07.08.2025

20 Minutes

Sozialplan knapp angenommen – Personal sieht sich erpresst

Die TX Group hat einen umstrittenen Sozialplan nach 37 Entlassungen bei 20 Minutes in der Westschweiz durchgesetzt. Die Personalkommission wirft dem Konzern vor, die Angestellten unter Druck gesetzt zu haben.
20 Minutes: Sozialplan knapp angenommen – Personal sieht sich erpresst
Logo der TX Group an einer Tür in den Räumlichkeiten des Verlags in Lausanne, wo sich die Redaktion von 20 Minutes befindet. (Bild: Keystone/Laurent Gillieron)

Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 25 zu 24 Stimmen bei 13 Enthaltungen haben die Angestellten von 20 Minutes den von der TX Group vorgeschlagenen Sozialplan angenommen. Die Personalkommission (Peko) spricht von einer Scheinabstimmung unter massivem Druck, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. 

Ultimatum mit Drohkulisse

Die Geschäftsleitung hatte demnach dem Personal weniger als eine Woche Zeit für eine Einigung gegeben und damit gedroht, andernfalls den vorgeschlagenen Sozialplan platzen zu lassen. «Die Geschäftsleitung setzt uns das Messer an den Hals», kritisiert die Personalkommission das Vorgehen.

Viele Mitarbeiter hätten am Schluss nur zugestimmt, weil sie «am Ende ihrer Kräfte» waren und es vorgezogen hatten, wenigstens ein Minimum für sich und ihre Kollegen zu sichern. Die Personalkommission bewertet den Sozialplan schlechter als jenen von 2023. Alle Verbesserungsvorschläge seien von der Geschäftsleitung abgelehnt worden.

Syndicom kritisiert, TX Group schweigt

Die Mediengewerkschaft Syndicom, die das Personal in Lausanne unterstützte, teilt die Kritik. Der Druck auf das Personal zeige, «dass es der TX Group nicht um Menschen, sondern um Rendite geht», teilt Syndicom mit. Besonders bitter stosse auf, dass die drastischen Einsparungen auf dem Rücken der Journalisten vorgenommen würden, obwohl «die Alternativen und das Geld vorhanden» wären.

Die TX Group selbst äussert sich auf Anfrage nur knapp und missverständlich: Man stehe «in ständigem Kontakt mit der Personalkommission» und sei überzeugt, «in Kürze eine endgültige Lösung zu finden». Nur: Die «Lösung» liegt vor. Die Sozialplanverhandlungen sind abgeschlossen, wie die Gewerkschaft auf Anfrage bestätigt.

Alle Rettungsvorschläge ignoriert

Der Konflikt zwischen Personal und Verlag geht auf den Entscheid der TX Group zurück, die gedruckte Ausgabe der Gratiszeitung per Ende 2025 einzustellen. Das hatte das Zürcher Medienhaus im vergangenen Juni beschlossen. Als Konsequenz davon resultiert ein grösserer Stellenabbau.

Im Rahmen des Konsultationsverfahrens erarbeitete die Personalkommission einen umfassenden Katalog von mehr als einem Dutzend Alternativmassnahmen zur Stellenrettung (persoenlich.com). Damit hätten bis zu 25 der 37 gefährdeten Stellen gerettet werden können. Die Unternehmensleitung wies aber alle Vorschläge zurück.

Angesichts der gleichen Erfahrungen beim Konsultationsverfahren und nun bei den Sozialplanverhandlungen «möchte die Personalkommission ihre tiefe Bestürzung über die Methoden von TX Group zum Ausdruck bringen, die keinerlei Rücksicht auf ihr Personal gezeigt hat», wie sie in der Medienmitteilung schreibt.


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