Herr Hug, das Glarner Obergericht hat den Verkauf des Fridolin an die Somedia als «notwendig» und «unausweichlich» bezeichnet (persoenlich.com berichtete). Sie selbst haben für den Fridolin und die Obersee Nachrichten ein höheres Angebot als Somedia eingereicht, sind aber aus dem Rennen geflogen. Ist das endgültig?
Ja. Das Obergericht hat das Urteil des Kantonsgerichts vom 25. Juli abschliessend bestätigt, womit der Fridolin an Somedia geht. Die Obersee Nachrichten (ON) umgekehrt verbleiben im Verlag «Fridolin Druck und Medien Walter Feldmann AG», der aller Voraussicht nach mit über zwei Millionen Franken Konkurs geht.
Das dürfte wohl das Ende der ON als einst wichtigster Zeitung im Linthgebiet sein.
Das ist anzunehmen, ausser es geschieht ein Wunder. Die von mir angeführte Gruppe hätte, wie gesagt, die ON mitgekauft, aber das Obergericht hat anders entschieden.
Gibt es für Sie keine rechtliche Möglichkeit mehr, um den Verkauf des Fridolin an Somedia zu verhindern?
Nein. Offenbar gäbe es noch den Weg ans Bundesgericht, was mir aber als chancenlos erscheint.
Was bedeutet dieses Urteil für die Glarner Medienszene?
Dasselbe, was in Graubünden Tatsache ist. Der Somedia-Verlag, der vom Bund mit Subventionen für Radio, TV und Zeitungen in Millionenhöhe mitfinanziert wird, hat nun auch im Kanton Glarus ein faktisches Medienmonopol.
Warum war das Kaufinteresse am Fridolin so gross? Was macht die Zeitung attraktiv?
Das Gegenteil war der Fall. Es gab ja ausser Somedia und unserer Gruppe keine weiteren Interessenten für den Fridolin. Wer kauft denn heute noch eine Zeitung?! Im Normalfall gehen Zeitungen ein. Der Fridolin aber hat im Kanton Glarus eine wichtige Stellung. Darum wollte Somedia ihn sich auch einverleiben und damit zugleich die Konkurrenz zu ihren Glarner Nachrichten eliminieren. Das gelang ihr letztlich nur mit dem 2002 realisierten verteuerten Verkauf der Obersee Nachrichten an den Fridolin. Dieser war zu diesem Zeitpunkt von einem unfähigen Nachlassverwalter geführt, der Verleger spielen wollte. Mit diesem Verkauf respektive Kauf geriet der Fridolin in tiefe Abhängigkeit von Somedia, welche jetzt im Aufkauf der Zeitung gipfelte.
«Printmedien sind im Lokalbereich absehbar fast alle tot»
Man könnte sagen: Somedia hat gut gespielt.
Ja, das kann man den Bündnern attestieren. Wie viel Glück das bringt, wird die Zukunft weisen. Für die Gläubiger des Fridolin-Verlags, den Sanierer, der den Verlag noch zu retten versuchte und die Glarner Bevölkerung aber ist das nun entstehende Medienmonopol weniger erfreulich.
Sie haben die Obersee Nachrichten 1981 gegründet. Haben Sie Interesse, die Zeitung, die Sie 2002 den Bündnern verkauft haben, nochmals zu erwerben?
Die ON allein neu aufzubauen, wäre hoch problematisch. Im Verbund mit unserem stark gelesenen Online-Portal Linth24 und dem Fridolin wäre das möglich gewesen. Aber die Obersee Nachrichten ist ja nicht die einzige Zeitung, die eingeht. Es werden noch weitere folgen. Printmedien sind im Lokalbereich absehbar fast alle tot.
«Am Schluss hat eine lokale Zeitung, die sich ins Online gerettet hat, ein paar Tausend Online-Abos à vielleicht 100 Franken»
Und wie steht es denn um Ihren Online-Verbund Portal24?
Unsere Technik ist grossartig, genauso die Vernetzung unter den 22 heute dem System angeschlossenen lokalen Portale. Sobald ein Verleger ein Online-Medium herausgeben will, kann er sich uns anschliessen. Innerhalb einer Woche kann er starten und profitiert für wenig Geld von immensen Vorteilen. Aber auch Online-Medien haben es nicht leicht. Die Werbung finanziert die Medien nicht mehr. Der Verleger der New York Times, Arthur Sulzberger, sagte kürzlich im Magazin Stern, wir müssten uns entscheiden, wie wichtig uns informierte Gesellschaften seien. Wenn ja, müsse der Staat für die Medien Geld bereitstellen – wie für Museen, Schulen und Universitäten.
Klingt wenig erfreulich.
Richtig, aber in meiner Einschätzung haben wir erst die erste Hälfte der Medienkrise erlebt. Die andere Hälfte folgt. Glauben Sie, dass es in zehn Jahren in St. Gallen, Thun, Schaffhausen, Wattwil oder Chur noch genügend Leute gibt, die eine Zeitung abonnieren? Die Abo-Quoten sinken jährlich bis fünf Prozent. Momentan reden die Printverleger noch von der Transformation ins Online und erhalten damit Geld vom Staat, der ihnen das Märchen glaubt. Die Realität aber ist eine andere: Am Schluss hat eine lokale Zeitung, die sich ins Online gerettet hat, ein paar Tausend Online-Abos à vielleicht 100 Franken. Macht 300'000 oder 500'000 Franken pro Jahr. Und Werbung zum Google-Preis hat sie faktisch null. Jetzt können Sie selbst rechnen.
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22.08.2025 20:11 Uhr


