Seinen letzten Auftritt als Journalist hatte er am 30. März. Im Tamedia-Podcast «Apropos» sprach Christian Brönnimann über seine Recherche rund um den Millionen-Erbstreit hinter den Kulissen des Berner Fussballklubs Young Boys. Am Ende der Episode erfährt man zwar, dass Brönnimann einen neuen Job antritt – wohin es geht, blieb im Podcast aber ungenannt. Inzwischen ist klar: Der langjährige Tamedia-Journalist hat das Metier verlassen und arbeitet seit Anfang April als Mediensprecher der Bundesanwaltschaft. Er tritt dort die Nachfolge von Matteo Cremaschi an. Brönnimanns Stelle am Tamedia-Recherchedesk übernimmt Alexandra Aregger. Er habe sich im November auf die ausgeschriebene Stelle der Bundesanwaltschaft beworben, erklärt Brönnimann auf Anfrage von persoenlich.com.
«In Themen eintauchen, die mir am nächsten sind»
«Nach über 20 Jahren im Journalismus ist der Wechsel zur Bundesanwaltschaft die Möglichkeit, noch tiefer in die Themen einzutauchen, die mir am nächsten sind», erklärt der ehemalige Journalist seine Motivation, etwas Neues anzupacken. An der neuen Funktion reizt ihn die Vermittlerrolle zwischen den Interessen der Strafverfolgung und des Journalismus.
Die Bundesanwaltschaft kennt Brönnimann bestens aus seinen Recherchen als Investigativjournalist – und umgekehrt auch. Nachdem Christian Brönnimann 2014 Korruption in grossem Ausmass im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) aufgedeckt hatte, reichte das Seco daraufhin Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft ein. Deren umfangreiche Ermittlungen führten schliesslich zu mehrjährigen, teils bedingten Freiheitsstrafen für die Verantwortlichen. Als Folge der Enthüllung des grössten Korruptionsskandals in der Bundesverwaltung seit Jahrzehnten gelten heute strengere Transparenzregeln bei der Vergabe von Aufträgen.
Zwei Mal mit dem Zürcher Journalistenpreis ausgezeichnet
Mehrere Grossrecherchen, an denen Brönnimann massgeblich beteiligt war, erhielten Journalistenpreise. Für die Seco-Enthüllung gab es 2015 den Zürcher Journalistenpreis, den er drei Jahre später für die Recherche zu den sogenannten Paradise Papers noch einmal erhalten sollte.
Zum Journalismus fand der Berner bereits als 21-Jähriger. Während seines Studiums der Philosophie, Medienwissenschaft und Betriebswirtschaft schrieb er als freier Journalist für die Könizer Zeitung und dann für den Bund in Bern. Nach dem Lizenziat stieg er hauptberuflich in den Journalismus ein. Beim Bund war er ab 2009 Lokalredaktor. Von 2011 bis 2015 arbeitete er in der Tamedia-Bundeshausredaktion. Seit 2016 bis Ende März 2026 war er Teil des Recherchedesks. «Ich verlasse den Journalismus mit dem guten Gefühl, dass sich vieles für mich erfüllt hat und dafür bin ich sehr dankbar. Auf das Neue freue ich mich nun sehr», resümiert Brönnimann.
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10.04.2026 09:32 Uhr
10.04.2026 08:02 Uhr

