viele davon entstanden im Auftrag. Von einem Journalisten in einem Interview darauf etwas kritisch angesprochen, war Karl Lüönd gar nicht verlegen. Er meinte, man könne ihn mieten, jedoch nicht kaufen.»


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